«Der Wunsch, ein eigenes Café zu führen, reifte vor zehn Jahren in Hamburg», sagt Claudia Nabholz, Inhaberin des Cafés Meise. Sie besuchte immer wieder mal ihre Schwester, die damals dort lebte. «Ich liebe es, zu frühstücken. Ich liebe die Café-Kultur, die in Deutschland zelebriert wird. Und ich liebe die Abwechslung, bin kein 08/15-Typ», sagt Claudia Nabholz.

So erstaunt es denn auch nicht, dass sie das, was sie über alles liebt, auch zu Hause haben wollte. Bereits auf dem Rückflug in die Schweiz wurde an der Idee, ein eigenes Café zu betreiben, gefeilt. Der Businessplan war mithilfe des Vaters schnell erstellt, die passenden Räume waren ebenso schnell gefunden. «Zwei Wochen später unterschrieb ich den Vertrag», erinnert sich die 38-Jährige, die einen Master in Wirtschaftspsychologie in der Tasche hat. «Und dann musste ich erst einmal leer schlucken und mir selber die Frage stellen, wie es nun weitergeht.» Denn die Lokalität musste erst noch saniert werden, und Nabholz musste sich schnellstmöglich das Wirtepatent aneignen.

Frühstück bis 16 Uhr, Freitag immer Wähentag

Wie die Einrichtung sein soll, war ihr schnell klar. «Ich wollte nie ein klassischer Gastrobetrieb sein. Unseren Gästen möchten wir ein familiäres Ambiente bieten – ein Wohnzimmerfeeling sozusagen.» Schon damals wünschte sie sich, in einer Ecke des Cafés auch eine kleine Boutique einrichten zu können. Was bis heute so geblieben ist. «Schmuck, Kleider und kleine Mitbringsel stehen im Sortiment», sagt Nabholz. Geblieben ist auch das bewährte Rezept, das Angebot schlank zu halten. Frühstück gibts immer bis 16 Uhr, am Mittwoch kocht seit dem Startschuss vor zehn Jahren Mama Meise, am Freitag ist Wähentag, und ansonsten sind «Beagles» die eigentlichen Renner.

Neu ist nur, dass inzwischen ganz auf Bio und regionale Produkte gesetzt wird. Niemand der 15 Mitarbeitenden im Café Meise ist vom Fach. «Deshalb sind wir vielleicht nicht perfekt, aber immer mit Herzblut dabei», betont sie. Mit Herzblut sind jeweils auch die Bands mit von der Partie, die unter der Woche immer wieder mal für den musikalischen Rahmen im Café Meise sorgen. Zu Beginn sei sie wegen ihrer unkonventionellen Umsetzung belächelt oder beinahe beschimpft worden. Das sei nun kein Thema mehr. «Wir mussten lernen, dass unser Konzept nicht jedem gefallen muss.»

Während das Café Meise über all die Jahre äusserst erfolgreich unterwegs ist, musste Nabholz bei den beiden Bed&Breakfast-Zimmern erfinderisch werden. «Nun findet man uns auf den klassischen Suchmaschinen, was uns wieder ausgebuchte Zimmer beschert hat», sagt die Badenerin, die seit fünf Jahren in Zürich lebt. «Den Erfolg mit dem Café Meise verdanke ich auch meinen beiden Geschäftsführerinnen und meinem Team, die allesamt eine tolle Arbeit leisten», betont Nabholz.

Mutter, Geschäftsfrau und Modedesignerin in einem

Vor zehn Jahren hat Claudia Nabholz mit einem Mitarbeitenden den Startschuss fürs Café Meise gelegt. Heute beschäftigt sie im Café und den beiden Pensionszimmern 15 Teilzeitangestellte. Sie selber ist jeweils am Mittwoch im Café, die anderen Tage ist entweder die 2-jährige Tochter Nia der absolute Mittelpunkt oder aber ihr Mode-Atelier. «2012 habe ich unter Claudia Nabholz meine eigene Kollektion entworfen», sagt sie. Es blieb nicht bei dieser ersten, es folgten weitere. 2018 wurde sie sogar mit dem «textilrevue – fashionhotel design award» ausgezeichnet, wo sie gegen 40 andere Designer antreten musste.

Einige Teile aus ihrer Kollektion sind in der Boutique im Café Meise zu finden. Wer nun denkt, ganz schön viel Arbeit, die die junge Frau sich da aufbürdet, weiss noch nicht, dass sie auch hinter den Kulissen sämtliche Fäden zieht. Die gesamte Administration läuft über ihren Bürotisch. «Mein Mann unterstützt mich mit seinem Papitag, und meine Eltern und Schwiegermutter schauen regelmässig zu unserer Tochter, sodass Platz für all meine Aufgaben bleibt.»

Bis heute bereut Claudia Nabholz nichts, würde alles wieder so machen. Sagts, und macht sich auf, um für das Strassenfest von heute Samstag noch die letzten Vorkehrungen zu treffen. Das Konzert um 17 Uhr wird von ihrem Mann Valentin bestritten – man hilft sich in der Familie.