Neben dem Gedenkstein, der an den Absturz erinnert, haben zwei Sergeants in den zeitgenössischen, taubenblauen Uniformen der Royal Air Force (RAF) Aufstellung genommen. Der eine lässt den Union Jack flattern, der andere präsentiert das Gewehr (übrigens stilgerecht ein Lee-Enfield.) Ein «Piper» im Kilt lässt den Dudelsack ertönen. Etwas daneben liegen Gegenstände, wie sie zur Ausrüstung eines britischen Bombers und seiner Besatzung gehört haben. Im Gegensatz zu den Akteuren sozusagen sind sie echt. Bei den Letzteren handelt es sich um Mitglieder der Re-enactment Group des Vereins «The Royal Air Force over Switzerland», der die Feier organisiert hat.

Im Publikum, das die Zeremonie gespannt verfolgt – «wir haben das Gewehr nicht so gehalten», meint ein älterer Mann – ist auch Max Rudolf auszumachen. Der Lokalhistoriker hat die letzten Stunden der Wellington HE374 erforscht. Demnach war die Maschine als Teil eines Geschwaders von 462 Bombern in der Nacht auf den 15. April 1943 in England zu einem Einsatz im Raum Stuttgart gestartet. Trotz Triebwerkproblemen im Anflug hatte sich der 21-jährige Pilot James Victor Avery entschlossen, den Auftrag auszuführen. Ein Treffer der deutschen Luftabwehr bewog ihn dann aber dazu, die Schweiz anzufliegen. Über Wettingen gab er den Befehl zum Aussteigen. Als Letzter sprang er selber ab und landete auf dem Dach des Ziegelhütte-Hofes in Dättwil. Auch die anderen Besatzungsmitglieder – Navigator William Harold Shields, Funker Joseph Clifford Cash, Bombenschütze Wilfred Boddy sowie Bordschütze Alexander McEwan, landeten unversehrt.

In der Uniform eines RAF-Offiziers tritt Patrick Schlenker ans Mikrofon und kündigt Frau Gemeindeammann Marianne Stänz an. «Birmenstorf», sagt sie, «ist an jenem 15. April 1943 kurz vom grossen Krieg gestreift worden, der Millionen von Toten gefordert hat. Für Birmenstorf ist die kurze Episode glücklicherweise ohne Opfer ausgegangen. Dafür müssen wir sehr dankbar sein.»

Gedenken an die Kriegsopfer

Als ehemaliger Angehöriger der RAF geht John M. Gysin auf die Bedeutung und die Eigenheiten der Bomber des Typs Wellington ein. Mit dem Gedenkanlass, erklärt er, soll an das Leiden des Zweiten Weltkriegs erinnert werden. Dann legt er vor dem Gedenkstein einen Kranz aus jenen künstlichen Mohnblumen – den Remembrance Poppies – nieder, die in den englischsprachigen Ländern Symbol des Gedenkens an die Opfer der Weltkriege sind. Und mit «Highland Cathedral» setzt der «Piper» den Schlusspunkt unter die Feier.