Der Jazz hat schon viele Facetten – «Philm» jedoch hat eine weitere Nische geöffnet. Am Montag präsentierten die Musiker aus Berlin im Stadtbistro «Isebähnli» ihr Schaffen im Rahmen der wöchentlichen «Modern Jazz am Montag»-Konzerte des Vereins «Jazz in Baden». Das Quartett mit Philipp Gropper (Tenorsaxophon), Elias Stemeseder (Piano), Andreas Lang (Bass) und Oliver Steidle (Schlagzeug) experimentiert mit einer Art kammermusikalischem Free Jazz.

Doch diese Bezeichnung wird der Sache nicht gerecht. Denn bei allen Freiheiten, die sich die Musiker nehmen, halten sie sich doch an ein kompositorisches Gerüst, bringen Struktur, Disziplin und Organisation ins Spiel. Und überdies ist von dem impulsiven, zornigen Gebaren des Ur-Free Jazz in der Philm-Musik gar nichts enthalten.

Weitgehend erklang die Musik im «Isebähnli» im Kollektiv, nur selten und kurz wurde ein Musiker solistisch hervorgestellt. Naturgemäss stand Philipp Gropper als Saxophonist im Zentrum. Er spielte in erstaunlich gedämpfter, eigentlich leiser und emotional zurückhaltender Manier. Melodisch holte Gropper weit aus, fuhr durch alle Ton- und Klanglagen des Saxophons, dennoch hinterliessen seine Linien stets den Eindruck einer bewussten Bedächtigkeit.

Elias Stemeseder hatte das Piano mit elektronischen Geräten ergänzt, die er diskret einsetzte. Oft stützte er die Melodiefragmente des Saxophonisten durch Unisono-Linien, dann wiederum ergänzte er sie durch fugenartige Verschiebungen. Dies gab dem musikalischen Gesamtbild eine überraschende Zerbrechlichkeit, auf die sich jeweils auch Bass und Schlagzeug einstellten.

Denn bei Bassist Andreas Lang und Schlagzeuger Oliver Steidle war ansonsten Kompromisslosigkeit angesagt. Beide wirkten als Wirbelwinde, der Bassist in ständigem wühlenden Aufruhr flächenhafte Motive zupfend, der Schlagzeuger in mehreren Ebenen seine perkussiven Figuren bildend. Steidle spielte arhytmisch, er schlug kein erkennbares Metrum, doch gab er der Philm-Musik durch pulsierende Intensität mächtigen Schub.