Baden
Das Kino Royal soll abgerissen werden

Die neue Eigentümerin eines der ältesten Kinos der Schweiz will auf dem Grundstück 13 Parkplätze bauen – nun gibt es eine Protest-Aktion via Facebook.

corinne rufli
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Ein Abrissgesuch für das Kino Royal liegt bei der Stadt Baden auf. Bauherrschaft ist die F. Aeschbach AG aus Zürich. Vorgesehen ist ein Neubau von 13 Parkfeldern. Protestrufe aus der Bevölkerung liessen nicht lange auf sich warten. Kurzerhand gründete der Badener Künstler Andi Hofmann eine Facebook-Gruppe mit dem Namen
«Kino Royal – Unser liebstes Kino lassen wir uns nicht nehmen!!!». Bereits jetzt besteht die Gruppe aus über 220 Mitgliedern.

Aufruf über Facebook

Gestern versammelten sich, nach einem Aufruf über Facebook, über 30 Personen vor dem Kino Royal – trotz bitterer Kälte. Es wurde diskutiert und gewerweisst über die Absichten der Eigentümerin. «Es ist doch unverhältnismässig, wenn man das Kino abreisst für 13 Parkplätze», sagt Thomas Zumbrunnen. «Es ist einfach schade», sagt Markus Lerch. «Ein Ort, wo Kultur stattfinden könnte, verschwindet.» Andi Hofmann, der das Treffen initiiert hat, freut sich über die vielen Leute, die gekommen sind. «Ich hätte mir für das Royal ein Studiokino mit kulturellem Programm und guten Podiumsanlässen gewünscht.» Es gehe doch nicht, dass alles Liebliche, Traditionelle einfach ausgelöscht werde.

Das bald 100-jährige Kino wechselte dieses Jahr seinen Besitzer. Die sterk cine AG verkaufte das Gebäude im Februar an die F. Aeschbach AG. «Ich hatte keine Freude, als ich von dem geplanten Abriss erfahren habe», sagt der Kinobetreiber Peter Sterk. «Das Royal bedeutet mir viel.» Vor zwei Jahren wurde das Royal geschlossen, als das umgebaute Kino Sterk eröffnet wurde. Seither konnte man den Raum für Veranstaltungen mieten.

Enttäuscht ab kleinem Interesse

«Nur knapp ein Dutzend Mal konnte ich das Kino vermieten», sagt Sterk. «Es enttäuschte mich sehr, dass das Interesse am Kino so klein war.» Nicht mal die Unterhaltskosten habe er durch die Einnahmen decken können. Von den Leuten aus der Kulturszene kam kein Interesse, sie haben es verschlafen. «Deshalb entschied ich mich, das Royal zu verkaufen.» Über den Facebook-Aufruf freut er sich: «Schön, dass mindestens 30 Personen den Abriss bedauern. Ich wäre auch gerne aufs Bild gekommen.»

Jarl Olesen, Leiter Abteilung Planung und Bau in Baden, sagt, dass die Baukommission prüfen werde, ob eine adäquate Nutzung des Areals gewährleistet ist. Das Gebäude stehe zwar nicht unter Denkmalschutz, sei aber als erhaltenswert inventarisiert. Es komme jedenfalls kein Kreisel hin, denn das wurde gemunkelt.

Die Parkplätze sind nur eine Zwischennutzung. Gestern konnte aber niemand der F. Aeschbach AG Auskunft über die weiteren Pläne geben.

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