Manch einer dürfte mit guten Erinnerungen an das Fantoche vor zwei Jahren zurückdenken. Und dies nicht nur wegen der Filme, sondern vor allem wegen des grossen Bagno Popolare auf dem Kurplatz. Drei Tage lang lud das Bad damals zum Planschen und Verweilen ein. Während man gemütlich ein Bier trank, konnte man im warmen Wasser sitzend Filme auf der Grossleinwand verfolgen.

Nach einem Jahr Pause wird das diesjährige Fantoche wieder mit dieser Attraktion bereichert. Anders als vor zwei Jahren steht das Bagno nicht auf dem Kurplatz, sondern an der Limmatpromenade, gleich unter der Schiefen Brücke. «Wegen der Bauarbeiten im Bäderquartier war es dieses Jahr nicht möglich, das Becken auf dem Kurplatz aufzustellen», sagt Marc Angst vom Verein Bagni Popolari. Doch der Ausweich-Ort habe sich im Nachhinein als perfekt herausgestellt. «Wir haben herausgefunden, dass sich neben dem jetzigen Standort früher ein heisser Brunnen befand. Wir lassen also quasi die Geschichte wieder aufleben», sagt Angst.

Auf die Frage, weshalb das Bagno nur von Freitag bis Sonntag in Betrieb ist, wo doch der Aufwand und auch die Beliebtheit des Bads so gross sind, antwortet Angst: «Für unser Becken müssen wir einige private Parkplätze in Beschlag nehmen. Weil die Situation wegen der Bauarbeiten eh schon angespannt ist, wollten wir die Nachbarn nicht noch zusätzlich belasten.» Zudem sei der Verein ja seit Ende letzten Jahres mit den Wasserspielen und einem heissen Becken im Bäderquartier aktiv.

Gäste aus der ganzen Schweiz

Das Becken erfreue sich grosser Beliebtheit, sagt Angst. Bis April befand sich das Becken noch auf dem Kurplatz, seither steht es bei der Limmatquelle unten am Limmat-Ufer. «Die Rückmeldungen sind sehr positiv, viele Menschen schätzen und nutzen den kleinen Thermalbrunnen.» Angst zeigt sich vor allem zufrieden über die Durchmischung der Nutzer. «Am Abend sind es eher Junge und Familien. Tagsüber gibt es aber auch ältere Menschen, die früher regelmässig das Ellbogenbad nutzten und nun ihre Gelenke in unserem Becken baden. Und ich hab einen älteren Arbeiter kennen gelernt, der am Abend unserem Becken immer kurz einen Besuch abstattet.»

Eine Änderung gibt es seit den Sommerferien. «Auf Wunsch eines Anwohners stellen wir das Wasser um 22 Uhr ab, damit das Quartier nachts zur Ruhe kommt.» Seitens Stadt liege eine Bewilligung bis Ende Jahr vor. Das dürfte nicht nur Badener freuen, sondern Touristen aus der ganzen Schweiz. Denn laut Marc Angst habe sich der Brunnen dank zahlreichen Medienberichten einen Namen weit über die Region hinaus gemacht.

Doch zurück zum «grossen» Bagno Popolare während des Fantoche. «In Zusammenarbeit mit dem Animationsfestival und dem Hotel Limmathof zeigen wir am Freitag- und Samstagabend jeweils ab 21 Uhr einen 50-minütigen Filmblock.» Dieser laufe unter dem Programm-Schwerpunkt «Doucement Sexy». «Wer die Geschichte der Bäder mit ihrer teilweise frivolen Seite kennt, der weiss, dass das Thema nicht passender gewählt sein könnte», so Angst mit einem Lachen. Abgerundet wird das Angebot wie schon vor zwei Jahren mit einer Bar, wo sich Badende mit Getränken eindecken können.

Bäderverein will sich öffnen

Zwar wird das Bagno Popolare unter der Schiefen Brücke bereits am Sonntagabend um 17 Uhr wieder abgebaut. Doch vielleicht muss man sich gar nicht lange gedulden, bis ein solcher Thermalbrunnen einen fixen Platz im Bäderquartier erhält. Denn geht es nach den Plänen des letzten Jahres gegründeten Bädervereins, könnte neben der heutigen Limmatquelle dereinst auf der Promenade ein «heisser Brunnen» zu stehen kommen.

Dem Vorstand des Vereins gehören Marc Bertschinger von der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, die das neue Thermalbad betreiben wird, Badens Stadtammann Markus Schneider, Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf, Kantonsarchäologe Georg Matter sowie Werner Eglin von der Limmathof AG an. Gründungsmitglied des Vereins ist der Badener Historiker Bruno Meier. «Mit dem ‹Heissen Brunnen› geht es darum, an das kulturelle Erbe zu erinnern und das Thermalwasser wieder öffentlich sichtbar zu machen, so, wie das auf dem Kurplatz mit den öffentlichen Bädern und später den Armenbädern jahrhundertelang der Fall war.» Eine Machbarkeitsstudie sei ausgearbeitet worden und liege jetzt bei den Ortsbürgern – den Miteigentümern der Limmatquelle.

Darüber hinaus ist der Bäderverein gerade jetzt dabei, beim Bundesamt für Kultur (BAK) ein übergeordnetes Projekt einzureichen, das das Kulturerbe der Bäder als Ganzes vermitteln soll. Ein erstes Vorprojekt rund um den «heissen Brunnen» wurde vom BAK zusammen mit anderen Projekten bereits ausgewählt – das Badener Projekt erhielt sogar am meisten Klicks auf der Website. «Wir werden das Projekt auch im Rahmen der Regionale Projektschau Limmattal weiterverfolgen», sagt Bruno Meier. Überhaupt werde sich der Bäderverein in den nächsten Wochen weiter konstituieren und sich ab nächstem Jahr der breiten Bevölkerung öffnen.