Talk Täglich
CEO des Kantonsspitals Baden: «Wir können eine dritte Coronawelle verhindern»

Erst zögerlich, dann knallhart. Dass der Aargau seine Corona-Strategie änderte, lag auch am Kantonsspital Baden. Dieses schlug im Dezember Alarm. Wie geht es dem Spital aktuell? Wie hat es die ersten Wellen gemeistert und was kommt noch auf uns zu? Der KSB-Chef gibt im «TalkTäglich» Antworten.

Pirmin Kramer
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Die Covid-Situation habe sich in den letzten Tagen leicht entspannt, sagte Adrian Schmitter, CEO des Kantonsspitals Baden, im Gespräch mit «Talk Täglich»-Moderator Adrian Remund. Die Zahl der Intensivbetten habe in Baden von vierzehn auf zwölf gesenkt werden können. Nun könnten dort auch wieder Patienten betreut werden mit anderen Erkrankungen als Covid. Auf die Frage, wie es nun weitergehe mit der Pandemie, welche Entwicklung er erwarte, antwortete Adrian Schmitter: «Wir haben sehr grossen Respekt vor den Mutationen des Virus.

Einen starken Anstieg wie in England könnten wir nicht stemmen.» Die Spitäler seien seit elf Monaten in einem Ausnahmezustand. «Die Belastung auf allen Stationen ist enorm hoch.» Auch im Labor, um ein Beispiel zu nennen, werde seit Monaten auf Hochtouren gearbeitet. «Ich bin aber überzeugt, dass wir die dritte Welle verhindern können», sagt der Kantonsspital-CEO. Es gelte jedoch, sehr vorsichtig zu sein beim Entscheid, wann und wie stark die Massnahmen gelockert werden. «Ich hoffe, dass der Druck von Corona mit dem Frühling abnimmt, dass die Pandemie weniger aggressiv wird und dass es mit der Impfung eine zusätzliche Entlastung gibt.» Er sei zuversichtlich, dass im Sommer ein relativ normales Leben möglich sei.

Kantonsspital Aarau als grosse Hilfe

Auf die Frage des «Tele M1»-Moderators, wie sich das Kantonsspital Baden bisher geschlagen habe in der Krise, antwortete Schmitter: «Der Aargau ist nicht homogen. Wir waren im Frühling viel schneller voll als die Spitäler im Westen des Kantons.» In der zweiten Welle sei dasselbe passiert: «Wir waren schon im Oktober voll mit 14 Betten.» Nur, weil immer wieder Patienten ans Kantonsspital Aarau überwiesen werden konnten, habe man die Situation bewältigen können.

Die Intensivstation sei teilweise sehr stark belegt gewesen. «Stundenlang musste unser Notfallchefarzt telefonieren, um Patienten weiterverlegen zu können.» Dabei sei es nicht nur um Coronapatienten gegangen, sondern auch um Menschen mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkten.

Emotional sei die Belastung teilweise hoch: «Sterben gehört eigentlich nicht zum Spital. Wir wollen die Leute gesund nach Hause bringen.» Dass es mit Covid mehr Tote gebe als üblich, sei leider eine Tatsache, die zwar allen bewusst sei. «Was aber nicht spurlos an uns vorbeigeht: Wenn Patienten einen Monat oder mehr auf der Intensivstation liegen. Wenn man um ihr Leben kämpft und es verliert – das tut weh.»

Noch immer gebe es sehr viel zu lernen im Zusammenhang mit Covid. «Wir wissen noch immer nicht genau, wo überall sich die Menschen anstecken.» Wenig Verständnis habe er dafür, dass die Kompositionen im öffentlichen Verkehr verkürzt worden sind und die Leute nun doch wieder eng aufeinander sitzen. Positive Worte fand er hingegen für die Politik des Aargauer Regierungsrates. Er habe diesen im Dezember auf die schwierige Situation im Spital aufmerksam gemacht. Der Regierungsrat habe nicht zu spät, sondern genau im richtigen Moment die Massnahmen verschärft, so Schmitter. Er selber sei bisher noch nicht an seine Grenzen gekommen. «Das soll nicht arrogant tönen. Es hat ganz einfach damit zu tun, dass wir ein hervorragendes Team haben, das zusammenhält.»