Ennetbaden

Das Cartoonbuch ist ein Herzensprojekt für ihn – er riskiert alles dafür

Roman Hofer aus Ennetbaden präsentiert sein erstes Cartoonbuch. Es wurde durch Crowdfunding finanziert.

«Ich nehme den Humor ernst», sagt Roman Hofer an der Vernissage zu seinem neuen Cartoonbuch «Yeah! But …» vor versammeltem Publikum. Er nimmt ihn sogar so ernst, dass er 2018 diverse Grafikjobs aufgab, um sich fortan ganz dem Zeichnen und Vermarkten von Cartoons zu widmen.

Bis heute erscheint jeden Montag, Mittwoch und Freitag eine seiner witzigen Bildergeschichten auf Facebook, Instagram und Co. Auf der Online-Pinnwand Pinterest verzeichnet er bis zu 2000 Klicks pro Tag. Die meisten seiner Follower stammen aus Amerika, wo Cartoons seit je ein wichtiges Kulturgut sind.

Er sei ein Kindskopf mit viel Fantasie geblieben, bekundet der 55-jährige Hofer. Ständig springen ihn Ideen zu neuen Cartoons an. Oft beim Spaziergang mit Hund Manga. Die Bilder im Kopf bringt er mit Tusch- und Füllfeder zu Papier und koloriert sie anschliessend am Computer.

Mit ihren knallig bunten Farben erinnern Hofers Werke an die Superman-Comics aus den Sechzigerjahren. Die grossen Rasterpunkte heben sich deutlich hervor, wie einst in Roy Lichtensteins Pop-Art-Kunst.

«Es gibt Tausende von Cartoonisten. Deshalb war es für mich wichtig, einen ganz persönlichen Stil zu entwickeln», meint Hofer und zeigt auf die Originale, die an den Wänden in seinem Ennetbadener Atelier hängen. Die Krönung seines Schaffens ist bis jetzt das erste eigene Buch, in dem rund 140 seiner Cartoons vereint sind.

Das Vorwort zum Thema Humor hat Spoken-Word-Künstler Simon Libsig geschrieben. Die Gesamtkosten von 28 000 Franken brachte Hofer innerhalb von 30 Tagen per Crowdfunding zusammen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

«Die ersten hundert Leute, die bereit sind, etwas Geld beizusteuern, müssen aus den eigenen Kreisen kommen. Ich habe wochenlang bei Freunden und Bekannten für mein Buchprojekt akquiriert.»

Erst als der Betrag auf der Crowdfunding-Plattform kontinuierlich anstieg, entstand eine Art Sogwirkung. Je höher der Kontostand war, desto mehr fremde Leute wurden neugierig auf das Projekt und spendeten einen Beitrag.»

1000 Exemplare liess der frischgebackene Cartoonist von seinem Erstlingswerk «Yeah! But…» produzieren, das nun für 25 Franken unter anderem im Librium Baden und auf der hauseigenen Website yeah-but.ch erhältlich ist.

Hofers grosser Wunsch ist es, irgendwann für eine Zeitung oder Zeitschrift seine Bildergeschichten liefern zu können. Den ersten Schritt hat er bereits geschafft und kann für ein Fachmagazin dreimal im Jahr einen Cartoon kreieren.

Manchmal plagen ihn Existenzängste

«Es braucht einen langen Atem, um sich einen Namen zu schaffen», ist sich der gebürtige Schwyzer bewusst. Er gibt sich bis im kommenden März Zeit. «Dann sind deutliche Signale nötig, dass es in irgendeiner Form weitergeht.»

Denn Hofer lebt für die Erfüllung seines Traums zurzeit von Erspartem, dass er sich als Grafiker und mit DJ-Einsätzen verdient hat. Manchmal plagen ihn Existenzängste. «Aber zugunsten von meinem Herzensprojekt nehme ich sie in Kauf», bekundet der Quereinsteiger.

Sein Vater starb mit 57 an Lungenkrebs. «Dabei hatte er viele Pläne für die Zeit nach der Pensionierung.» Dieses Schicksal hat ihn geprägt und Roman Hofer sagt überzeugt: «Ich schiebe nichts mehr auf die lange Bank. Auch wenn ich dafür ein Risiko eingehen muss.»

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