Jacqueline Strauss

Das «Mädchen für alles» beim FC Baden ist zum Funktionär des Jahres nominiert

Jacqueline Strauss spricht im Interview über ihre gemeinnützige Arbeit beim FC Baden

Jacqueline Strauss spricht im Interview über ihre gemeinnützige Arbeit beim FC Baden

Die 53-Jährige engagiert sich seit 27 Jahren für den FC Baden und ist dort Vorstandsmitglied. Nun wurde sie vom Aargauischen Fussballverband als Funktionär des Jahres nominiert. Jacqueline Strauss erzählt, weshalb sie sich seit bald drei Jahrzehnten freiwillig für den Fussballverein engagiert

Keine Person hat wohl so viele Spieler kommen und gehen sehen wie Jacqueline Strauss: Seit bald 30 Jahren engagiert sie sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für den FC Baden. Ob als Vorstandsmitglied, Frauenobfrau, Verantwortliche für die Hallenturniere, Finanzchefin der Juniorenkommission oder als Mitglied des Staff der 1. Mannschaft: Es gibt kaum ein Amt, das sie in all den Jahren nicht besetzt hätte.

«Ich bin kurz und knapp gesagt das Mädchen für alles», sagt Jacqueline Strauss mit einem Lächeln. Sie sitzt an einem der Tischchen beim Eingang des Stadions Esp. Alle – Eltern, Funktionäre, Spieler und Anlagewart –, die an ihr vorbeilaufen, begrüssen sie. Strauss grüsst freundlich zurück, bei manchen auch mit einem «Hoi Schätzli». Auf einmal zeigt sie auf ein Kind, das im rot-weissen Trikot Richtung Fussballplatz läuft. «Das ist der Sohn eines ehemaligen Fussballspielers», sagt Strauss und fügt an: «Ich finde es herzig, dass ich miterleben darf, wie neue Generationen heranwachsen.»

Die Leidenschaft zum Fussball hat Jacqueline Strauss bereits in ihrer Kindheit entdeckt. Doch als Frau stiess sie damit nicht überall auf Begeisterung. Rückblende: Jacqueline Strauss erblickt in Langenthal BE das Licht der Welt. Kurz darauf zieht sie mit ihrem Vater nach Österreich. «In meiner Schulzeit besuchten wir die Spiele des FC Klagenfurt. Damals war es noch erlaubt, Glasflaschen mit ins Stadion zu bringen. In den Pausen sammelten wir die liegengelassenen Flaschen ein.» Damit verbessert Strauss nicht nur ihr Sackgeld, sondern wird auch vom Fussballfieber gepackt. Selber anfangen zu spielen, darf sie aber nicht: «Meine Eltern waren damals der Auffassung, dass es sich für eine Frau nicht gehört.» Also beschränkt sie sich aufs Kicken auf dem Pausenplatz der Schule.

Endlich kann sie Fussball spielen

Mit elf Jahren kehrt Strauss zurück in die Schweiz, nach Geroldswil ZH. Nach der obligatorischen Schulzeit beginnt sie eine Lehre bei der Credit Suisse, der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt SKA. Die Freizeit nutzt sie, um die Spiele von GC und dem FC Dietikon zu besuchen. Zum Zeitpunkt, als sie aus dem Elternhaus zieht, beginnt sie gemeinsam mit ihrer Schwester beim FC Albisrieden Fussball zu spielen. «Leider löste sich die Frauenmannschaft kurze Zeit später auf», blickt Strauss zurück. Sie wechselt zum FC Rimini Calcio Zurigo, wobei auch dieses Team dasselbe Ende nimmt. Schliesslich stösst die damals 26-Jährige zum FC Baden. Endlich kann sie sich dem Fussballspielen widmen.

