Baden

Corona-Krise verschärft sich weiter: So reagieren Schule, Events, Freizeit und Detailhandel

Die Massnahmen des Bundesrats treffen auch die Region Baden. Fast alle Institutionen müssen reagieren. Wie sie dies tun, haben wir für Sie zusammengetragen.

Freitagnachmittag, Bahnhofspassage in Baden. Es ist wenig los. Die Szenerie passt zur Stimmung, die sich gerade über die Schweiz legt. Der Bundesrat gibt gerade die neuesten Massnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise bekannt. Sie sind einschneidend und betreffen ab sofort sämtliche Lebensbereiche. Vier Jugendliche stehen vor dem Coop und starren auf ihr Smartphone. Sie unterhalten sich nicht wie sonst üblich, mit Snapchat, Whatsapp oder Youtube. Auf ihrem Display ist Alain Berset zu sehen. Der Gesundheitsminister mahnt an der Pressekonferenz zur Ruhe. Er erklärt aber auch, dass sich unser Land in den nächsten Wochen verändern wird. Ein erster Eindruck, was das für die Region bedeutet:

Schule

«Wir wurden nicht ganz auf dem falschen Fuss erwischt», sagt Mirjam Obrist, Geschäftsleiterin der Volksschule Baden. Die Betreuungspflicht ist natürlich noch zu klären. Grundsätzlich seien die Lehrer für die Betreuung zuständig. «Wobei natürlich gerade Lehrpersonen, die der Risikogruppe angehören, zu Hause bleiben respektive arbeiten dürfen.» Obrist begrüsst die Massnahme des Bundesrats: «Die letzten Tage und Wochen waren sehr anspruchsvoll. Jetzt sind wir froh über diese Klarheit.» Nach Möglichkeit sollen die Schüler auch zu Hause unterrichtet werden. «Wie genau das geschehen wird, werden wir am Samstag besprechen.»

Auch die Schule Mellingen-Wohlenschwil hat sich auf den Entscheid des Bundesrats vorbereitet, wie Simon Koller von der Schulpflege erklärt: «Wir haben uns in den letzten Tagen darauf vorbereitet. Ganz wichtig ist, dass die Schüler zu Hause mit Arbeits- und Lernaufträgen versorgt werden, damit sie Strukturen haben.» An der Oberstufe werde man mit E-Learning arbeiten, teils auch an der Primarschule. Nun würden die Lehrer nächste Woche gezielt geschult. «Ganz wichtig», so Koller: «Kinder sollen nur an die Schule zur Betreuung geschickt werden, wenn das absolut notwendig ist. Sonst macht die ganze Massnahme keinen Sinn.»

Ähnlich tönt es an der Schule Wettingen: «Wir haben schon vor drei Wochen einen Krisenstab aufgestellt und konnten uns entsprechend vorbereiten», sagt Gemeindeammann Roland Kuster. Jetzt gehe es nächsten Montag als Erstes darum, all die Schüler aufzunehmen, die doch noch zur Schule kämen. «Für eine Fernschule sind wir noch nicht vorbereitet. Doch wir werden das jetzt mit allen Schulleitern und Lehrer Anfang Woche anschauen und entsprechend aufgleisen», sagt Kuster.

Eher überrascht von den Massnahmen zeigt sich derweil Jürg Amrein, Schulpflegepräsident in Neuenhof: «Das Ganze kommt insofern überraschend, als der Bundesrat nun doch einen ziemlichen Kurswechsel vorgenommen hat.» Spannend sei nun, wie viele Schüler am Montag tatsächlich zu Hause bleiben werden. «Erst dann können wir abschätzen, wie gross der Betreuungsaufwand ist.» Als Nächstes werde man nun am Montag eine Gesamtkonferenz einberufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.»

Bereits am Freitagabend schickte die Schule Bad Zurzach, zu der vier Kindergartengruppen und zwölf Primarschulklassen gehören, ein Infoschreiben an die Eltern raus. «Am Samstag besprechen wir innerhalb der Gemeinde mit den Tagesstrukturen und der Kita, wie wir die Betreuung der Schüler ab Montag sicherstellen werden», sagt Schulleiter Philipp Fischer. «Unser Ziel ist, dass die Schüler aber nicht nur betreut werden, sondern auch lernen können. Die technischen Möglichkeiten haben wir, dass die Kinder von Zuhause aus arbeiten können.»

Auch an anderen Schulen bedeutet der Entscheid des Bundesrates nicht automatisch verlängerte Ferien. «Man wird darauf bedacht sein, dass die Schülerinnen und Schüler bis zu den Frühlingsferien mit Unterrichtsmaterial und Aufträgen bedient werden», sagt Franco Corsiglia, Schulleiter der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA). Andere Schulen wollen sich zuerst um die Sicherstellung der Betreuung kümmern, bevor ein Lernprogramm für Zuhause auf die Beine gestellt wird. Björn Bestgen, Leiter der Primarschule Lengnau, sagt: «Schulfrei und gleichzeitig die Betreuung sicherstellen – das ist die grosse Schwierigkeit.»

Gastro/Events

Die Badener Club- und Konzertszene trifft der Entscheid des Bundesrates hart. Die Badener Veranstaltungs- und Partylocation LWB gab unmittelbar nach der Pressekonferenz auf der Website bekannt: «Aufgrund der neuen Massnahmen des Bundes haben wir bis Ende April geschlossen.» Dano Dreyer vom LWB sagt: «Mit so drastischen Massnahmen habe ich nicht gerechnet. Jetzt ist die beste Jahreszeit für unsere Branche.» Stattdessen muss er nun Angestellten, DJs, Sicherheitsleuten und Lieferanten Absagen erteilen.

