Krisenmanagement

Corona-Virus zwingt Firmen zur Kurzarbeit – auch das Badener Trafo gehört dazu

Grossveranstaltungen wie der «Talk im Trafo» finden in der Trafohalle Baden wegen des grassierenden Corona-Virus derzeit nicht statt.

Grossveranstaltungen wie der «Talk im Trafo» finden in der Trafohalle Baden wegen des grassierenden Corona-Virus derzeit nicht statt.

Das Corona-Virus ist Gift für die Aargauer Wirtschaft. Vor allem für die Event- und Gastrobranche. 70 Prozent aller Gesuche auf Kurzarbeit kamen aus diesem Sektor. ­Bewilligt wurde unter anderem jenes des Badener Kongresszentrums Trafo.

Volle Säle, packende Reden und ausgelassene Apéros – das war einmal. Seit der Bundesrat am 28. Februar Anlässe mit mehr als 1000 Personen verbot, wurden grössere Veranstaltungen am Laufmeter abgesagt. Betroffen ist auch das Badener Kongresszentrum Trafo. «Glücklicherweise sind viele Events aber bloss verschoben worden, auf Sommer oder Herbst», sagt Geschäftsführer Reto Leder. Diesen Samstag beispielsweise hätte die Expo Senio durchgeführt werden sollen. Hätte, denn tatsächlich fällt die Seniorenmesse dem Corona-Virus zum Opfer. Vorerst. Sie soll am 24. Oktober nachgeholt werden.

Momentan versucht die Trafo-Geschäftsleitung, die gesunkene Auftragslage durch Abbau von Überzeit zu bewältigen. Falls das Verbot von Grossanlässen mit mehr als 1000 Personen vom Bundesrat verlängert werde, sei die Einführung von Kurzarbeit eine Notwendigkeit, so Leder. Da derzeit wenig auf Entspannung an der Virenfront hindeutet, hat er bei der Arbeitslosenversicherung des Kantons Aargau einen Antrag auf Kurzarbeit beantragt – und auch schon bewilligt bekommen.

Dies gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, einen Teil oder die gesamte Belegschaft reduziert arbeiten zu lassen, sofern die Mitarbeitenden einverstanden sind. Der Staat kommt dabei für 80 Prozent des durch Kurzarbeit wegfallenden Lohnes auf.

Derzeit laufen beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Drähte heiss (siehe Fussnote) und der Betrieb auf Hochtouren. Stephan Nauer, Teamleiter und Kurzarbeitsexperte: «Seit dem Verbot für Grossveranstaltungen haben die Anträge auf Kurzarbeit massiv zugenommen.» Innert sechs Tagen hat das kantonale Arbeitsamt 33 von 37 Anträgen bewilligt. Zwei aus dem Bau- und Baunebensektor wurden nicht gutgeheissen, zwei weitere sind noch in Bearbeitung. «Bewilligungen gibt es nur, wo es einen direkten Zusammenhang zu Corona gibt», erklärt Nauer. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 hatte man 80 Anträge zu beurteilen.

Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit, (links) sowie Teamleiter Stephan Nauer erhalten viele Kurzarbeitsgesuche.

Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit, (links) sowie Teamleiter Stephan Nauer erhalten viele Kurzarbeitsgesuche.

Niemand ist stärker betroffen als die Event- und Gastrobranche. 70 Prozent aller Anträge kamen von dort.

Anträge auch von einem Coiffeur und einem Zahnarzt

Davon weiss Reto Leder vom Trafo in Baden ein Liedchen zu singen. «Für einen Teil unseres Teams führen wir Kurzarbeit bereits diesen Monat ein. Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, werden wir dies ab April für den restlichen Teil der Belegschaft beschliessen.» In erster Linie seien die 14 Festangestellten von Kurzarbeit betroffen, je nach Fall aber auch Teilzeitmitarbeiter, so Leder.

Auftragsschwankungen gehörten im umkämpften Kongress-Business dazu, sagte er vor zwei Jahren. Damals wurde bekannt, dass bei 40 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Festanstellungsvertrag gekündigt und bei den meisten in einen Teilzeitvertrag umgewandelt wurde. Die Zahl der Festangestellten sank von 20 auf 14. Die Stadt Baden vermarktet sich längst nicht mehr bloss als Bäder-, sondern auch als Kongressstadt. Dies in erster Line dank des Trafo, wo auf 4000 Quadratmetern Fläche Events stattfinden können. 2015 und 2016 konnte das Trafo den Award für die beste Eventhalle in der Schweiz entgegennehmen.

Aber die Zeiten des Feierns sind vorbei. Generalversammlungen werden verschoben, Hochzeiten und Bankette abgeblasen – wegen des Virus. «Ich hatte gerade eben wieder einen Unternehmer am Telefon, der den Tränen nahe war», erzählt Kurzarbeitsfachmann Nauer. Die Event-Unternehmen traf es zuerst, doch zuletzt ergriff die Corona-Krise den Gastrobereich. Langsam aber sicher weite sie sich jedoch auf den gesamten Dienstleistungssektor aus. Nauer erzählt vom Antrag eines Coiffeur-Betriebs und eines Zahnarzts auf Kurzarbeit. Sie sind noch zu prüfen.

Für Nauer und seinen Chef, Thomas Buchmann, Leiter des AWA, ist zentral, dass sie Trittbrettfahrern keine Chance geben. Dennoch ist klar: Spezielle Situationen bedingen spezielle Regeln. «Deshalb prüft der Bund weitere Vereinfachungen zur Beantragung von Kurzarbeit», sagt Buchmann.

Was ist mit all den Temporär­angestellten im Eventbereich?

Der Bund ist auch sonst gefordert. Denn Kurzarbeit kann ein Betrieb derzeit nur für Fest- und Teilzeitangestellte beantragen. Für Temporärbeschäftigte aber fällt einfach ein Auftrag weg. Gerade im Event- und Gastrobereich aber arbeiten sehr viele Leute auf Abruf. «Ich hoffe sehr, dass der Bund tätig wird», sagt Nauer. Die derzeitige Nichtberücksichtigung von Temporären dürfte direkte Folgen haben. «Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren müssen sich auf mehr Stellensuchende vorbereiten, wenn sich nichts ändert», sagt Nauer. Das Staatssekretariat für Wirtschaft sei über die spezielle Situation der Temporären informiert, man habe mit Bundesrat Guy Parmelin letzte Woche darüber gesprochen, sagt Buchmann. Eine Prognose in dieser Angelegenheit wagt er nicht.

Für Fragen zur Kurzarbeit sind Fachleute des Kantons unter 0628351974 oder auf kurzarbeit@ag.ch erreichbar.

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