Gurken, Eisbergsalat und Tomaten: Die Felder von Birmenstorf sind traditionelles Gemüseland. Seit ziemlich genau 100 Jahren ist der grossflächige Gemüseanbau einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Dorf an der Reuss.

Nun beabsichtigt die Gemeinde, die bestehende Speziallandwirtschaftszone für Gemüsebaubetriebe um 13,33 Hektaren zu erweitern. Das entspricht der Fläche von 18 Fussballfeldern. In dieser Zone sollen feste Gewächshäuser mit Fundament, aber auch sogenannte Kaltfolientunnel erlaubt sein.

Jetzt gibt es heftige Kritik an den Plänen: «In Birmenstorf verliert die Landwirtschaft die Bodenhaftung», schreibt der Naturschutzbund Pro Natura Aargau dazu. In den Köpfen der Konsumenten solle unsere Landwirtschaft am besten «romantisch, tierlieb und bio» sein.

Das habe mit der realen Landwirtschaft aber nichts zu tun. Pro Natura kritisiert die geplante Umzonung von Fruchtfolgeflächen in eine Intensivlandwirtschaftszone in aller Deutlichkeit und ruft dazu auf, sich am laufenden Mitwirkungsverfahren für die Öffentlichkeit zu beteiligen.

Besonderer Kritikpunkt: Ein Grossteil der vorgesehenen Speziallandwirtschaftszone liegt in der geschützten Reusslandschaft, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) eingetragen ist. «Man fragt sich, wovor denn der BLN-Status schützen soll, wenn nicht genau vor solch massigen Bauten ausserhalb der Bauzonen», sagt Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau. In Eggenwil etwa habe man leidvoll erfahren, wie solche Treibhäuser die Reusslandschaft verändern und auch viele Anwohner stören.

Freiluft- oder Treibhaus-Tomaten?

Die Reussterrassen sind mit ihren fruchtbaren Böden gut geeignet für den Gemüsebau. Wäre es denn nicht sinnvoll, den heimischen Anbau zu fördern, statt immer mehr Gemüse aus Italien, Spanien oder von noch weiter her zu importieren?

Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau, sagt dazu: «Es kommt unter dem Strich auf die Ökobilanz an.» Treibhäuser, die bewässert, geheizt oder gekühlt werden müssen, seien auch bei uns sehr energieintensiv. Freiluft-Tomaten aus der Toskana etwa könnten durchaus eine bessere Ökobilanz haben, als heimische Hors-sol-Tomaten aus dem Gewächshaus.

Aber aus seiner Sicht noch viel schlimmer ist: «Es ist eine riesige Fläche, auf denen massive Gebäude entstehen könnten. Das fruchtbare Ackerland geht so unwiederbringlich verloren.» Der Boden könne komplett versiegelt werden. «Dafür braucht man kein Ackerland. Das könnte man genauso gut auf den Dächern von Zürich machen.»

Bis zum 28. September läuft die öffentliche Anhörung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Jedermann kann sich beteiligen, bevor das Departement dem Grossen Rat eine Botschaft vorlegt. Dieser muss schliesslich über die Anpassung des kantonalen Richtplans entscheiden.

Marianne Stänz (CVP), Gemeindeammann von Birmenstorf, sagt: «Wir haben einen Kompromiss mit den Bauern und mit dem Kanton gesucht. Wir hoffen, dass dies nun ein guter Weg ist.» Von den einst zahlreichen Gemüsebaubetrieben seien heute nur noch drei übrig, und diese möchte man im Dorf behalten.

Auf den Naturschutz angesprochen, sagt Stänz: «Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst.» Man wolle den dörflichen Charakter und die Landschaft rund um Birmenstorf erhalten. Der angepasste Richtplan solle keineswegs Tür und Tor öffnen für grosse Überbauungen. Die Gemüsebaubetriebe mussten ein Konzept vorlegen, wie sie sich entwickeln wollen.

Zudem sei der Gemeinderat mit den Baubewilligungen für die Gemüsebauern auch bisher immer überlegt und eher zurückhaltend gewesen, das werde sich nicht ändern. Die Gemeinde versuche aber, den einheimischen Gemüsebaubetrieben wenigstens ein gewisses Wachstum zu ermöglichen.

Falls der Entscheid des Grossen Rats positiv ausfällt, kann die Gemeinde umzonen. Gegen die Richtplanänderung gibt es keine rechtliche Handhabe. Gegen die Umzonung durch die Gemeinde hingegen schon: «Wenn es nötig ist, würden wir gerichtlich dagegen vorgehen», erklärt Jenny.