Würenlos

Das Dorf verliert seine Poststelle – der Gemeinderat ist enttäuscht

Die Post schliesst ihre Filiale in Würenlos. az/archiv

Die Post schliesst ihre Filiale in Würenlos. az/archiv

Zu wenig Kunden: Die Post schliesst ihre Filiale in der 6300-Seelen-Gemeinde und eröffnet eine Agentur. Die Gemeinde ist über den Schritt der Post enttäuscht.

Die Post schliesst ihre Filiale in Würenlos. Die Nutzung sei rückläufig und läge auf einem tiefen Niveau, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Der gelbe Riese möchte deshalb im 6300-Seelen-Dorf eine Agentur eröffnen.

Bei der Gemeinde ist man nicht erfreut: «Wir sind enttäuscht, da für uns Dienstleistungen verloren gehen», sagt Gemeindeammann Hans Ulrich Reber. «Wir dachten, dass wir uns als Gemeinde mit 6300 Einwohnern keine Sorgen machen müssen.» Gerade für ältere Menschen sei es gewöhnungsbedürftig, wenn sie am Schalter keine Rechnungen mehr zahlen oder kein Geld mehr abheben könnten.

Gegenüber der Post äusserte der Gemeinderat den Wunsch, dass die Agentur möglichst im Dorfzentrum bleiben soll, die Postfächer nicht zu einer anderen Filiale verschoben und für Geschäftskunden passende Angebote bereitgestellt werden. Eine «Post im Dorfladen« bringe aber mit den längeren Öffnungszeiten auch Vorteile.

«Positiv ist auch, dass die Agentur weiterhin bedient ist», sagt Reber. Normalerweise sind die Agenturen als Selbstbedienung organisiert. In Würenlos jedoch plant die Post eine Theke mit Bedienung. «Wir sind der Ansicht, dass die Kundenzahlen in Würenlos, trotz der Rückgänge in den vergangenen Jahren, genügend hoch sind», sagt Markus Werner, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Ost.

Noch ist nicht klar, wo der gelbe Riese eine Agentur eröffnen möchte. Die Gespräche mit potenziellen Partnern stehen noch bevor, so Werner. Auch wann die Postfiliale geschlossen wird, steht noch nicht fest.

46 Prozent weniger Pakete

Dass die Post vermehrt neue Wege einschlagen muss, liegt vor allem an den veränderten Lebensgewohnheiten: «Die Kunden erledigen ihre Postgeschäfte vermehrt unterwegs auf dem Smartphone oder zahlen ihre Rechnungen online», sagt Markus Werner.

Die Nachfrage nach klassischen Kerngeschäften am Postschalter sinkt stetig. Deshalb sind auch die Einbrüche massiv: Seit der Jahrtausendwende bis 2016 gingen beim gelben Riesen 46 Prozent weniger Pakete und 65 Prozent weniger Briefe über den Schalter. Im gleichen Zeitraum nahm auch die Anzahl Einzahlungen um 40 Prozent ab.

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