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Bus-Ärger in Baden: «Oft getrauen sich die Jüngeren nicht einzusteigen»

Die Linie 5, hier in der Weiten Gasse, gibt Anlass zu Diskussionen. (Archiv)

Die Linie 5, hier in der Weiten Gasse, gibt Anlass zu Diskussionen. (Archiv)

Orten auch RVBW-Direktor Stefan Kalt und Badens Stadtammann Markus Schneider Handlungsbedarf beim «5er»-Bus?

Wie beurteilt Stefan Kalt, Direktor der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), die kritisierte Situation bei der Linie 5? Handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung zweier besorgter Mütter, oder besteht tatsächlich Handlungsbedarf – sprich reichen die 47 Steh- und 29 Sitzplätze nicht aus? «Wir haben die Passagierzahlen immer wieder erhoben und dabei festgestellt, dass es bis auf zwei Ausnahmen selbst zu Spitzenzeiten immer Platz hat.» Insbesondere widerspricht Kalt der Darstellung, dass es schon vorgekommen sei, dass Kinder nicht in den Bus gelassen wurden. «Wer soll die Kinder nicht reingelassen haben? Der Buschauffeur, der vorne sitzt?», fragt Kalt rhetorisch. «Ich vermute, das Problem ist ein anderes: Es gibt im hinteren Teil des Busses nur eine Türe. Wenn schon viele Schüler im Bus stehen, getrauen sich insbesondere die Jüngeren nicht mehr einzusteigen, obwohl es noch Platz hätte.» Denkbar sei es deshalb, dass der Chauffeur künftig Durchsagen mache und erst abfahre, wenn alle Passagiere nach hinten in den Gang gerückt sind.

Man werde in diesen Wochen aber nochmals Passagiererhebungen machen, um die genauen Zahlen zu eruieren. Kalt: «Denn erst wenn wir mit Zahlen Kapazitätsengpässe belegen können, kommt ein Ausbau des Angebots für den Kanton als Auftragsteller infrage.» Was wären die Optionen, sollte sich dabei tatsächlich zeigen, dass die Kapazitäten bei Unterrichtsende zu klein sind? «Man könnte zu den Spitzenzeiten auch einen zusätzlichen Bus einsetzen – auch ein Gelenkbus wäre denkbar. Nur, dieser Bus muss extra im Depot abgeholt und nach der Fahrt wieder zurückgebracht werden, während der ‹normale› Bus pausiert. Das kostet alles sehr viel Geld», betont Stefan Kalt. Oder aber man führt auf der Strecke zeitversetzt einen zweiten Bus ein.

Stadt: Ausbau erst, wenn nötig:

Und wie beurteilt Kalt den Vorbehalt, wonach am Sonntagnachmittag mit dem Viertelstundentakt ein Überangebot bestehe, während am Samstag gerade ein solcher Takt fehle? «Das Problem am Sonntag ist das Wetter. Sprich, bei schönem Wetter sind die Busse immer sehr gut von Ausflüglern besetzt, weshalb die RVBW am Viertelstundentakt sicher nichts ändern wollen.» Würde der Kanton die Nachfrage am Sonntag nicht mehr sehen, würde er den Auftrag sofort zurückziehen, erklärt Kalt.

Etwas differenzierter fällt die Antwort in Bezug auf Samstagvormittag aus: «Ein Ausbau des Angebots ist zwar aufgrund der Kapazitäten nicht nötig. Und trotzdem würden wir gerne einen Viertelstundentakt anbieten, weil auch wir das Potenzial sehen und wir überzeugt sind, dass durch das bessere Angebot auch mehr Passagiere den Bus benutzen würden.» Doch es sei an der Stadt, diesen Kursausbau bei den RVBW zu bestellen. Denn: Selbst wenn der Kanton eine entsprechende Nachfrage verneint, liegt es den kommunalen Behörden frei, auf einer Strecke einen Pilot-Kurs einzuführen. Bewährt sich dieser, dann wird er nach spätestens drei Jahren ins offizielle Angebot des Kantons übernommen. Ein Beispiel hiefür ist die Linie 12 der RVBW zwischen Kantonsspital Baden und Bahnhof Wettingen.

Wie beurteilt die Stadt Baden das Angebot der Linie 5 am Samstagvormittag? Stadtammann Markus Schneider (CVP): «Wir haben die Angelegenheit kürzlich mit der Gemeinde Ennetbaden und den RVBW besprochen.» Seitens Stadt wird ein Ausbau der Kapazität weiter geprüft und dann ein Thema, wenn Zahlen die Notwendigkeit eines Viertelstundentaktes belegen.

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