Es sind zweifellos aufregende Tage, die Freienwil gerade erlebt. Nach anderthalb Jahren Bauzeit wird die neue, seit Jahrzehnten ersehnte Ortsdurchfahrt eröffnet. Als Feier gibts dafür das erste grosse Dorffest seit neun Jahren. Und ausgerechnet diese Woche schlugen Fahrende mit rund 30 Wohnmobilen am östlichen Dorfrand ihr Lager auf.

Im kleinen Dorf mit knapp 1000 Einwohnern ist dies zweifellos ein Thema. So konnte es sich Gemeindeammann Robert Müller (SVP) auch nicht verkneifen, zu Beginn seiner Rede bei der Eröffnung der Ortsdurchfahrt die einen oder anderen Sticheleien von sich zu geben: «Schön, sind so viele an die Einweihung gekommen. Ich hätte nur nicht gedacht, dass so viele mit dem Wohnmobil anreisen.» Und weiter: «Ich halte meine Rede kurz, denn ich bin nachher an eine Hochzeit eingeladen. Ich hoffe, ihr versteht.» Gemeint war die Hochzeit, die die Fahrenden diesen Monat feiern wollen.

Gelacht haben nur wenige. Geschätzte 40 Personen waren zum Einweihungsakt der neuen Durchfahrt gekommen, darunter auch der Badener Stadtammann Geri Müller. Dass die 700 Meter Strasse für Freienwil eine grosse Bedeutung haben, ist offensichtlich. Hochwasserschutz (der Maasbach wurde verlegt), neue Leitungen (darunter Glasfaserkabel und Anschlüsse für mögliche künftige Anwohner), Verkehrsberuhigung samt Bäumen in der Strassenmitte, ein speziell lärmreduzierender Strassenbelag – die Liste der Neuigkeiten kann sich sehen lassen. Am wichtigsten aber dürfte der gestalterische Aspekt sein: Man wollte die Dorfteile West und Ost verbinden und dem Dorfkern ein Gesicht geben, sagte der Gemeindeammann, der selber Architekt ist.

Kleine Revolution für die Autofahrer

Die neue, schmälere Ortsdurchfahrt ermögliche nun auch das Projekt Mitte samt Verlängerung der Eintracht mit Einbau eines neuen Dorfladens. Für die Autofahrer hingegen wird wohl der wegfallende Stopp an der Strassenkreuzung wie eine kleine Revolution anmuten. Das alte Schild schenkte Gemeindeammann Robert Müller in einer humorvollen Aktion dem Polier bei der verantwortlichen Baufirma, Peter Schoch.

Am ersten Arbeitstag sei dieser nämlich wegen eines Rollstopps an der Stelle gebüsst worden. «Einen Stopp, der einen nervt, wegradieren – das sind Bubenträume, die in Erfüllung gehen», scherzte später Markus Birchmeier, der Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma.

So viel zum Politischen. Für die Freienwiler wirklich wichtig war an diesem Wochenende aber das Dorffest: Mit sichtlich grossem Engagement der Bevölkerung wurde ein dreitägiges Fest gestemmt mit allem, was dazugehört: Kreative Beizen, unzählige Konzerte, ein kleiner Lunapark, Tombola, Marionettentheater, Clownshows, Tanzaufführungen, ein Umzug und ein Sprintrennen.

Ein grosszügiger, sehr vielfältiger Strassenmarkt entlang der Dorfstrasse lud am Samstag auch zum Einkaufen von kleinen Dingen ein, die man sonst nicht überall findet. Tessiner Polenta oder Risotto etwa, oder schöne Töpfe, intelligente Spielsachen, von Hand genähte Babykleider und andere Accessoires – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Freienwil kann grosse Dinge stemmen und überwinden, wenn es will.

Und die Fahrenden?

In dem Sinn zurück zu den Fahrenden. Kamen sie ans Fest? «Ich glaube, es ist besser für sie, wenn sie nicht kommen», sagte eine Frau am Samstag. Viele Bewohner wüssten nämlich nicht, wie sie damit umgehen sollten. «Wir haben zum Beispiel unsere Fahrräder diese Woche von draussen in die Garage gestellt. Ich weiss, es ist blöd und es wäre vielleicht gar nicht nötig. Aber man hat trotzdem Bedenken.»