Buvette

«Das ist wie ein Schlag ins Gesicht»: Stadt Baden schreibt Betrieb der «Kajüte» öffentlich aus

Die «Kajüte»-Betreiber haben viel in das Café an der Limmat investiert – jetzt schreibt die Stadt Baden den Betrieb öffentlich aus.

Fabienne und Earl-Jae Tanoa steckten viel Zeit und Herzblut in ihren Traum, an der Limmat in Baden ein Café zu eröffnen: Im August 2015 reichten sie das Baugesuch für das Flusscafé beim Tränenbrünneli ein – 45 Einsprachen und fast drei Jahre später konnten die beiden die «Kajüte» im Mai 2018 eröffnen. Jetzt schreibt die Stadt den Betrieb der «Buvette an der Limmatpromenade» neu aus.

«Das ist wie ein Schlag ins Gesicht», sagt Fabienne Tanoa. «Wir hatten die Idee, führten einen Rechtsstreit und investierten viel in unser Projekt.» Eine Einspracheflut verzögerte 2015 das Flusscafé. Zwar war es dank einer Revision der Bau- und Nutzungsordnung zonenkonform – zuvor galt die halbrunde Fläche um das Tränenbrünneli als Grünzone. Die Anwohner befürchteten aber Lärm und Abfall. Im April 2017 wies der Regierungsrat die Einsprachen ab und gab grünes Licht. Ein Jahr später eröffnete die «Kajüte».

Nach wenigen Monaten reichten Fabienne und Earl-Jae Tanoa erfolgreich ein weiteres Gesuch ein, um die Öffnungszeiten am Abend um eine Stunde verlängern zu können. «Dagegen gab es keine einzige Einsprache», sagt sie. «Das war für uns der Beweis, dass die ‹Kajüte› gut ankommt. Auch bei den Anwohnern, die immer wieder unter den Gästen anzutreffen sind.» Diesen April startet das 15-köpfige Team nun in die dritte Saison, die bis Oktober dauert. Da die Betriebsbewilligung der Stadt aber nur für die Jahre 2018/2019 galt, musste das Ehepaar für die aktuelle und kommende Saison nochmals ein Baugesuch einreichen, die Bewilligung war wieder befristet.

«Wegen uns werden hoffentlich noch mehr Badener an die Limmat kommen»

«Wegen uns werden hoffentlich noch mehr Badener an die Limmat kommen»: Fabienne und Jay Tanoa anlässlich der Eröffnung ihrer «Kajüte» am 2. Mai 2018.

Mit der jetzt publizierten öffentlichen Ausschreibung für den Betrieb des Cafés für Mai 2022 bis Oktober 2029 folgt bald Eingabe Nummer vier. Denn die «Kajüte» aufzugeben kommt für die beiden nicht in Frage. «Uns würde das Herz bluten», sagt Fabienne Tanoa. Zwar habe sie von der Ausschreibung gewusst. «Wir hätten uns aber mehr Klarheit zu einem früheren Zeitpunkt erhofft.» Denn diese wiederkehrende Ungewissheit, dass plötzlich Schluss sein könnte, setze zu. «Bei jeder Investition haben wir ein mulmiges Gefühl und fragen uns, ob es sich überhaupt lohnt.» So auch bei der Überdachung des Lagers für die Harassen und Altglas, die zurzeit umgesetzt wird.

Lichtblick: «Kajüte» hat gute Chancen auf Zuschlag

Immerhin sei die Ausschreibung so formuliert, dass sie auf das Konzept der «Kajüte» passt, sagt Tanoa. So ist unter den Rahmenbedingungen festgehalten, dass die Infrastruktur aus einer temporären Baute oder einem Verpflegungswagen bestehen soll, der Aussenbereich dürfe nicht überdeckt und das Mobiliar müsse aus hochwertigem Material bestehen, nicht aus Plastik. Die Platzmiete beträgt für 130 Quadratmeter gemäss Ausschreibung pro Jahr 12480 Franken. Mit dem umgebauten Container mit Küche und Bar, den Holztischen für rund 65 Gäste und den Stehtischen erfüllt die «Kajüte» die Vorgaben.

Herman Blaser, der stellvertretende Leiter Öffentliche Sicherheit, erklärt: «Die Ausschreibung und der damit verbundene Wettbewerb streben die beste Lösung für die Stadt an.» Das bisherige Konzept habe sich bewährt und den Limmatraum belebt. Der öffentliche Raum solle aber allen zur Verfügung stehen, deshalb sollten auch alle sich dafür bewerben können. Seit 2018 enthält das Badener Reglement über die Benützung von öffentlichem Grund die Vorgabe, dass der Betrieb einer Buvette, eines Marronistandes oder Kiosks öffentlich ausgeschrieben wird.

Bei Gartenwirtschaften hingegen, die zu einem Gastrobetrieb gehören wie beispielsweise auf dem unteren Bahnhofplatz, braucht es für die Aussenbestuhlung ein Baugesuch. Die Bewilligung gilt dort unbefristet. Die Frischluftbar Triebguet hingegen auf der anderen Seite des Flusses liegt auf dem Areal der Limmatkraftwerke AG respektive der Regionalwerke AG, die zu 100 Prozent der Stadt gehören.

Dass die Ausschreibung des Cafés beim Tränenbrünneli erst jetzt erfolgt und nicht bereits vor der erteilten Bewilligung für die Saisons 2020/2021, begründet die Stadt mit den «engen Zeitverhältnissen». Der Stadtrat habe aber bei dieser Gelegenheit bestätigt, die Ausschreibung vornehmen zu wollen. Bis zum 15. Mai können Bewerber nun ihre Unterlagen einreichen. Die Bewerbung mit der besten Bewertung, die alle zwingenden Kriterien erfüllt, wird dem Stadtrat vorgelegt. Bei gleicher Punktzahl entscheidet das Los.

Aargauer Gastro-News 2020

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