«Neben dem Spielen an sich übernahm ich in den darauffolgenden Jahren als Trainerin die 2. Mannschaft der Frauen und die Juniorinnen.» So rutscht Strauss mit der Zeit immer mehr in verschiedene Funktionären-Ämter, bis sie mit 32 Jahren die Fussballschuhe an den Nagel hängt. Heute ist Jacqueline Strauss – neben zahlreichen kleineren Aufgaben – für den Spielbetrieb zuständig. «Von den Kleinsten bis zur 1. Mannschaft organisiere ich, welche Teams auf welchen Plätzen spielen, zu welcher Zeit und welche Schiedsrichter aufgeboten werden», erklärt Strauss, die nun seit vielen Jahren in Rütihof lebt und den FC Baden zudem im Aargauischen Fussballverband (AFV) vertritt.

Aufgrund ihres langjährigen Engagements für den FCB wurde sie vom AFV als Funktionärin des Jahres nominiert. Die Siegerin oder der Sieger wird an der AFV-Gala am 17. November im Campussaal in Brugg-Windisch erkoren. «Es freut mich sehr, dass ich zu den drei Nominierten gehöre. Das zeigt mir, dass meine Arbeit geschätzt wird.» Überhaupt sage sie sich: «Wie man mit den Verbänden zusammenarbeitet, so kommt es auch zurück.»

Kaum Zeit für andere Hobbies

Wie viele Stunden sie denn für den FC Baden aufwende? Jacqueline Strauss zuckt mit den Schultern und sagt: «Das weiss ich nicht.» Jedenfalls sei sie abends täglich im Stadion und an den Wochenenden verfolge sie meistens die Matches der verschiedenen Teams. «Obwohl: Den Sonntag habe ich eigentlich für meine bessere Hälfte reserviert», sagt sie. «Aber er ist genauso angefressen wie ich. Letztendlich landen wir dann doch immer im Stadion.»

Was vielleicht verblüffen mag: Jacqueline Strauss hat Raymond Julier, den Team-Betreuer der 1. Mannschaft ist, nicht beim FC Baden kennen gelernt, sondern bei der Credit Suisse – für die sie heute noch arbeitet. «So ansässig wie ich beim FC Baden bin, so ansässig bin ich, was die Arbeit betrifft», sagt Strauss und lacht. Seit 1982 ist sie in der Informatikabteilung der Bank als Funktions-Testmanagerin tätig. «Der Job verlangt vieles ab. Den Stress baue ich mit meinen Funktionen beim Fussballverein ab.»

Zeit für andere Hobbys bleibt ihr nicht: «Klar lese ich gerne ein Buch und geniesse es, zu Hause zu sein. Doch am liebsten engagiere ich mich für den FC Baden. Dabei bin ich meistens auch in den Ferien für ‹meine Leute› erreichbar.» Ein Leben ohne Fussballverein kann sich Strauss nicht vorstellen: «Für mich ist der FCB eine grosse Familie, in der man sich wohlfühlt.» In all den Jahren habe sie viele schöne Freundschaften geschlossen, die heute noch andauern.

Sie wünscht sich den Aufstieg

Als eine der schönsten Erinnerungen ist Strauss der Aufstieg in die Nationalliga B mit der Frauenmannschaft geblieben. «Das war für mich ein super Erlebnis», blickt sie zurück. Auch die Matches im Cup gegen Super-League-Klubs seien jeweils tolle Erfahrungen. Was ihr hingegen missfiel, war, als die 1. Mannschaft in der Saison 2004/2005 von der Nati B in die 1. Liga abstieg. «Das war für alle sehr frustrierend», erinnert sie sich und fügt an: «Seither versuchen wir es immer wieder. Leider scheitern wir aber stets an kleinen Details.» Sie würde es sich so sehr wünschen, dass «ihre» Mannschaft den Aufstieg wieder schafft.

Gut möglich, dass Jacqueline Strauss diesen Erfolg eines Tages miterleben wird. Denn auf die Frage, wann sie mit ihrem freiwilligen Einsatz aufhören will, sagt sie: «Ich mache so lange weiter, wie es die Gesundheit zulässt.»

Autorin

Carla Stampfli

Carla Stampfli

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