Rund um Ruedi Sommerhalder liegen alte mit Blei- und Holzbuchstaben gefüllte Setzkästen. Kann sich noch jemand vorstellen, dass im Buch- und Zeitungsdruck bis vor einigen Jahrzehnten jedes einzelne Buchstabenklötzchen für einen Text von Hand platziert wurde?

Sommerhalder färbt den vorbereiteten Druckstock ein, legt einen Papierbogen in seine alte Hochdruckpresse und dreht an der Walze, damit das Blatt über die mit Druckerschwärze vollgesogenen Buchstaben läuft. «Wir verdanken den modernen Buchdruck Johannes Gutenberg. Er setzte neue Massstäbe im Kommunikationsbereich. Ohne seine Erfindung würde es die heutigen Computerschriften gar nicht geben», meint Sommerhalder.

Der ehemalige Zeichnungslehrer an der Kantonsschule Wettingen machte seine Schüler oft mit den alten Techniken vertraut. Heute druckt er im Stroppel-Areal Untersiggenthal, wo er sein Atelier hat, nur noch selten Plakate für den Eigenbedarf und für Künstler. Aus purer Freude, wie er sagt, denn rentabel ist das manuelle Drucken natürlich längst nicht mehr. «Es war nicht einfach, Leute zu finden, die altes Handwerk mit Leidenschaft und Know-how pflegen», erzählt Ortsmuseums-Präsident Marcel Meier.

Diese Bücher halten ewig

Die Sonderausstellung über die ursprüngliche Papierherstellung, Drucktechnik und Buchbinderei passt gut in das schön renovierte Bauernhaus, in dem vor allem bäuerliche Hauseinrichtungen und Gerätschaften zu bestaunen sind. Interessierte können beim Museumsbesuch Susy Scherer aus Hertenstein über die Schultern schauen, wenn sie Papierbögen mit Nadel und Faden zu einem Buch zusammenheftet.

Die selbstständige Buchbinderin gestaltet auch Umschläge, überzieht dafür Graukarton mit Gewebe oder Leder. Heute werden die meisten Bücher maschinell klebegebunden und nicht mehr fadengeheftet. Scherer hat trotzdem Kundschaft. «Ämter, Archive, Treuhandbüros und Bibliotheken haben in ihren Archiven oft Nachschlagewerke, die viel benutzt werden, aber nicht auseinanderfallen dürfen. Meine handgearbeiteten Teile halten ewig.»

Edi Mülli aus Gebenstorf hat das Papierschöpfen zu seinem Hobby erkoren. Dazu recycelt er altes Zeitungspapier und Eierkartons. Im Ortsmuseum prägt er seine Erzeugnisse mit selbst gemachten Fimo- und Drahtförmchen. Oder marmoriert sie in einem Becken mit Wasser und Farbe, durch das er einen Zahnstocher oder Kamm zieht. «Dadurch entstehen schöne Muster für Geschenkpapier oder Glückwunschkarten», sagt er.

Ihn fasziniert die Sorgfalt, mit der früher jedes einzelne Produkt hergestellt wurde und sich immer als absolutes Unikat erwies. «Nichts entstand möglichst schnell, seriell und billig wie heute. Das waren noch Zeiten», schwelgt er in der Vergangenheit.

Sonderausstellung «Altes Handwerk» 1. u. 6. Nov., 6. Dez., 3. Jan., 7. Feb., 6. März, 3. Apr., jeweils 10–12 Uhr