Baden

Baustopp-Forderung wegen Sensationsfunden ist vom Tisch – das sind die Reaktionen

Die Arbeiten auf der Freibad-Baustelle können weitergehen.

Die Arbeiten auf der Freibad-Baustelle können weitergehen.

Die Bauarbeiten auf dem Kurplatz im Badener Bäderquartier dürfen weitergehen. Das Bundesamt für Kultur lehnt die Forderung des Schweizer Heimatschutzes ab, der einen superprovisorischen Abbruch der Bauarbeiten gefordert hatte.

Tut die Stadt Baden genug, um die historischen Schätze im Erdreich unterhalb des Kurplatzes zu schützen? Über diese Frage scheiden sich die Geister. Der Vorwurf, dass Baden und die Kantonsarchäologie eben zu wenig tun, liegt in der Bäderstadt seit Monaten in der Luft. Mit jedem neuen Sensationsfund aus der Römerzeit liess die Diskussion wieder aufflammen.

Auf dem Kurplatz lässt die Stadt Thermalwasser- und Werkleitungen erneuern, teilweise mit neuer Leitungsführung. Dabei wird unweigerlich historisches Kulturgut zerstört. Zuletzt hat das Ausgrabungsteam das historischen Freibads freigelegt, das auf die Römerzeit zurückgeht.

Vor fast zwei Wochen preschte der Schweizer Heimatschutz vor mit der Forderung, dass das Bundesamt für Kultur superprovisorisch einen Baustopp anordnen sollen – per sofort. Jede Beeinträchtigung der «archäologischen Entdeckungen von europäischem Rang» sei zu verbieten. Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege müsse mit einem Gutachten über die Bedeutung der in Baden neu entdeckten archäologischen Funde beauftragt werden. «Nur der Bund kann hier noch rettend eingreifen», sagte Heimatschutz-Präsident Martin Killias im Interview mit dieser Zeitung.

"Grösstmögliche Schonung Rechnung getragen"

Nun liegt der Entscheid des Bundesamts für Kultur vor. Es lehnt den Baustopp ab. "Der grösstmöglichen Schonung des Denkmals wurde Rechnung getragen, in dem das Baugesuch nur unter strengen Auflagen bewilligt wurde, welche insbesondere die enge Begleitung durch die Kantonsarchäologie verlangen", heisst es in seiner Antwort. 

Die Analyse der Projektunterlagen lasse auch bezüglich der wichtigen archäologischen Funde, die während der Arbeiten zum Vorschein kamen, keine Mängel erkennen. "Funde und Befunde werden fachgerecht gesichert bzw. geborgen und wissenschaftlich untersucht. Die Dokumentation nach wissenschaftlichen archäologischen Standards wird ergänzt durch zusätzliche fotografische Dokumentationen durch die Stadt Baden."

Badens Stadtammann Markus Schneider ist erleichtert. Er sagt:

Er habe nichts dagegen gehabt, dass der Bund diese Prüfung vornehme.  "Die Vorwürfe, dass wir nicht richtig mit unserem kulturellen Erbe umgehen, lagen ja latent in der Luft", sagt er.  

Schneider betont zudem die Wichtigkeit des Bädererbes für Baden: "Der Schutz des Kulturgutes ist der Stadt ein sehr grosses Anliegen, so wie auch das Thermalwasser von höchster Bedeutung für die Stadt ist." 

Kantonsarchäologe Thomas Doppler reagiert ähnlich und sagt: 

Dieser sei eine externe Bestätigung. «Wir haben nicht a priori einfach alles freigelegt auf dem Kurplatz. Wir sind korrekt vorgegangen. Wir haben fortlaufend und sorgfältig abgeklärt, wo Anpassungen bei den Leitungsarbeiten möglich sind, und wie wir mit freigelegten Funden umgehen werden.»

Die Kantonsarchäologie habe von Anfang an darauf geachtet, die archäologische Substanz bestmöglich zu schonen und zu erhalten. «Deswegen war ich völlig überrascht über die Forderung des Heimatschutzes nach einem Baustopp.»

Historisches Freitbad teilweise freigelegt: Die aktuelle Situation auf dem Badener Kurplatz

Historisches Freitbad teilweise freigelegt: Die aktuelle Situation auf dem Badener Kurplatz

Ein Augenschein vor Ort im Badener Bäderquartier am 5.11.2020

Nicht zufrieden mit dem Entscheid ist dagegen Martin Killias, Präsident des Heimatschutzes. Er sagt: 

Wichtig wäre in seinen Augen gewesen, dass die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege zwei Aspekte beleuchtet hätte: Wie in Baden mit den Grabungen umgegangen werde und was mit den Funden passiere. "Wir hätten eine zweite unabhängige Beurteilung für wichtiggehalten." An der Kompetenz der Fachleute der Kantonsarchäologie zweifle er nicht. "Aber sie sind in Hierarchien gefangen und deshalb nicht unabhängig."

Er hoffe trotzdem, dass die Intervention etwas bewegt habe und dass die Untersuchungen umfassender gemacht werden können. So, dass die Überreste im Erdboden bestmöglich erhalten bleiben. 

Theoretisch könnte der Heimatschutz den Entscheid anfechten. "Ich denke aber nicht, dass wir das tun werden", sagt Killias. "Es geht hier um eine politische, nicht um eine juristische Auseinandersetzung." 

Der Kurplatz mit den dort liegenden Thermalquellen stellt das Herzstück der Badener Bäder dar. Hier befand sich im römischen Baden, das Acquae Helveticae hiess, eine römische Tempelanlage. Fast 2000 Jahre lang wurden die von den Römern erbauten Thermalbäder, das Verenabad und das Freibad, genutzt. Diese Ära endete erst im 19. Jahrhundert.

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