BT-Kolumne

Das Geburtstagsgeschenk – sozusagen ein «Game of Thrones»-Erlebnis

Sie verbrachte ihren Geburtstag im Limmathof Baden und machte neue Erkenntnisse.

Sie verbrachte ihren Geburtstag im Limmathof Baden und machte neue Erkenntnisse.

Daniela Jeanneret arbeitet in einer Werbeagentur als Texterin. Sie ist in Spreitenbach aufgewachsen. In dieser Ausgabe der BT-Kolumne schriebt sie über Geburtstage und weshalb ihrer doch noch gut endete.

Keine Geburtstage werden je wieder so gut sein wie die, die man als Kind feierte. Tolle Geschenke, Süssigkeiten ohne Ende und kreischende Freunde, die alles andere als gelangweilt auf ihr Smartphone starren.

Ja, wehmütig denke ich jedes Jahr an meine früheren Feste zurück und versuche die bevorstehenden zu umgehen. Klar mag ich Geschenke, aber eigentlich könnte man die ab einem gewissen Alter abschaffen, einfacher wirds ja nicht. Mal ganz ehrlich, was soll ich mit einem Sport-BH?! Etwa zum Sport, den ich seit 27 Jahren nicht mache? Eben, das meine ich.

Bockig und lustlos stand ich also an meinem «grossen» Tag auf und wollte nichts ausser lesen und faul rumliegen. Das Klopfen an der Tür liess mich Böses erahnen, zwar standen da keine Zeugen Jehovas, doch das Lächeln meiner besten Freundin war genauso Furcht einflössend.

«Hier, dein Geburtstagsgeschenk.»

«Wow, ein Gutschein für den Limmathof Baden… toll danke.» Ich hasse Wellness. Ich war zwar noch nie, aber ich kenne mich. Und im Übrigen feierte ich ja nicht meinen 100. Geburtstag.

Ich bin eine gute Schauspielerin, sie merkte also nicht, dass ich nicht im Geringsten daran dachte, den Gutschein jemals einzulösen. Oder vielleicht doch…

«Gut, zieh dich an, ich fahre dich hin. In zwei Stunden hast du noch eine Massage.»

Aus der Nummer kam ich nicht raus, sie hatte alles schon organisiert und mit meinem Freund besprochen. Keine Ausrede der Welt würde mir helfen, ich musste mich von einem Fremden anfassen lassen und psychisch auf den bevorstehenden Fusspilz vorbereiten.

Nach einer freundlichen Begrüssung und einem Blick auf den gründlich geschruppten Boden begann ich mich langsam zu entspannen.

Und ich gebe es ungern zu, aber als ich die kleinen Räume mit den verschiedenen Angeboten sah, war das sozusagen ein «Game of Thrones»-Erlebnis – Wieso habe ich mich so lange dagegen gewehrt?

«Vielleicht probieren Sie nicht gerne neue Dinge aus», meinte mein pensionierter Masseur.

«Das kann sein. Limmathof klang für mich immer nach einem Ort mit schrumpeligen, wütenden Menschen, die bei jeder Gelegenheit über Spreitenbach herziehen und auch ausserhalb der Sauna gerne nackt rumlaufen», entgegnete ich.

«Ja, aber wenigstens haben sie jetzt einen Ort, an dem Sie ihren Geburtstag ungestört und entspannt verbringen können.»

Mein weiser Masseur hatte recht. Und so schreibe ich diese Geschichte nun 1 Jahr später, trotz Corona, vom Ruheraum aus und hoffe, dass die Gutscheine für einen Wellnesstag niemals aufhören.

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