Die Weihnachtszeit ist nicht für jedermann eine fröhliche, freudige und besinnliche Zeit. Viele alleinstehende Menschen fühlen sich in dieser Zeit besonders einsam. Sie haben keine Familie und keine Freunde mehr und leben oft am Rande der Gesellschaft. Das christliche Sozialwerk Hope an der Stadtturmstrasse bietet diesen Menschen einen Ort für Begegnungen.

Bewusst bietet das Hope über die Festtage ein breites Programm an. Viele Leute, die von Sozialhilfe und IV-Rente leben, würden in der Zeit verstärkt Gemeinschaft und Beschäftigung suchen, sagt Daniela Fleischmann, die Geschäftsführerin des «Hope». In der Weihnachtszeit sei die Sozialberatung wie Wohnungsvermittlung kleiner, es sei dafür mehr Zeit für Begegnungen und zum Zuhören. Das sei wichtig, um einsame Menschen vor einer Abwärtsspirale zu bewahren: «Wenn Menschen eine schwache eigene Identität haben, fühlen sie sich unter Leuten nicht wohl.»

Doch die Identität, ein gesundes Selbstbewusstsein bilde sich durch Begegnungen. «Einsame Menschen ziehen sich immer mehr zurück und haben dann nur noch die eigene Wahrnehmung, die manchmal verschoben sein kann», sagt Fleischmann. «Die Leute gehen dann immer weniger raus, diese Abwärtsspirale versuchen wir zu brechen und die Personen wieder sozial einzugliedern.» Der Mensch sei ein soziales Geschöpf und könne nicht die ganze Zeit alleine sein.

Das Hilfswerk veranstaltet deshalb am Freitag eine Weihnachtsfeier im Gemeindezentrum Bethel. «Dieser Anlass soll ein gediegener sein, um betroffenen Leuten zu zeigen, dass auch sie wertvoll sind», sagt sie. Diesen und weitere Anlässe wie zum Beispiel ein Kreativnachmittag oder ein Fackelspaziergang mit Punsch und Wurst im Wald sponsert die katholische Kirche Wettingen. «Wir vermitteln auch weitere Weihnachtsangebote an Bedürftige», sagt sie. «Unter anderem veranstalten wir eine Gassenweihnacht mit gratis Essen», so Fleischmann. «Vieles geht über den Bauch.»

Nicht nur in der Weihnachtszeit sind Menschen einsam: «Wir bekommen manchmal Hinweise vom Sozialamt oder entfernten Verwandten, dann schicken wir jemanden vorbei, der versucht, mit der Person zu sprechen.» Die Stärke des «Hope» sei die Hartnäckigkeit und manchmal lohne es sich. Viele würden aber auch von sich aus beim «Hope» Hilfe suchen. «Jemand wollte im Frühling sein Leben beenden. Die Person war einsam und wusste nicht, was sie mit sich anfangen sollte. Dann kam sie ins ‹Hope› und konnte neuen Lebensmut finden.»

Die betroffene Person lebe jetzt in einer WG und arbeite oft als freiwilliger Helfer im «Hope» und unterstützt andere. «Es ist ein Geben und Nehmen. Es ist schön zu sehen, dass jemand durch uns wieder solche Lebensqualität erhalten hat», so Fleischmann. «Für solche Menschen ist das ‹Hope› zu einer Familie geworden, die immer da ist.» Sie ergänzt: «Einsamkeit ist bei uns Thema Nummer eins und sehr weit verbreitet. Das ist das grössere Leid als Hunger und Geld.» Einsamkeit sei die eigentliche Armut. Fragt man Wikipedia, stösst man auf folgendes: Die Herkunft des zugrundeliegenden Adjektivs «arm» ist zwar umstritten, wird aber mehrheitlich auf die germanische Wurzel «arbma» zurückgeführt, das «vereinsamt, verwaist, verlassen» bedeutet und mit griechisch «eremos» für «einsam» in Verbindung gebracht wird – also arm im immateriellen Sinne.