Im Gate 54 will man auf Sparflamme weiterköcheln. «Wir haben eine Raucherecke im Club, die offen haben wird für maximal 50 Leute», sagt Andres Häusler. Aber insgesamt löse der Entscheid im Badener Club Existenzängste aus. «Es trifft uns und unsere Angestellten brutal hart», sagt Häusler, «wir wissen nicht, wie es weitergeht.» Für Clive Hupf vom Badener Konzertlokal Nordportal kommt der Entscheid nicht ganz überraschend. Das Konzert von Dabu Fantastic wurde in den November verschoben, die Party von heute Samstag abgesagt. «Wir haben Kurzarbeit beantragt», sagt Hupf. Das Restaurant Fjord wird weiterhin offen sein.

Im Badener Pickwick Pub wird man nur noch 50 Leute reinlassen. Am Eingang soll gezählt werden, sagt John Southworth, und hofft auf das Verständnis der Besucher. Für ihn ist klar: «Wir werden viel Umsatz verlieren und Kurzarbeit beantragen.» Auch der Kulturbetrieb Royal stellt den Betrieb bis Ende April ein.

Die Stadtpolizei Baden wird im Rahmen der Patrouillentätigkeit überprüfen, ob die Vorgaben des Bundesrates von den Restaurants und Bars eingehalten werden, sagt Martin Brönnimann, Leiter öffentliche Sicherheit der Stadt Baden. «Wir setzen dabei auf Intervention mit Aufklärung, werden also die Betreiber auf die geltenden Regeln aufmerksam machen.»

Freizeit

Veranstaltungen bis zu 100 Teilnehmende müssen verschiedene Massnahmen zum Schutz der Besucher ergreifen. Das gilt auch für Freizeitbetriebe wie Museen, Sportzentren, Schwimmbäder. Betroffen ist auch das Thermalbad in Bad Zurzach. Wie die Vorgaben umgesetzt werden sollen, konnte Geschäftsführer Dominik Keller am Freitagabend noch nicht abschliessend sagen. Man werde im Verlauf des Samstags eine Taskforce einberufen, um das weitere Vorgehen festzulegen. Nicht unwesentlich wird dabei die Frage sein, ob das Bad als Freizeitanlage oder Gesundheitscenter deklariert wird.

Das Hallenbad Baden bleibt derweil offen, wie Betriebsleiter René Saurenmann sagt. Man halte sich an die Regeln des Bundes und die ohnehin sehr strengen Hygienevorschriften für Bäder. «Am Eingang zum Hallenbad steht Desinfektionsmittel bereit, das Personal gibt zudem jederzeit gerne Auskunft», so Saurenmann. Das Baden im Hallenbadwasser sei absolut bedenkenlos, hier können sich die Viren nicht verbreiten. Die Lehrschwimmhallen Pfaffechappe und Burghalde bleiben aber wie die Schulen geschlossen.

Auch die Kinos der Region haben die Massnahmen verschärft. Die Sterk Ciné AG setzt ganz auf «Social Distancing», wie sie auf ihrer Website schreibt. Das heisst: Es werden keine Sitzplatznummern mehr vergeben, und in jeder Vorstellung nur die Hälfte aller Plätze respektive maximal 99 Sitzplätze pro Saal verkauft. Zudem appelliert das Badener Kinounternehmen mit seinen Kinos Sterk, Trafo und Elite an die Eigenverantwortung der Kinobesucher. Auch das Pathé Kino Spreitenbach setzt auf Social Distancing und verzichtet auf eine Sitzplatznummerierung.

Das Management des Grand Casinos Baden hat entschieden, das Haus vorläufig offen zu halten, wie CEO Detlef Brose sagt. Der Spielbetrieb an den Tischen ist aber seit Freitagabend ausser Betrieb, die Bars im Casino sind geschlossen. Der Krisenstab komme regelmässig zusammen. «Die Massnahmen des Bundes treffen das Grand Casino hart», sagt Brose. «Aber der Schutz der Mitarbeitenden und der Gäste geht ganz klar vor.» Im Automatenbetrieb ist nun jeder zweite Automat ausser Betrieb, um genügend Abstand zu ermöglichen. Im Restaurant werde man den Betrieb normal aufrechterhalten, aber sich an die Regel des Bundesrates halten und maximal 50 Personen einlassen.

Detailhandel

Anders als noch zu Anfang März berichtet, wurde im Shoppi Tivoli inzwischen ein Rückgang der Besucherzahlen festgestellt, weshalb die Geschäftsleitung diese Woche beschlossen hat, von Montag, 16. März, bis Samstag, 18. April, sämtliche Geschäfte und Restaurants im Shopping Center bereits um 19 statt um 20 Uhr zu schliessen. Dies, weil vor allem in den Abendstunden viel weniger Leute als sonst in der Shoppingmall anzutreffen sind: «So sollen die Ladenmieter im finanziellen Bereich entlastet werden», sagt Shoppi-Geschäftsleiter Patrick Stäuble dazu. Der Beschluss des Bundesrats trifft auch die Restaurants. «Es wird eine Zutrittskontrolle geben.»

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