Frühabends auf dem Kurplatz in Baden: Es stürmt und der Regen peitscht ins Gesicht. Rahel Stöckli aus Schneisingen aalt sich im 38 Grad warmen Thermalwasser des kleinen Beckens, das der Verein Bagni Popolari seit gut einem Monat der gesamten Öffentlichkeit gratis zur Verfügung stellt. Sie lacht und plaudert mit ihren Kollegen, die sich ein kühles Quöllfrisch-Bier gönnen. Das Leben ist schön!

Ein Tag darauf, nachmittags: Ein junges Pärchen geniesst seine Zweisamkeit. Daneben sitzt eine Dame fortgeschrittenen Alters im temperierten Nass und liest in aller Ruhe ein Buch. Kinder spielen mit den Installationen an den Holzkanälen, die das von den Zisternen im Schweizerhof heraufgepumpte Wasser für das «Bädli» in die Limmat leiten. 

Auch die Projekt-Initianten des «Bagno Popolare» Marc Angst, Andriu Deflorin und Dominik Achermann sind vor Ort. Und staunen. In den Garderoben zum Umziehen, die aus dem alten Thermalbad recycelt wurden, steht plötzlich ein schicker französischer Kleiderständer unbekannter Herkunft. Am Gitter, das die Baugrube umzäunt, hat jemand Fotos aufgehängt. Auf der Schiefertafel für spontane Feedbacks steht «Super. Cool. Vielen Dank. Macht weiter so.»

«Die Reaktionen auf unser Projekt sind ausschliesslich positiv», freut sich Andriu Deflorin und ergänzt, «die Leute sind teilweise verblüfft, dass es in unserer überregulierten Welt inmitten der Stadt ein Bassin gibt, welches alle gratis und spontan benutzen können». Neben dem Personal vom Werkhof, das generell zweimal im Tag den Platz reinigt, sorgen auch Mitarbeiter des «Limmathofs» und Vereinsmitglieder für die tägliche Sauberkeit von Wasser und Umfeld.

Aber es gibt auch einen Haken. Die Pumpe wird zwar irgendwann um ein oder zwei Uhr morgens abgestellt, damit sich die Zisterne im «Schweizerhof» wieder auffüllen kann. Doch bis dann baden Besucherinnen und Besucher munter weiter und unterhalten sich teilweise lautstark.

Das Schild, welches ab 22 Uhr Nachtruhe vorsagt, gerät verständlicherweise in Vergessenheit, wenn das warme Wasser und die mitgebrachten Tranksame zu einem Plausch nach Mitternacht locken. Für Besucher ist das der Hit, nicht unbedingt für die Anwohner des Kurplatzes.

Alfred Hiss, Goldschmied mit Eigentum im «Schweizerhof», geht es ums Prinzip: «Andere Orte, die nach 22 Uhr noch Betrieb haben, werden streng kontrolliert. Hier sagt niemand etwas.» Er schlägt aus Lärm- und Energiespargründen vor: «Ab 22 Uhr sollten Pumpe und Lichtquellen ausgeschaltet werden.» Beim Verein Bagni Popolari selber sind gemäss Mitglieder bis jetzt noch keine Klagen aufgetaucht, die zu einer Änderung des bisherigen Vorgehens Anlass geben.

Mit Aktionen überraschen

Demnächst soll das Happening auf dem Kurplatz mit der Multimediainstallation «Wasserdiebe» bereichert werden. Zudem ist geplant, die historischen Becken nahe der Limmatquelle für die Öffentlichkeit nochmals stimmungsvoll in Szene zu setzen und nutzbar zu machen, bevor sie dem Bagger zum Opfer fallen.

«Wir haben bis jetzt die Information, dass die Bauarbeiten zum Botta-Bad im März starten werden», meint Marc Angst, «aber hundertprozentig bestätigt ist das noch nicht. Wir bleiben spontan und werden die Leute mit unseren Aktionen weiterhin überraschen. Sollte irgendetwas zu Unstimmigkeiten führen, sind wir für Anpassungen offen», bekundet er.