Der Flughafen Zürich plant eine Anpassung seines Betriebsreglements, die mehr Sicherheit auf den Pisten und weniger Fluglärm in der Nacht bringen soll. Das bringt eine Verschiebung der Abflugrouten mit sich. Würenlos würde mit diesen Änderungen stärker durch Fluglärm belastet.

Anders als der Wettinger Gemeinderat hat der Würenloser Gemeinderat aber auf eine Einwendung gegen die Pläne verzichtet. «Wir haben die Möglichkeit diskutiert und uns dagegen entschieden», sagte Gemeindeammann Anton Möckel (parteilos) zur «Limmatwelle». Die Vorteile des neuen Betriebsreglements würden überwiegen, unter anderem führe es zu mehr Sicherheit. Die Gemeinde hat deshalb beim Bund lediglich eine Stellungnahme eingegeben. Bis Mitte November wird dann auch der Regierungsrat Stellung beziehen.

Die Karte zeigt rot die neuen Startrouten, wie sie im «Betriebsreglement 2017» vorgesehen sind. Rot gestrichelt zeigt, wie die neue Startroute im SIL-Objektblatt vorgesehen war.

Die Karte zeigt rot die neuen Startrouten, wie sie im «Betriebsreglement 2017» vorgesehen sind. Rot gestrichelt zeigt, wie die neue Startroute im SIL-Objektblatt vorgesehen war.

«Unverständliche Entscheidung»

Viele Würenloserinnen und Würenloser sind damit aber überhaupt nicht einverstanden und stören sich an der Entscheidung des Gemeinderats. Alfons Spörri etwa ärgert sich über die Zurückhaltung: «Der Gemeinderat lässt die Würenloser Bevölkerung im Regen, oder eben im Fluglärm, stehen.» Es sei für ihn unverständlich, dass sich die Gemeinde nicht deutlich gegen den Fluglärm wehre. Schliesslich sei Würenlos Mitglied bei der Vereinigung für erträglichen Fluglärm. «Wettingen wehrt sich, Würenlos nicht», sagt Spörri. Diese Botschaft habe man beim Flughafen und beim Bundesamt für Zivilluftfahrt sicher auch zur Kenntnis genommen.

«Die Befürchtung liegt nahe, dass die Abflugroute dann halt ein paar hundert Meter nach Osten verschoben wird. Der Gemeinderat geht anscheinend davon aus, dass Würenlos immun ist gegen Fluglärm», vermutet Spörri. Ihm gehe es um die Wohnqualität im Dorf. Seines Wissens sei es einmalig im Raum Zürich, dass sich eine Gemeinde nicht gegen mehr Fluglärm wehre.

Walter Kirchhofer, der selbst acht Jahre lang für die FDP im Würenloser Gemeinderat war, stört sich vor allem daran, dass viele Einwohner erst aus der «Limmatwelle» vom Entscheid des Gemeinderats erfahren haben. Er findet, dass der Rat den Lärm bagatellisiere und in diesem Fall am Dorf vorbeipolitisiert habe. «Es sollte doch selbstverständlich sein, dass sich der Gemeinderat vor allem für das Wohl der Bevölkerung einsetzt. Und nicht für den Flughafen Zürich», sagt Kirchhofer.

Wie Walter Kirchhofer findet auch Peter Rüegg, dass sich der Gemeinderat wenigstens mit der Gemeinde Wettingen hätte absprechen sollen. In allen anderen Belangen arbeite Würenlos sehr gut mit Wettingen zusammen. Auch Rüegg hat von der Stellungnahme erst aus der «Limmatwelle» erfahren. Er findet, man dürfe das Fliegen nicht grundsätzlich verteufeln, er selbst sei früher auch oft geflogen. Aber er sei sehr irritiert und enttäuscht vom Vorgehen des Gemeinderats, zumal unter dem spürbar zunehmenden Fluglärm die Lebensqualität der Würenloser stark leide.

Lukas Wopmann weist Vorwürfe von sich

Im Dorf gab es die Vermutung, dass das Vorgehen des Gemeinderats mit der beruflichen Tätigkeit von Gemeinderat Lukas Wopmann (BDP) zu tun haben könnte. Er arbeitet am Flughafen Zürich. Allerdings ist er nicht beim Flughafen selbst angestellt, sondern bei der dnata Switzerland AG. Einer von drei Firmen, die am Flughafen für die Bodenabfertigung zuständig sind. Den Verdacht, dass sich der Gemeinderat wegen seines beruflichen Engagements nicht stärker gewehrt habe, weist Wopmann entschieden zurück: «Mein Beruf war bei den Diskussionen im Gemeinderat nie ein Thema. Der Entscheid gegen eine Beschwerde hat damit überhaupt nichts zu tun.»

Wopmann sagt, dass der Gemeinderat die Pläne des Flughafens intensiv besprochen habe. «Wir verstehen, dass sich viele Würenloser über den Fluglärm ärgern. Wir sind auch nicht mit allem einverstanden und haben eine Güterabwägung gemacht.» Der Rat sei zum Schluss gekommen, dass die Erhöhung der Sicherheit am Flughafen sinnvoll und richtig sei. Und dass man lieber ein bisschen mehr Lärm am Tag in Kauf nehme, wenn dafür die Belastung durch Verspätungen in der Nacht wirklich aufhört.

«Der Flughafen soll keinen Freipass haben», stellt Wopmann klar. Aber schliesslich müsse man die Fluglärm-Problematik auch überregional betrachten. Der Gemeinderat stehe deshalb weiterhin zu seinem Entscheid. Das Thema werde am Info-Abend der Gemeinde am nächsten Mittwoch im Gmeindschäller noch einmal aufgenommen. Bis dann dürfte die Meinung des Regierungsrats allerdings bereits vorliegen.