Grand Casino Baden

Bewegte Geschichte: Vom Kursaal zum House of Entertainment

Rund 7 Mio. Franken wurden in den Um- und Ausbau des Casinos gesteckt. Ende November 2012 wurde das neu gestaltete Stadtcasino wiedereröffnet.

Im Jahr 2006 sorgten das Plakat (links) und die Werbekampagne «Baden im Glück» für viel Gesprächsstoff.

Rund 7 Mio. Franken wurden in den Um- und Ausbau des Casinos gesteckt. Ende November 2012 wurde das neu gestaltete Stadtcasino wiedereröffnet.

Seit 140 Jahren wird in Baden gespielt – 2022 werden die Konzessionen neu vergeben, dann wird sich weisen, ob «les jeux» in Baden weitergehen.

Die Aufgabe sei ihm aufgebrummt worden, sagt der VR-Präsident der Stadtcasino Baden AG, Peter Blöchlinger halb scherzend. Die Rede ist von der Broschüre, welche die Geschichte «vom Kursaal zum Grand Casino Baden» aufzeigt. Herausgekommen ist ein 80-seitiges Werk, das selbst für so manchen Badener Überraschendes enthält. Vor allem eines bleibt nach der Lektüre: So selbstverständlich es heute ist, dass Baden ein Grandcasino beheimatet, so hing dessen Schicksal mehr als nur einmal an einem seidenen Faden.

Automatencasino brachte Wende

Die Geschichte des Kursaals nimmt in den Jahren 1873 bis 1875 ihren Lauf. Der Badener Architekt Robert Moser wurde mit dem Bau des repräsentativen Gebäudes auf der Wiese über dem Bädergebiet beauftragt. Von Anfang an wurden im Konzert- und Ballsaal auch Restauration und Spielgelegenheiten angeboten – hoch im Kurs stand damals das Billardspiel. Nachdem der Saal über die Jahre mehrere Veränderungen erfahren hatte, wurde er von 1986 bis 1988 von den Badener Architekten Werner Egli und Hans Rohr tiefgreifend umgestaltet und mit dem Foyer und zwei halbrunden Anbauten ergänzt.

Anfang 1989 wurden die neuen Räumlichkeiten des Kursaals eröffnet. Doch der Start war holprig; das Restaurant warf zu wenig ab, um das Defizit des Saalbetriebs zu kompensieren. Bald schon musste die Stadt Baden als Mehrheitsaktionärin zusammen mit dem Verwaltungsrat einen Sanierungsplan erarbeiten, den das Badener Stimmvolk im Oktober 1991 jedoch ablehnte – die Stadtcasino Baden AG war konkursreif.

Die Poskarte zeigt den ehemaligen Kursaal von Baden.

Die Poskarte zeigt den ehemaligen Kursaal von Baden.

Eine einzige Hoffnung bestand noch, dass der Regierungsrat den Badenern die Bewilligung zum Aufstellen von Spielautomaten erteilt, was 1995 auch tatsächlich geschah; rund 100 Spielautomaten wurden aufgestellt. Im April 1995 erfolgte die Eröffnung des Automatencasinos; die Stadtcasino Baden AG war gerettet. Das belegen die Zahlen eindrücklich: Betrugen die Verluste in den Jahren 1993 und 1994 noch 450 000 bzw. 350 000 Franken, resultierte 1995 bereits ein Gewinn von 2,2 Mio. Franken.

Nach der Jahrtausendwende dann der nächste Meilenstein: Im Herbst 2000 wurde beim Bund ein Gesuch für das Grand Jeu eingereicht. Ein Wettlauf mit Zürich begann, das ebenfalls eine sogenannte A-Konzession anstrebte. Die Verantwortlichen ergriffen die Flucht nach vorne und beschlossen für rund 30 Mio. Franken den Umbau des alten Kursaals. Die Strategie zahlte sich aus. Im Oktober 2001 teilte der Bundesrat mit, dass Baden die A-Konzession erhalte.

Am 4. Juli 2002 wurde das Grand Casino Baden eröffnet und sah sich lange ohne Konkurrenz. Denn die drei Mitstreiter aus Zürich hatten nur ein Gesuch für eine A-Konzession eingegeben. Da für den Grossraum Zürich und Aargau nur je eine A- und eine B-Konzession vorgesehen war, ging Zürich komplett leer aus. Das Ziel war es denn auch, das grösste und erfolgreichste Schweizer Casino zu werden. Dabei sahen sich die Verantwortlichen mit grossen Herausforderungen konfrontiert. So galt es, im ersten Halbjahr 2002 den Mitarbeiterbestand von 40 auf rund 200 Mitarbeiter zu erhöhen. Dies gelang, indem man in Deutschland – in der Schweiz kannte man den Berufsstand des Croupiers noch nicht – Roadshows durchführte und vor Ort geeignetes Personal rekrutierte.

Fortan zeigte die Entwicklung des Stadtcasinos Baden nur nach oben. Das höchste Bruttospielergebnis resultierte 2009 mit 111 Mio. Franken bei knapp einer halben Million Gäste.

Zürcher Konkurrenz schmerzt

Eine grosse Ernüchterung folgte im Jahr 2011. Bei der Vergabe der zusätzlichen A-Konzession in Zürich gingen die Badener mit ihrem – aus ihrer Sicht klar besseren – Projekt leer aus. Als Reaktion entwickelte der Verwaltungsrat die heute noch gültige Vorwärtsstrategie. Statt abzuwarten, investierte man rund sieben Mio. Franken in das House of Entertainment. Zwar ging der Umsatz 2013 in Baden nach der Eröffnung des Zürcher Casinos wie erwartet um rund 30 Prozent zurück, doch lag Baden mit einem Spielertrag von 68 Mio. Franken immer noch sieben Mio. Franken vor der Zürcher Konkurrenz. Bis Ende 2013 konnte das Ziel – das grösste Schweizer Casino zu betreiben – gehalten werden.

Heute ist die Stadtcasino Baden AG – die Stadt Baden ist mit 51 Prozent deren Mehrheitsaktionärin – an den Casinos in Davos und in Sachsen-Anhalt beteiligt. Generell strebt das Management Engagements im deutschsprachigen Ausland an. So hat man zusammen mit der Gauselmann-Gruppe in der ersten Runde die Konzession für den Betrieb eines Casinos in Wien erhalten. 2022 wird für das Grand Casino abermals wegweisend sein, wenn der Bundesrat die Konzessionen in der Schweiz neu vergeben wird.

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