Läuft alles nach Plan, beginnt Mitte 2018 der Neubau des Kantonsspitals Baden. 2022 soll das neue Spital in Betrieb genommen und der heutige Haupttrakt abgebrochen werden.

CEO Adrian Schmitter, Verwaltungsratspräsident Daniel Heller und Projektleiter Hans-Rudolf Gmünder präsentierten am Mittwoch das Siegerprojekt für den Neubau. 450 Millionen soll er kosten, maximal 450 Millionen darf er kosten, dieses Kostendach hat der Verwaltungsrat gesetzt.

Gibt es jetzt noch schnellere Durchlaufzeiten und muss der Steuerzahler wirklich nicht mehr Zahlen?

Kritische Fragen an CEO Adrian Schmitter (l.) und Verwaltungsratspräsident Daniel Heller.

Stemmen kann das Kantonsspital Baden die Mega-Investition aus eigener Kraft. Man steht finanziell besser da als die Kollegen in Aarau. Letztes Jahr wurde ein EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 31 Millionen erwirtschaftet, damit liegt die EBITDA-Marge (das Verhältnis zum Umsatz) in Baden dort, wo sie liegen sollte: bei rund 10 Prozent.

«Wir brauchen diesen Gewinn, um kreditwürdig zu sein», so Verwaltungsratspräsident Heller. Einen Teil der Investitionen will man auch aus den stattlichen Eigenmitteln von 230 Millionen finanzieren.

Sinnvoller als Sanierung

Die Idee, den in die Jahre gekommenen Haupttrakt aus dem Jahr 1978 total zu sanieren, wurde 2010 fallen gelassen. Die Sanierung wäre praktisch gleich teuer gekommen wie ein Neubau, bei parallel laufendem Spitalbetrieb aber viel komplizierter gewesen.

Und obwohl der bestehende Bau für die damaligen Verhältnisse als richtungsweisend galt, entspricht er den heutigen Anforderungen an ein modernes Spital mit seither doch stark veränderten Abläufen immer weniger.

Neues Kantonsspital Baden vorgestellt

Für 450 Mio. Franken wird ein neues Hauptgebäude für das Kantonsspital Baden gebaut. Tele-M1-Bericht von der Medienkonferenz.

Nun soll ein neuer, sechsgeschossiger Spitalbau entstehen. Der Betrieb im bestehenden Gebäude wird durch den Bau nicht behindert. Bevor mit dem Neubau begonnen werden kann, muss aber die Geschützte Operationsstelle zurückgebaut werden. Das soll im Lauf des Jahrs 2017 geschehen, sie wird also dann definitiv nicht mehr für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung stehen.

Das Siegerprojekt «Agnes»

Für den Neubau kamen sechs Projekte in die engere Wahl, am überzeugendsten war der Entwurf «Agnes» des Teams Nickl+Partner aus Zürich. «Agnes» übrigens in Anlehnung an den Namen der Tochter des 1308 bei Windisch ermordeten Königs Albrecht, dessen Witwe zu seinem Gedenken das Kloster Königsfelden stiftete.

Im Erdgeschoss des Neubaus werden sich Notfall, Radiologie und Ambulatorien befinden. Im ersten Obergeschoss unter anderem das Restaurant und Laboratorien. Das eigentliche Herzstück des Spitals mit Operationssälen und Intensivstation wird im zweiten Obergeschoss eingerichtet. Im dritten Geschoss wird hauptsächlich die Technik untergebracht und im vierten bis sechsten Obergeschoss werden je vier Bettenstationen realisiert.

Ambulante und stationäre Versorgung werden räumlich so getrennt, dass optimierte Behandlungsprozesse gewährleistet sind, gleichzeitig aber teure Infrastrukturen dennoch sowohl für ambulante als auch stationäre Patienten genutzt werden können.

Situationsplan für den Neubau des Kantonsspitals Baden

Situationsplan für den Neubau des Kantonsspitals Baden

Obwohl man für Baden mit einem überdurchschnittlichen Nachfragewachstum rechnet, wird die Kapazität mit dem Spitalneubau von heute rund 370 auf rund 400 Betten nur geringfügig erweitert. Das trägt auch dem Umstand Rechnung, dass die durchschnittliche Spital-Aufenthaltsdauer in den letzten Jahren markant gesunken ist.

Der Neubau hat allerdings einen modularen Charakter, was einerseits flexible Erweiterungen jederzeit ermöglicht und anderseits die Erneuerung einzelner Gebäudeteile unabhängig vom restlichen Spitalkomplex erlaubt. «Wir setzen auf die neusten Erkenntnisse im Spitalbau, wollten aber keinen Prototyp», fasst Verwaltungsratspräsident Daniel Heller die Vorzüge des Siegerprojekts zusammen.

Im Kantonsspital Baden wurden im vergangenen Jahr über 19 000 stationäre und fast 90 000 ambulante Patienten behandelt. Es ist in der Grundversorgung für eine Bevölkerung von gut 150 000 Einwohnern verantwortlich und mit über 2000 Angestellten einer der grössten Arbeitgeber im Ostaargau. Die Präsentation des Neubauprojekts nutzte die Spitalleitung auch, um auf den volkswirtschaftlichen Nutzen des Spitalbetriebs für die Region und den Kanton aufmerksam zu machen: Dieser betrage rund 800 Millionen Franken pro Jahr.