Die Interessengemeinschaft «schöner baden» empfiehlt dem Einwohnerrat in einem Schreiben, die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) «Limmatknie» abzulehnen. Der Stadtrat soll sie nochmals überarbeiten. Grund: Das vorliegende Projekt sei überdimensioniert. Stadtammann Stephan Attiger macht klar, dass es jetzt nicht um das Projekt, sondern um die revidierte BNO gehe.

Für das Referendum bereit

«Es war immer unsere Absicht, unabhängig vom Entscheid des Einwohnerrates, dass die Bevölkerung von Baden mitbestimmen kann, was im Bäderquartier geschehen soll», sagt Christoph Lüber, Architekt und einer der Initianten der IG. «Wir wollen eine Reduzierung des Projekts, aber die Realisierung eines neuen Bades keinesfalls verhindern.» Damit wird allenfalls ein Referendum nicht ausgeschlossen. Hier einige Kritikpunkte:

IG schöner baden: «In der revidierten Vorlage fehlen die Rahmenbedingungen und die Regeln, die eine angemessene Entwicklung des Bäderquartiers sicherstellen.» Attiger lässt den Vorwurf nicht gelten: «Die Regeln wurden in der BNO – unabhängig vom vorliegenden Projekt – für ein Vorhaben am Limmatknie sogar verschärft.» Die Paragrafen 20 und 20a würden dem Bedürfnis nach einer attraktiven und sinnvollen öffentlichen Therme gerecht. «Ich hoffe, der Einwohnerrat erkennt das und nutzt die Chance zur Erneuerung des Bäderquartiers», so Attiger.

Solide Schweizer Firma als Investor

Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG und Promoter des Botta-Projekts, das zusammen mit der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden erstellt werden soll, hofft auf einen positiven Entscheid im Einwohnerrat: «Nach sechs Jahren Arbeit, vielen Kompromissen und einigen Verzichten haben wir ein ideales Projekt, das der Zielsetzung «ein Bad für jedermann», aber kein Funbad, entspricht.

IG schöner Baden: «Basis ist eine unhinterfragte Marktstudie und eine nie fertiggestellte städtebauliche Studie (Max Dudler) mit einer Zielgrösse von jährlich 500000 Besucherinnen und Besuchern.» Attiger: Diese Zahl hatte der Einwohnerrat vor drei Jahren zur Kenntnis genommen. Zehnder revidiert die Zahl infolge des reduzierten Projekts: «Wir sprechen heute von der Zielgrösse 437000 Besucherinnen und Besucher.»

Darin eingeschlossen sind auch die Badegäste aus der Rehaklinik und aus den Hotels, erklärt Katrin Reimann, seitens der städtischen Abteilung Planung und Bau fürs Bäderprojekt zuständig. Man dürfe von dieser Zahl nicht auf den zu erwartenden Mehrverkehr schliessen (der nicht Gegenstand der BNO-Revision ist). «Heute wird nicht mehr wie einst gekurt. Die Bedürfnisse haben sich geändert», so Reimann. Ein grösseres Publikum im Bäderquartier sei erwünscht, damit dortige Angebote (Wellness, Gastronomie etc.) profitieren.

Zweifel am Umgebungsschutz

IG schöner Baden: «Die geplanten Neubauten nehmen nicht nur wenig Rücksicht auf den ältesten Stadtteil von Baden, sondern dominieren und besetzen auch das Bäderquartier in krasser Weise.»

Katrin Reimann weist darauf hin, dass die Altbauten, ausgenommen Römerbad, anders als bei früheren Projekten nicht abgebrochen würden. Die Anforderungen an den Gestaltungsplan, wie in der BNO unter Paragraf 20a beschrieben, würden auch eine Einpassung ins Quartier fordern. Diese sei zudem durch den Umgebungsschutz gewährleistet. «Die Denkmalpflege wird in die Entscheide einbezogen und hat sich bis jetzt positiv geäussert», fasst Reimann zusammen.

IG schöner Baden: «Auf Biegen und Brechen muss die Stadt Baden die Planungsinstrumente an das vorliegende Projekt anpassen.» Stadtammann Attiger stellt in Abrede: «Der Einwohnerrat hat im Jahr 2008 dieses Vorgehen beschlossen.» Dass parallel dazu der Planungsprozess der Verenahof AG erfolgt, liege auf der Hand. Die Vorabklärungen und Rücksprachen mit Denkmalpflege und Archäologie sowie die Änderungen des Entwicklungsrichtplans seien vor dem Studienauftrag der Verenahof AG erfolgt, so Reimann.

Frage nach dem Risiko

IG schöner baden: «Zudem ist das Projekt im Bädermarktangebot zu wenig diversifiziert. Die wirtschaftlichen Risiken für die Stadt sind nicht abschätzbar.» Stadt: Es seien verschiedene Beurteilungen und Überprüfungen von Fachkundigen erfolgt, entgegnet man bei der Stadt. «Und letztlich liegt es im ureigenen Interesse des Betreibers, dass er mit dem Vorhaben erfolgreich ist», so Reimann.

IG schöner baden: Auch die Qualitätskontrolle fehlt, da der Bericht zur BNO von denselben externen Experten verfasst worden ist, die in der Wettbewerbsjury vertreten waren und damit nicht unabhängig seien. Stadt: «Die beiden Experten haben entscheidende Ortskenntnisse und bereits im Wettbewerbsverfahren wichtige Korrekturen erwirkt.» Sie erneut beizuziehen, habe Sinn gemacht. Das Gesetz fordert im Übrigen keine unabhängige Experten.