Wer sich im Bistro Spule 1 im Parterre des Trafos in Baden ein Häppchen oder einen Kaffee gönnt, merkt kaum, dass die Menschen, die dort arbeiten, anders sind. «Einem psychisch behinderten Menschen sieht man seine Krankheit von aussen nicht an», sagt Marlen Lüscher.

Sie ist die Geschäftsleiterin der Sozialfirma Restaurant Roter Turm. «Für diese Menschen ist es oft schwer, eine Stelle zu finden, wenn sie wegen ihrer Krankheit längere Zeit arbeitsunfähig waren.»

Genau da springen der «Rote Turm» und die Trinamo AG ein: Die Sozialfirmen helfen, leistungsbeeinträchtigten und psychisch behinderten Menschen den Wiedereinstieg in den Berufsalltag zu finden.

Nebst dem «Roten Turm» ist das neuste Projekt die «Spule 1» im Trafo. Es wurde im Februar eröffnet und bietet zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Der Gastronomiebereich ist dafür das ideale Sprungbrett, ist Lüscher überzeugt: «Die Menschen müssen sich an Regeln und einen Tagesablauf halten.»

«Spule 1» erfüllt Erwartungen

Was als Aussenstehender selbstverständlich erscheint, ist für viele Menschen mit einer psychischen Behinderung ein Ding der Unmöglichkeit. «Ein einfaches Gespräch kann für jemanden, der jahrelang von der Gesellschaft abgeschottet wurde, ein Hindernis sein», so Lüscher.

Unter Betreuung von Fachpersonen und externen Psychologen könne daran gearbeitet und den Absprung in die Arbeitswelt erleichtert werden. Wie schnell jemand eine Stelle findet, ist sehr individuell.

Eine positive Teambildung sei dabei das A und O, betont Lüscher. «Beim gemeinsamen Arbeiten merken die Menschen, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Krankheit, dass es andere gibt, die ähnliche Probleme haben.»

Ausserdem soll die Arbeit auch als Ablenkung dienen, denn meist würden sie zu Hause oder im Umfeld schon genug auf ihre Krankheit angesprochen.Die Erwartungen für das im Februar eröffnete Bistro seien erfüllt, resümiert Lüscher. «Das Ziel ist nun, das Bistro in Baden zu festigen.» Weitere Expansionen seien in Baden momentan nicht geplant.

Immer noch Tabu in Gesellschaft

«Es gibt nicht den psychisch kranken Menschen, es sind junge und alte Menschen, es kann jeden treffen», betont Lüscher. Und: Psychische Krankheiten seien noch immer ein grosses Tabu in der Gesellschaft, es werde nicht gerne darüber gesprochen, die Betroffenen fühlen sich oft unverstanden.

«Die ‹Spule 1› soll zeigen, dass auch solche Menschen ganz normalen Berufen nachgehen können.»