Bezirksgericht Baden
Bus-Chauffeur soll Velofahrer gefährdet haben – der erstattete Anzeige

Ein Postauto-Chauffeur soll einen E-Bike-Fahrer gefährdet haben und musste sich vor dem Badener Bezirksgericht verantworten.

Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Ein Postauto. (Symbolbild)

Ein Postauto. (Symbolbild)

Claudia Meier/Archiv

Am 5. November 2019 war Adam (Name geändert) völlig überraschend zu einer polizeilichen Befragung aufgeboten worden. Wie sich herausstellte, hatte ein Velofahrer gegen den 45-Jährigen Anzeige wegen Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes erstattet: Als Chauffeur eines Gelenkbusses habe Adam ihn am 9. September in grosse Gefahr gebracht gehabt.

Beim besten Willen konnte sich Adam nicht mehr erinnern, was sich zwei Monate vor sei- ner Einvernahme, morgens um 7.50 Uhr im Reusstal, zugetragen haben sollte. Klar war ihm jedoch, dass er als Postauto-Fahrer an jenem Septembermorgen auf der fraglichen Strecke im Einsatz war. Die Route führt in einem Ortsteil über eine streckenweise sehr schmale Strasse ohne getrennte Spuren.

An einer ausgesprochen engen, langgezogenen Linkskurve soll – laut Strafanzeiger – Adam zu wenig rechts gefahren sein, wobei der hintere Teil des Busses immer mehr ausschwenkte: Als E-Bike-Fahrer sei der Strafanzeiger gezwungen gewesen, vom Velo zu steigen und sich am Strassenrand an die dortige Stützmauer zu pressen. Der Bus habe mit noch knapp 40 Zentimeter Abstand an ihm vorbeifahren können, war im Strafbefehl festgehalten. Hierfür, so der Staatsanwalt, sei Adam mit 400 Franken Busse zu bestrafen und müsse obendrein 556 Franken an Gebühren und Polizeikosten berappen.

Adam ist seit 20 Jahren als Chauffeur tätig; er fuhr kleine und grosse Lastwagen und arbeitet nun seit vier Jahren als Buschauffeur in der Region. Den Strafbefehl akzeptierte er nicht. «Es kann nicht sein, dass ich an jener engen Stelle nicht weit genug rechts gefahren bin. Ich fahre diese Strecke jede Woche zweimal und wenn an jener Stelle ein Pkw entgegenkommt, muss dieser immer entweder anhalten oder zurücksetzen», sagte er vor Gericht.

Adam, mit tadellosem automobilistischem Leumund und schuldenfrei, kam in Begleitung eines Anwalts zur Gerichtsverhandlung. Dieser forderte einen Freispruch und begründete den Antrag akribisch. An der fraglichen Stelle sei die Fahrbahn nur 3,61 Meter breit und ohne Trottoir. «Ein Kreuzen von zwei Fahrzeugen ist unmöglich und – da ein Gelenkbus hinten immer etwas ausschwenkt – in unserem Fall auch mit einem Velo.»

Gemäss Gesetz müsse jeweils der schwächere Verkehrsteilnehmer dem stärkeren den Vortritt lassen. «Dies hatte der E-Biker missachtet.» Im Polizeiprotokoll deckte der Anwalt unter anderem bezüglich Zeit-, Tempi-, Distanzangaben und Sichtverhältnissen fragwürdige und widersprüchliche Aussagen des Velofahrers auf. «Der Staatsanwalt hat, statt die Gesamtheit der Aussagen, nur jene berücksichtigt, die Adam belasten.»

Einzelrichterin Angela Eckert sprach Adam von Schuld und Strafe frei. «Es war eine alltägliche Situation: Der Beschuldigte hätte nicht noch weiter rechts fahren können und es ist unausweichlich, dass der hintere Teil eines Gelenkbusses in einer Kurve ausschert.»