Wahlen

Beide wollen Präsident am Bezirksgericht Baden werden - was unterscheidet sie?

Kandidaten um den Gerichtspräsidenten-Sitz: Christian Fischbacher (SP) und Christian Bolleter (EVP)

Kandidaten um den Gerichtspräsidenten-Sitz: Christian Fischbacher (SP) und Christian Bolleter (EVP)

Der Gerichtspräsidenten-Sitz am Bezirksgericht ist umkämpft wie selten zuvor. Was unterscheidet die beiden Kandidaten Christian Bolleter (EVP) und Christian Fischbacher (SP)?

Beide heissen Christian, beide sind erfahrene Juristen, leben in der Region und beide haben ein Ziel: Sie wollen Präsident am Bezirksgericht Baden werden. Der 41-jährige Christian Bolleter (EVP) aus Ennetbaden und der 39-jährige Christian Fischbacher (SP) aus Baden müssen sich am 19. Mai zum zweiten Mal dem Stimmvolk stellen, da beim ersten Wahlgang am 10. Februar keiner das absolute Mehr erreicht hatte. Seit Wochen werben ihre Konterfeis von Strassenlaternen und fliegen Flyer in die Briefkästen. Doch wie ticken die beiden Kandidaten? Um dies herauszufinden, stellten sich beiden Kandidaten ihrer potenziellen Wählerschaft zum ersten Mal überhaupt an einem öffentlichen Hearing.

Moderator und FDP-Bezirkspartei-Präsident Norbert Stichert empfing im Badener Amtshimmel die Kandidaten und Besucher. Beide Christians präsentierten sich in «Arbeitskluft» – sprich Anzug und Krawatte; bei beiden schlug sich während der Befragung eine gewisse Nervosität in extensivem Kneten der Hände nieder.

Parteibüchlein entscheidet nicht

Sticher stellte zunächst jedem einzeln – unter Ausschluss des anderen – dieselben Fragen. Bei jenen zur Person kam kaum etwas heraus, was nicht bereits schwarz auf weiss auf in der Zeitung oder auf Flyern zu lesen war. Neu, weil brandaktuell, war aber etwa zu erfahren, dass Bolleter wegen des um 11.30 Uhr beginnenden Hearings, «zwei meiner drei Töchter nicht vom Hort abholen und nicht mit der Familie Mittagessen» konnte und Fischbacher «den Fussballmatch Baden gegen Muri der einen Tochter» verpasste.

Die Antworten auf Fragen nach den Erfahrungen und den Erwartungen an das Amt des Gerichtspräsidenten glichen sich fast wie einem Ei dem anderen. Akribisch breitete jeder seine juristische Palmarès aus. Da der Gewählte die Nachfolge von SP-Mitglied Bruno Meyer antreten wird, liess die Frage des Moderators, wie entscheidend die Parteizugehörigkeit einerseits für das Amt eines Gerichtspräsidenten und andererseits für die persönlichen Wertvorstellungen, Einstellungen, Meinung der Kandidaten sei, aufhorchen.

«Im Arbeitsalltag ist die Parteizugehörigkeit nicht entscheidend, aber gegenüber der Gesellschaft ist es wichtig, dass im Gremium ein breites Spektrum an politische Meinungen vertreten ist», so Fischbacher. «Als Richter stütze ich mich aufs Gesetz und nicht auf das Parteiprogramm. Doch in der Parteizugehörigkeit manifestieren sich meine Einstellung und persönliche Ansichten», so Bolleter.

Für «Gerechtigkeit und Gleichbehandlung» steht der SP-Kandidat; für «Fairness und Glaubwürdigkeit» sein EVP-Kontrahent, der sich im Amt besonders für Verständlichkeit einsetzen will. «Ich will Täter und Opfer so behandeln, dass sie am Schluss das Urteil akzeptieren.» Fischbacher seinerseits will sich für mehr Effizienz starkmachen. «Es kann nicht sein, dass an einer Verhandlung drei Viertel der Anklagepunkte bereits verjährt sind.»

Hardliner oder Kuscheljustiz?

Das Publikum hatte nur wenige Fragen an die Kandidaten. Warum Fischbacher eine Führungs-Weiterbildung absolviert hat? «Ein Gerichtspräsidium bedeutet auch sehr viel organisieren und koordinieren. Zentral ist auch die Verhandlungsführung.» Was hat Bolleter voraus? «Erfahrung am Bezirksgericht Baden.» Wie es mit einer U-Haft abläuft? «Nach einer Verhaftung müssen Staatsanwalt und schliesslich ein Richter spätestens nach 96 Minuten über eine Weiterführung entscheiden. Dafür haben wir Richter auch Pikettdienst.»

Wie verarbeitet ein Richter die direkte Konfrontation mit schlimmen Verbrechen? «Sobald, daheim angekommen, unsere Kinder uns umarmen und uns Löcher in den Bauch fragen, sind wir ganz privat.» Hardliner oder Kuscheljustiz? Bolleter: «Wir urteilen nicht nach persönlichem Gusto, aber ich werde mich in der Mitte zwischen beiden Extremen positionieren.» Fischbacher: «Die SP verkörpert sehr stark Unvoreingenommenheit. Entsprechend werde ich bei der Urteilsfindung die Strafzumessungs-Regeln interpretieren.»

Gegen 12.45 Uhr war Zeit für ein Glas Weissen, Apéro-Gebäck und – beim einen und der anderen Zuhörerin – für ein persönliches Fazit. Ja, und wie fällt dieses nun aus? So sehr sich beide Kandidaten in ihren Fähigkeiten und Zielen ähneln, so unterschiedlich sind sie doch in ihrer Ausstrahlung. Bolleter mit goldenem Ehering, glattrasiert, bedächtig und dosiert redend, wirkt jugendlich, aber zugleich etwas «old fashioned». Fischbacher mit breitem Silberring am linken Daumen und Bart spricht schnell, manchmal fast ein bisschen zu hektisch und wirkt grossstädtisch. Die Wahl am 19. Mai ist offen.

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