Baden

Behördenirrsinn? Frau will mit Schneemann auf Klimawandel hinweisen – das kostet sie 155 Franken

Für den Schneemann erhielt Neumann eine Rechnung: Behandlungsgebühr 100 Franken, Benützungsgebühren 55 Franken. (Symbolbild)

Für den Schneemann erhielt Neumann eine Rechnung: Behandlungsgebühr 100 Franken, Benützungsgebühren 55 Franken. (Symbolbild)

Alexandra Neumann macht heute mit einem Schneemann auf den Klimawandel aufmerksam. Die Stadt Baden verlangt eine Bewilligung.

Heute Mittwoch um 15 Uhr wird Alexandra Neumann in der Badstrasse beim Schlossbergplatz einen Schneemann bauen. «Ganz legal», sagt sie, und schüttelt den Kopf: «Es ist tatsächlich so, dass der Bau eines Schneemanns in Baden auf städtischem Grund bewilligungspflichtig sein kann, und wie in meinem Fall nicht weniger als 155 Franken kostet. Absurd!»

Neumann will auf den Klimawandel aufmerksam machen. Sie beteiligt sich an der Bewegung #My Future Action, zu der auf Twitter, Facebook und Instagram aufgerufen wird. Die Idee: Schneemänner bauen, ihnen ein Schild mit einer klimapolitischen Forderung anstecken und davon Parlamentariern aus Bern ein Foto schicken. Zum Start der Frühlingssession soll den Politikern vor Augen geführt werden, dass es in Zukunft wegen der Klimaerwärmung voraussichtlich immer weniger Schneemänner geben werde.

Neumann wird Schnee aus dem Sportzentrum Tägerhard – er entsteht bei der Reinigung der Eisfläche – mit Cargo-Bikes nach Baden transportieren. «Eigentlich ging ich davon aus, dass niemand etwas gegen den Bau eines Schneemanns einzuwenden hat. Aber weil ich eine politische Message verbreiten will, ging ich auf Nummer sicher und rief bei der Stadt an», so Neumann. Dort teilte man der Wettingerin mit, sie habe einen Antrag zu stellen und ein Formular auszufüllen; Grundlage sei die Gebührenverordnung zur Nutzung des öffentlichen Grundes. Neumann füllte das Gesuchsformular pflichtbewusst aus. Zweck des Anlasses: «Klimaerwärmung illustrieren». Aktivitäten: «Schneemann bauen». Veranstaltungsdauer: «Fünf Stunden». Unter Bemerkungen schrieb sie: «Schneemann schmilzt rasch von selber. Warme Witterung erwartet».

Auflage: «Schnee muss entsorgt werden»

Am 21. Februar traf die Antwort der Stadt ein. Die Gewerbepolizei erteilte die Bewilligung für die «Aktion mit Schneemann» – allerdings nur unter vier Auflagen. Erstens: «Der Schnee muss nach Ende der Veranstaltung entsorgt werden und darf nicht dort liegen bleiben». Zweitens: «Anwohner, Passanten sowie der Verkehr dürfen nicht behindert werden. Die Durchfahrt für die Rettungswagen ist jederzeit zu gewährleisten.» Drittens: «Die Eingänge zu den Geschäften sind offen zu halten.» Und viertens: «Für Unfälle und Schäden, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung entstehen, haftet der Veranstalter.» Auch eine Rechnung war der Bewilligung beigelegt: Behandlungsgebühr 100 Franken, Benützungsgebühren 55 Franken.

«Ich gehe davon aus, dass die Polizei sich gezwungen sieht, diese Situation so absurd zu handhaben», sagt die 29-Jährige. «Aber wenn diese gewöhnliche Freizeitaktivität bewilligungs- und massiv kostenpflichtig ist, sollte die Öffentlichkeit davon wissen», erklärt sie ihren Gang an die Medien. Sie werde bei der Stadt ersuchen, dass diese ihr Reglement überarbeitet oder der Polizei erlaubt, mit gesundem Menschenverstand Ausnahmen zu machen. Schon in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass Baden mit seinem Reglement aus der Reihe tanze: Für den Flashmob im November 2019 war in Aarau keine Bewilligung notwendig, in Baden hingegen wären 150 Franken verlangt worden.

Muss der Schnee auch weg, wenn es schneit?

Hansueli Bäbler, Stabschef bei der Stadtpolizei, sagt zur Schneemann-Aktion: «Wir haben den Antrag sachlich geprüft.» Grundlage sei das Reglement über die Nutzung des öffentlichen Grunds zu Sonderzwecken. «Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht und im Reglement nach einem Passus Ausschau gehalten, um eine Ausnahme machen zu können. Es blieb uns aber keine andere Möglichkeit, diesen Fall so zu behandeln, als würde jemand einen Stand oder ein Zelt zu Sonderzwecken auf öffentlichen Grund stellen.»

Heute soll es Temperaturen über dem Gefrierpunkt geben. Was, wenn es wider Erwarten schneien sollte und jemand einen Schneemann mit Schild aufbauen würde – wäre dies erlaubt? «Gute Frage, die wir nicht diskutiert haben», sagt Bäbler.

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