Naturschutz

Biber an der Limmat haben es schwer – im Aargau total 270 Tiere vermutet

Stauwehre sind seine Feinde: Biber an der Limmat.

Stauwehre sind seine Feinde: Biber an der Limmat.

In den Limmatauen bei Dietikon und Geroldswil ist wieder ein Biber aufgetaucht. Ob je ein zweiter Biber mit ihm eine Familie gründen wird, ist fraglich, denn der Weg dorthin ist alles andere als einfach.

Im Herbst 2013 ist ein Limmattaler Biber in der Fahrweid bei Dietikon einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen. Nun haben Freizeitsportler in den Limmatauen von Dietikon/Geroldswil wieder einen Biber gesichtet. Die Chance, dass er bald eine Partnerin oder einen Partner bekommt, erachtet Andres Beck, Biberbeauftragter des Kantons Aargau, als eher gering.

Im Limmatspitz und im Raum Turgi/Untersiggenthal leben mehrere Biber. Doch deren Nachwuchs hat es schwer, talaufwärts weitere Gebiete zu besiedeln. «Besonders das Badener Kraftwerk Kappelerhof ist für den Biber ein grosses Hindernis», beklagt Beck. Den dortigen Fischpass würde ein Biber nicht akzeptieren. «Folglich müsste er das Wehr auf einem Fussweg umgehen, das macht er nur in den späten Nachtstunden.» Das scheue Tier meidet sowohl Spaziergänger wie Hunde. Besser sehe die Situation beim Kraftwerk Aue in Baden aus. Hier kann der Biber die Bootsrampe am linken Ufer benutzen. «Im Oberwasserkanal haben wir vor dem Wehrrechen extra einen Ausstieg angelegt», sagt Beck.

Der Limmattaler Biber (Mai 2014). N. Petit

Der Limmattaler Biber (Mai 2014). N. Petit

Wettinger Stauwehr ist biberfreundlich

Weiter Limmat aufwärts sei der Lebensraum auch nicht gerade biberfreundlich. «Das Tier liebt weiche Hölzer, also Weiden.» Weil die Ufer auf beiden Seiten jedoch sehr steil sind, wachsen dort eher Buchen. Und die Weiden im Bereich des Damsau-Wehrs wurden bibersicher mit Drahtgitter ummantelt. Da haben Biber, trotz starker Zähne keine Chance. Entlang der Limmatschlaufe beim Kloster Wettingen dürften ein bis zwei Tiere leben, nimmt Beck an.

Biberfreundlich ist das Wettinger Stauwehr. Trotz der rund 18 Höhenmeter stehen dem Biber sogar zwei Möglichkeiten offen, um diese zu überwinden: die steile Bootsrampe oder das Umgehungsgewässer am Neuenhofer Ufer. «Das ist ein idealer Weg», ergänzt Beck. Das Umgehungsgewässer, teilweise als Betonkanal, teilweise als natürlicher Bach angelegt, wurde im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks erstellt. Das Limmatkraftwerk Wettingen gehört dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ).

Im Bereich des Wettinger Stausees lebt wahrscheinlich ein Biber. Genaues kann Beck jedoch nicht sagen. «Im Winter 2012/2013 haben wir dort nur wenig Biberspuren entdeckt.» Im vergangenen Winter wurden keine Kontrollen durchgeführt. Aber Beck ist überzeugt: «Die Geroldswiler Auen wären ein idealer Lebensraum für eine Biberfamilie.» Das habe schon der erste Biber in jenem Gebiet bewiesen. «Er wanderte 1987 ein und lebte bis 2002 dort.» Er hatte das Schicksal, das seinem nun dort lebenden Nachfolger droht: Kein möglicher Partner findet den Weg dorthin.

Auch der Reuss hat Biberbestand zugenommen

Im Winter 2013 sind die Fachleute den Biberspuren in den aargauischen Gewässern sowie den Grenzgebieten nachgegangen. Aufgrund der Spuren wird von einem Bestand von 270 Tieren ausgegangen, wie es in der Zeitschrift «Umwelt Aargau» vom Mai dieses Jahres heisst. Die Zeitschrift wird vom Naturama heraus gegeben. «Gegenüber früheren Zählungen ist der Bestand damit etwa konstant», sagt Beck.

Insgesamt wurden 46 Familienreviere sowie 31 Einzel- oder Paarreviere festgestellt. Die Aufenthaltsorte der Biber haben jedoch zwischen 2008 und 2013 geändert. 2008 lebten die Biber hauptsächlich entlang der Aare. Davon müssen einige ins Wynen- oder Suhrental vorgedrungen sein. Auch der Bestand an der Reuss hat zugenommen, von Windisch bis Dietwil haben die Nager geeigneten Lebensraum gefunden. Eine Konzentration zeigt sich im Bereich Bremgarten und den Reussarmen bei Eggenwil und Künten.

Ob und wie sich die Biber in kleineren Seitengewässern halten können, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, heisst es im Naturama-Bericht. Kleinere Reviere, wie an der Uerke, der Bünz, dem Tägerbach (Wislikofen) oder im Etelweiher bei Schneisingen waren kurz nach Feststellen eines Bibers wieder verwaist. Dies deute darauf hin, dass in diesen Gebieten keine Familienbildung möglich sei. Einer der Gründe könnte das Fehlen von Winternahrung in der Form von Ufergehölz sein. Zudem sei die Gefahr von Verkehrsunfällen an Bächen grösser als an Flüssen, die über breitere Uferstreifen verfügen.

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