Spreitenbach

Corona-Virus: Mehr Spreitenbacher Kinder als sonst blieben dem Unterricht fern

Gespenstische Ruhe gestern auf dem Spielplatz des Kindergartens «Quartierzentrum Langäcker».

Gespenstische Ruhe gestern auf dem Spielplatz des Kindergartens «Quartierzentrum Langäcker».

Corona-Virus-Fall sorgt für Verunsicherung an der Schule – wieso kommen nicht auch die Verwandten der Kindergärtler in Quarantäne?

Montagvormittag, Kindergarten Quartierzentrum Langäcker in Spreitenbach: Auf dem Spielplatz und dem Innenhof, wo sich gewöhnlich knapp 50 Kindergärtler austoben, herrscht gespenstische Ruhe. Keine Menschenseele ist zu sehen. Der Grund: Der Kindergarten bleibt die nächsten zwei Wochen geschlossen, nachdem bekannt wurde, dass sich der Kindergarten-Lehrer vor einer Woche mit dem Corona-Virus infiziert hatte. 44 Kindergärtler und 8 Lehrpersonen sind deshalb in Quarantäne gekommen und müssen die nächsten 14 Tage zu Hause bleiben.

Wie geht man in Spreitenbach mit der Coronavirus-Angst um?

Wie geht man in Spreitenbach mit der Coronavirus-Angst um?

Seit Sonntag sind rund 70 Personen in Quarantäne. Diese hatten Kontakt mit dem Kindergartenlehrer. Er wurde positiv auf das Virus getestet. Unter den Betroffenen sind 44 Kindergartenkinder und 8 Lehrpersonen aus Spreitenbach.

Wie wirkt sich diese Massnahme auf den Schul- und Kindergartenbetrieb in Spreitenbach aus? Die Verunsicherung bei den Eltern sei gross, sagt Gemeinderätin und Schulpflegepräsidentin Doris Schmid (FDP). «Wir haben verschiedene Anrufe und Mitteilungen erhalten und nehmen die Ängste sehr ernst. Durch Aufklärung über die Situation auch anhand des Merkblatts vom Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) und durch situative Beantwortung der einzelnen Fragen konnten wir aber viele Eltern beruhigen», sagt Schmid. Zum Wochenstart hätten mehr Kinder als normal gefehlt: «Dies ist für uns jedoch absolut ein normales Verhalten von verunsicherten Eltern», sagt Schmid. Die Schule Spreitenbach würde das pragmatisch handhaben und sei überzeugt, dass sich die Situation bald beruhigen werde, wenn keine weiteren Krankheitsfälle mehr auftauchen.

Auch bei den Lehrpersonen seien Fragen aufgetaucht, doch diese konnten Schulpflege und Schulleitung bereits am Sonntagabend klären, sagt Schmid. Sie bekräftigt: «Die Lehrpersonen verhalten sich sehr konstruktiv und verständnisvoll.» Auch sei die Schule in engem Kontakt mit dem Kanton und werde von diesem sehr kompetent und zeitnah informiert. «Allfällige nächste Schritte werden mit dem Kanton abgesprochen», so Schmid.

Der Kanton erklärt, wer in Quarantäne kommt und wer nicht

44 Kindergärtler und acht Lehrpersonen sind also in Quarantäne. Doch wieso schreibt der Kanton in seiner Medienmitteilung von 70 betroffenen Kontaktpersonen des Kindergarten-Lehrers, die allesamt in Quarantäne gekommen sind? Auf Nachfrage sagt der Kanton, dass die restlichen 18 Personen aus dem persönlichen Umfeld des Lehrers stammen. Viele Leser mögen sich derweil gewundert haben, dass hingegen die Eltern, Geschwister oder andere im Haushalt lebende Personen der Kindergärtler von der Quarantäne nicht betroffen sind. Jelena Teuscher, Leiterin Kommunikation Departement Gesundheit und Soziales (DGS), sagt dazu: «Gemäss Vorgaben vom Bundesamt für Gesundheit sind nur diejenigen Personen in Quarantäne zu setzen, die Kontakt mit einer erkrankten Person hatten.» Das nahe Umfeld, also etwa die Familie, werde erst dann unter Quarantäne gesetzt, wenn sich bei einer Person, die bereits in Quarantäne ist, Grippesymptome zeigten.

War eines der 44 Kinder am Samstag an der Kinderfasnacht?

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob das in Spreitenbach der Fall ist. Brisant: Noch am Samstag fand in Spreitenbach die Kinderfasnacht statt, die traditionell von der Spreitenbacher Guggemusik Bräusi-Vögel durchgeführt wird. Zuerst fand der Umzug statt und danach in der Turnhalle Boostock die Maskenprämierung. Ob eines der 44 betroffenen Kinder ebenfalls an der Fasnacht mit dabei war, kann Reto Lienberger, Präsident der Bräusi-Vögel, nicht sagen: «Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir betreffend Kontakt-Nachverfolgung vom Kanton etwas gehört hätten, wenn es so wäre», sagt er.

Es seien zwei Kindergartenklassen von einem anderen Spreitenbacher Schulstandort mit dabei gewesen, die etwas für den Umzug vorbereitet haben, so Lienberger weiter. Einerseits sei der Vorstand natürlich erleichtert, dass nicht die betroffenen Kinder selbst an der Vorbereitung beteiligt waren, andererseits hält er den aktuellen «Hype» um das Corona-Virus trotzdem für etwas übertrieben. «In erster Linie sind wir einfach froh, dass die Kantonsärztin den Anlass bewilligt hat», sagt er. «Die Kinder haben lange dafür gebastelt und sich sehr darauf gefreut.»

Die Organisatoren hätten sich beim Einlass der Besucher in die Turnhalle Boostock auch wie vom Kanton vorgeschrieben verhalten: «Leute, die krank oder vor kurzem auf Reisen waren, wurden auf Plakaten gebeten, die Halle nicht zu betreten. Da vertrauten wir natürlich auch darauf, dass die Leute ihre Verantwortung wahrnehmen.»

Meistgesehen

Artboard 1