Der Spaziergang beginnt bei der Schiefen Brücke. Noch bevor der Durchgang zu den Bädern passiert wird, fällt der Blick auf ein Schild: «Secondhand Shop und Restposten» – ein beinahe schon symbolischer Schriftzug am Eingang eines Quartiers, in dem römische Mauern, leer stehende Hotelgebäude und moderne Bauten aufeinandertreffen.

Im «Tor ins Bäderquartier» befindet sich der Schmuckladen von Juwelier Alfred M. Hiss. Er arbeitet seit 35 Jahren hier. «Ich habe alles über die Projekte im Bäderquartier gesammelt», sagt Hiss. Und er ist froh, dass es endlich vorwärtsgeht. «Mir gefällt das Bad, das Botta bauen will.» Nur mit der Politik ist er nicht immer einverstanden. Es dauere einfach alles zu lange. «Man muss aufpassen, dass man nicht die Investoren verjagt.» Hiss ist der Meinung, Stephan Attiger hätte bei seinem Amtsantritt als Stadtammann das Bäderquartier sofort zur Chefsache erklären sollen. «Vielleicht wäre dann alles ein bisschen schneller gegangen.»

«Ruhig und idyllisch»

Weiter geht es, vorbei an der bröckelnden Fassade des Hotels zum Ochsen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite ist die Zukunft bereits sichtbar. Die Dépendance Bären und die Dépendance Ochsen sind frisch renoviert. Hier hat die Software-Firma Open Text eine neue Bleibe gefunden. Facility Managerin Gila Giger erzählt: «Im Moment ist es herrlich hier, ruhig und idyllisch.» Das sei beim Einzug anders gewesen. Damals liefen rundherum Bauarbeiten, auch am Haus am Park, das inzwischen beinahe fertig ist. «Ich kam vor rund 35 Jahren nach Baden und dachte mir damals, dass ich mir einen Aufenthalt in den Bädern niemals würde leisten können», sagt Giger. Dann sei sie fast 30 Jahre nicht mehr ins Quartier zurückgekehrt, und als sie vor rund drei Jahren mit der Firma hierher kam, habe sie fast der Schlag getroffen. «Jetzt ist alles ausgestorben.» Sie freut sich auf das neue Bad, auch wenn ihr die Architektur von Mario Botta nicht gefällt.

Nach ein paar wenigen Metern steht man vor dem Römerbad. Dieses war früher stets gut versteckt, seit die archäologischen Grabungen davor begonnen haben, präsentiert sich das Gebäude ganz offen dem Betrachter. Bis Ende 2011 waren hier verschiedene Ateliers vermietet. Eine Mieterin war Nadine Tobler. «Ich bin dankbar, dass ich die viereinhalb Jahre im Römerbad erleben durfte», sagt sie. Das Bäderquartier habe sich in dieser Zeit frappant verändert. «Noch ist es schwierig, sich vorzustellen, wie es hier einst aussehen wird», sagt Tobler und fügt an: «Beim Auszug schwankten die Gefühle zwischen Faszination und Traurigkeit.»

Schilder weisen an jeder Ecke darauf hin: «ThermalBaden offen». Auf dem Kurplatz weisen blaue Fussspuren den Weg zum Eingang. Es ist schwierig, sich in diesem Gebiet zurechtzufinden. Überall klaffen Löcher in der Erde, Durchgänge sind gesperrt. «Es ist traurig, wie es im Moment hier aussieht», sagt Christine Zehnder, Geschäftsführerin von ThermalBaden. «Wir tun alles, damit sich unsere Gäste bei uns trotzdem wohl fühlen.» Aber der Baulärm störe den Betrieb. «Unsere Gäste suchen Ruhe, die können wir im Moment nicht immer bieten.» Ausserdem wisse niemand genau, wann denn die Türen des Thermalbades zu gingen. Natürlich sei da auch die Freude auf das neue Bad, im Moment gehe es aber noch darum, den Betrieb so gut es gehe aufrechtzuerhalten.

«Eine Aufbruchsstimmung ist spürbar»

Die Verenastatue auf dem Verenahof ist mit bunten Wimpeln geschmückt, die ehemalige Trinkhalle zum Büro der Archäologen umfunktioniert. «Eine Aufbruchstimmung ist spürbar», sagt Bernard Terrier, der seine Arztpraxis seit rund 25 Jahren am Kurplatz betreibt. Als er im Bäderquartier begonnen habe, habe man bereits von einem neuen Bad gesprochen. «Man hat sich längstens daran gewöhnt, dass diese Prozesse Zeit brauchen, und nimmt es mit einer Prise Humor.» Etwas anders sieht das Patrik Erne, Hotelier im Hotel Blume. «Im Moment ist es hier eine ziemliche Katastrophe.» Niemand wisse, wo man durch könne und es sei ja noch nicht einmal klar, wann denn mit dem Bau des Botta-Bades genau begonnen werden könne. «Wir warten seit 30 Jahren auf ein neues Bad. Wenn es jetzt nicht kommt, dann kommt es nie mehr.» Sie hätten sich schon lange von den Kurgästen verabschiedet. Heute nutzen Businessleute das Hotel, am Wochenende finden dort oft Hochzeiten statt.

Vorbei am schön renovierten Limmathof geht es in Richtung Promenade. In der Résidence am Wasser merke man nicht viel von der Bauerei, sagt Verwalterin Renate Linsi. Die älteren Kurgäste seien froh, dass es das alte Bad noch gebe. «Das ist schön klein und ruhig.» Sie hoffe aber schon, dass das neue Bad auch wieder etwas mehr Kurgäste anziehe.

Der Spaziergang endet unter der Schiefen Brücke. Zurück bleiben gemischte Gefühle. In diesem Quartier, in dem so vieles am Zerfallen ist, ist Vorfreude auf das Neue spürbar. So richtig daran glauben werden die meisten jedoch erst, wenn mit dem Bau begonnen wird.