Mit einem Docht in der Hand läuft ein Schulkind nach dem anderen aus dem Holzhaus auf dem Bahnhofplatz in Baden. Sie drehen eine Runde um den Baum, der zwischen der Confiserie Himmel und dem Nähgeschäft Kunze steht, und gehen wieder hinein. Drinnen tauchen sie den Docht wieder in die Töpfe, aus denen es nach Wachs duftet. Stefan, der am Dienstagmorgen mit seinen Klassenkameraden vor Ort ist, hat zwei Kerzen gemacht: «Eine für mich und eine für eine Schulkollegin, die krank ist und nicht hier sein kann.» Das Kerzenziehen bereite ihm viel Freude. «Ich würde gerne noch eine dritte Kerze machen, doch dafür reicht leider die Zeit nicht mehr.»

Auch Nicole Kussmaul und ihr Sohn Noa (4) sind vor Ort. Es ist das zweite Mal, dass die Mutter Kerzen zieht: «Letzte Woche war ich mit meinem älteren Sohn hier.» Ob sie die selbst gemachten Kerzen verschenken? Sie blickt zu Noa und sagt mit einem Lächeln: «Da sind wir uns noch nicht sicher, vielleicht behält er die Kerzen für sich.» Für Cornelia Foster aus Gebenstorf steht bereits fest, dass die Kerzen ein Geschenk werden. «Ich stelle sehr gerne selber Dinge her. Sich Zeit nehmen, um jemandem etwas Selbstgemachtes zu schenken, finde ich schön», sagt Foster, die seit ihrer Kindheit auf dem Bahnhofplatz Kerzen zieht. Lange ist auch Maja Zimmermann dabei. Seit rund 20 Jahren hilft sie als Freiwillige mit. «Das Kerzenziehen stimmt auf die Adventszeit ein. Für mich gehört es einfach dazu.» Die Atmosphäre sei toll, sagt Zimmermann, während sie einem Schulkind hilft, den Docht ins warme Wachs zu tauchen. «Und wenn man nach Hause kommt, könnte man fast meinen, man sei eine Biene», fügt sie mit einem Lachen an.

Noch bis Samstag, 18 Uhr, findet auf dem Bahnhofplatz das Kerzenziehen statt. Der gesamte Erlös kommt verschiedenen Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigung in der Region zugute. Rund zwei Millionen Franken hat der Verein Kerzenziehen Baden seit der ersten Durchführung vor über 40 Jahren bereits spenden können.