Baden

Botschafter, Bücherwurm und Katholik

Das Geschenk an der Badener Holzbrücke: Kopie der barocken Nepomuk-Statue aus dem Jahr 1707.

Vor 300 Jahren starb der glücklose österreichische Diplomat Franz Ehrenreich Graf von Trauttmansdorff.

Er war zwar kein aussergewöhnlich geschickter Diplomat, aber er hinterliess der Stadt Baden ein sehr schönes Gastgeschenk: Franz Ehrenreich Graf von und in Trauttmansdorff. Der Österreicher starb vor 300 Jahren, im März 1719 in Wien. Zuvor hatte er während 15 Jahren als Botschafter der römisch-deutschen Kaiser bei der eidgenössischen Tagsatzung in Baden residiert. Sein Geschenk steht an einem schönen Aussichtspunkt zwischen Gasthaus Krone und Holzbrücke an der Limmat. Wobei: Es ist nur eine Kopie, die hier steht. Das Original, eine kostbare Sandsteinstatue des heiligen Johannes von Nepomuk, befindet sich seit den 1930er-Jahren im Historischen Museum, gut geschützt vor der Witterung. 1974 wurde am alten Standort die Kopie aufgestellt.

Aber warum schenkt ein kaiserlich-österreichischer Botschafter der Stadt Baden eine so kostbare Statue? Trauttmansdorff wurde 1662 in Graz als Spross eines hochadeligen österreichisch-böhmischen Adelsgeschlechts geboren. Das Einflussgebiet dieser Reichsgrafenfamilie reichte von der Steiermark über Mähren und Böhmen bis nach Niederösterreich und Tirol. Dutzende Schlösser zeugen heute noch davon, darunter besonders Schloss Trauttmansdorff mit seinen prächtigen Gärten in Meran in Südtirol.

Franz Ehrenreich schlug als junger Mann eine Karriere im Staatsdienst am Wiener Hof ein. Er wurde bald Kämmerer und Geheimrat – und für seine Verdienste belohnt: 1701 schickte ihn der römisch-deutsche Kaiser Leopold I. als Gesandten nach Baden.

Residenz im Wilden Mann

Hier lebte der Botschafter im «Wilden Mann» an der Oberen Gasse, das damals eines der vornehmsten Häuser der Stadt war. Er war ein echter Bücherwurm. Die Trauttmansdorff’sche Bibliothek war mit über 8000 Drucken und 500 Handschriften eine der grössten Büchersammlungen des Habsburgerreichs.

Trauttmansdorff hatte in Baden mächtige Gegenspieler, etwa in den französischen Botschaftern Roger Brulart de Puysieux und Charles-François de Vintimille, Conte du Luc. Der Österreicher war zudem als strenger Katholik und Förderer der Klöster Rheinau und Muri stark umstritten in der konfessionell gespaltenen Eidgenossenschaft. Im Jahr 1707 schenkte er der katholischen Stadt Baden als Zeichen der Verbundenheit die Statue des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk (1350-1393), der sich der Überlieferung nach geweigert hatte, das Beichtgeheimnis zu brechen und deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen wurde. Trauttmansdorff war wie Kaiser Leopold ein inniger Verehrer des böhmischen Heiligen. An der Statue gibt heute eine etwas ramponierte Tafel Auskunft über die lateinische Inschrift auf dem Sockel.

Flucht nach Waldshut

Bei der Beisetzung des Spanischen Erbfolgekriegs, der unter anderem mit dem Friedensvertrag von Baden beendet wurde, zeigte Trauttmansdorff wenig Geschick. Er konnte 1712 den Ausbruch des Zweiten Villmergerkrieges nicht verhindern und floh vor der Einnahme Badens durch die Berner und die Zürcher ins nahe, vorderösterreichische Waldshut. Dieser Misserfolg brachte ihn um die erhoffte Ehre, 1714 am Badener Friedenskongress als Bevollmächtigter Kaiser Karls VI. teilzunehmen.

1715 wurde Trauttmansdorff nach Wien zurückberufen. Nach seinem Tod im Alter von 57 Jahren geriet er in Österreich bald völlig in Vergessenheit, seine riesige Bibliothek wurde versteigert. In Baden dagegen erinnert der heilige Nepomuk an der Holzbrücke auch fortan an diesen eigensinnigen Mann aus Wien.

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