Baden

Böse Überraschung: Plötzlich fehlten 2 Meter Holz des Mammutbaums

Im Zwischenlager Bruderholz wurden die Äste des Mammutbaums für die Weiterverarbeitung gesäubert.

Im Zwischenlager Bruderholz wurden die Äste des Mammutbaums für die Weiterverarbeitung gesäubert.

Vom Holz des Badener Schulhausplatz-Mammutbaums sollen Erinnerungsstücke gefertigt werden. Allerdings weniger als erhofft. Schuld ist ein Missverständnis.

Passanten blieben staunend am Strassenrand am Schulhausplatz stehen, als der Mammutbaum am 29. Juni Stück für Stück gefällt wurde. Viele Badener hofften bis zuletzt, man könne den Baum vielleicht doch noch retten. Mit dem Projekt Stadtbaum wird diese Hoffnung zumindest im übertragenen Sinn Wirklichkeit. Der Wahl-Badener Stefan Benninger und sein Freund Stephan Müller werden aus dem Holz des Baumes Erinnerungsstücke schreinern lassen. Deshalb hatten sie das Holz zusammen mit den Forstamt-Mitarbeitern an jenem 29. Juni auf dem Zwischenlagerplatz Bruderholz im Wald gebracht.

Bis die Spitze fällt: Der Badener Mammutbaum verliert am 29. Juli 2015 Stück für Stück sein Leben.

Bis die Spitze fällt: Der Badener Mammutbaum verliert am 29. Juli 2015 Stück für Stück sein Leben. (29.06.2015)

Doch während der Lagerung kam es zu einer bösen Überraschung: Plötzlich fehlte ein Stück vom Baumstamm. «Als ich einige Tage nach dem Fällen nach dem Holz sehen wollte, fehlte ein fast zwei Meter langes Stück vom oberen Ende des Stammes», sagt Benninger. Nur noch das Sägemehl sei an der Stelle zu sehen gewesen. Er ging von einem Diebstahl aus. «Ich war wütend und fassungslos, dass jemand so etwas Dreistes macht.»

Missverständnis mit Folgen

An ein Versehen glaubte Benninger zu diesem Zeitpunkt noch nicht: «Auch wenn die Mitarbeiter des Forstamts hier im Zwischenlager Holz weiterverarbeiten, sie waren informiert und das Holz des Mammutbaums war markiert», erklärt er. Deshalb sei es sicher nicht versehentlich in einer Zerkleinerungsmaschine gelandet.

So «fällt» der Mammutbaum am Badener Schulhausplatz Stück für Stück

Pius Moser vom Stadtforstamt fällte damals den Baum. Er klärt nun auf: «Damals habe ich einem Hobbyschreiner aus der Region erlaubt, sich ein Stück vom Stamm zu holen», sagt er. Er sei davon ausgegangen, dass der Mann sich ein kleines Stück abschneidet. «Dass sich nun herausstellt, dass er beinahe zwei Meter mitgenommen hat, überrascht mich», sagt Moser. Hätte er das gewusst, hätte er Benninger natürlich informiert. Doch von all dem wusste Benninger nichts. «Als ich sah, dass dieses Stück fehlt, habe ich die restlichen Stücke in mein Auto geladen und an einen sicheren Ort gebracht.» Er hätte sich gewünscht, dass er zumindest informiert worden wäre, wenn jemand ein Stück vom Stamm hole. «Immerhin hat die Stadt uns das Recht am Holz zugesprochen.» Moser bedauert das Missverständnis. «Es war keine böse Absicht». Zudem habe er Anfragen für grössere Holzmengen an Benninger weitergeleitet. «Das hätte ich in diesem Fall auch gemacht, wenn ich gewusst hätte, wie viel Holz der Hobbyschreiner mitnimmt.»

Auch wenn der Vorfall ärgerlich ist, so gibt es für das Team von «Stadtbaum» auch erfreuliche Entwicklungen: «Wir konnten gemeinsam mit den Bauarbeitern auch das Wurzelholz bergen, um daraus Andenken zu schreinern», erzählt Benninger. Bis es die ersten Erinnerungsstücke aus dem Mammutholz zu kaufen gibt, brauchen Interessierte allerdings noch etwas Geduld. Das Holz muss zuerst trocknen, was mehrere Monate dauert. «Wir planen den Verkauf auf das Ende des Schulhausplatzumbaus und die Badenfahrt im August 2017.»

Koloss weicht für Schulhausplatz: Der Mammutbaum in Baden ist nicht mehr. Der rund 40-jährige Riese wurde gefällt und in gut 3 Stunden zu Kleinholz verarbeiten.

Ein Koloss weicht dem neuen Badener Schulhausplatz (29.06.2015)

Chancen gut für Mammut-Babys

«Auch stehen die Chancen, aus den Samen des Baumes Zöglinge heranzuziehen, besser als ursprünglich erwartet.» Benninger hatte bereits bei der Lancierung des Projekts die Idee, aus den Samen Stecklinge heranzuziehen. Doch als der Baum im Juni gefällt wurde, waren die Tannzapfen noch grün. «Durch die Wärme sind die Zapfen nachgereift und haben sich geöffnet», sagt er. «So konnte ich die Samen herausholen.» Noch vor Ende des Monats will er die ersten Versuche machen und die Samen keimen lassen. «Falls wir damit erfolgreich sind, werden wir die Setzlinge im Rahmen des Projekts verschenken oder verkaufen.»

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