So leicht kann ihn nichts mehr erschüttern: Benno Zehnder hat im Laufe der Entwicklung seines Bäderprojektes schon viele Hürden nehmen müssen. So bringt ihn auch die von der IG schöner baden eingereichte Petition gegen das Botta-Projekt nicht aus der Fassung – und auch nicht heikle Interview-Fragen.

Herr Zehnder, wie läuft es Ihnen im Bäderquartier?

Benno Zehnder: Ich habe mich gefreut, dass die BNO-Revision vom Einwohnerrat angenommen wurde, und erst noch mit 40 Ja-Stimmen bei 7 Enthaltungen.

Woran haben Sie weniger Freude?

DDass es offenbar Probleme mit dem Baufeld 3 geben kann, soweit ich informiert bin will der Heimatschutz intervenieren. Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Jetzt wird das Projekt im Rahmen einer Anfrage geprüft. Verzögerungen sind somit nicht auszuschliessen.

Dafür geht es beim Bad vorwärts.

Beim Bad und Wohnen sind wir soweit, dass das Baugesuch im Sommer oder spätestens im Herbst eingereicht werden kann. Es wäre aber baulogistisch besser, wenn man das Baufeld 3 (Verenahof-Geviert) zuerst realisieren könnte.

Überrascht Sie der Gegenwind?

Wir hatten Archäologie und Denkmalschutz, den Kanton und die Stadt von Beginn weg ins Boot genommen. Auch den Heimatschutz hatten wir in den Bädern begrüsst und die Pläne erläutert; es schien alles klar zu sein. Mit dem Denkmalschutz einigten wir uns: Abbruch des Bären, Ochsen bis 1. Stock stehen lassen, beim «Verenahof» die Lichthöfe erhalten und den Saal. Unter diesen Prämissen wurde geplant. Diese Vorgaben galten nach meiner Information bereits bei einem Projekt aus dem Jahre 2000.

. . . nun aber mit Mario Botta?

Burkard Meyer erarbeitete mehrere Varianten, doch die Denkmalpflege signalisierte ihr Veto. Erst in der jüngsten Phase liessen wir Mario Botta ein Projekt ausarbeiten, das als realisierungsfähig beurteilt worden ist. Der Turm wird zwar zu reden geben.

Das ist für Sie wohl frustrierend.

Im Projektierungsverlauf gab es noch grössere Frustrationen. Konstruktive Kritik und Vorschläge sind gut. Es ist allerdings immer schwierig in der Diskussion, wenn gewisse Kreise das Projekt oder die Projekte einfach «schlecht» finden. Mit solchen Begründungen kann ich nichts anfangen und solche Dinge ärgern mich. Ich empfinde es zudem destruktiv, wenn man immer wieder zurück gepfiffen wird, wie beim Leiterlispiel. Konkret beim Baufeld 3, wo ich kaum Probleme erwartet hätte, weil ja das Volumen in etwa gleich bleibt und alle Behörden involviert waren..

Hätte man Ihnen die Widerstände vorausgesagt, wären Sie trotzdem bei der Verenahof AG eingestiegen?

Eine hypothetische Frage. Ich konnte das aufwändige Verfahren und den Detaillierungsgrad nicht erahnen.

Rundgang durchs Badener Bäderquartier

Dachten Sie schon ans Aussteigen?

Nein, sicher nicht. Doch der Frustpegel war manchmal sehr hoch.

Sprechen wir von Ihren Finanzen.

Das Geld lassen Sie ruhig meine Sache sein. Ich glaube nicht, dass Ihnen ein privater Unternehmer die Steuerbücher offenlegen würde.

Man will wissen, ob die Verenahof AG das Vorhaben umsetzen kann.

Grundsätzlich lege ich meine Zahlen bzw. diejenigen der Gesellschaft nicht offen. Soviel: Ich als Aktionär zusammen mit der Bank haben bis zum heutigen Zeitpunkt viel Geld in die Planung investiert. Der Teil für das Hotel/Rehalklinik wurde grösstenteils durch die Stiftung Bad Zurzach/Baden finanziert. Ich habe nach wie vor das Vertrauen der Banken.

Was haben Sie bis jetzt investiert?

Nebst den Kosten für das Bad dürften bis zwischen 3 und 5 Mio. Franken an Planungskosten aufgelaufen sein. Für ihren Teil hat die Stiftung Bad Zurzach bereits viel beigesteuert. Wer Details über Zahlen wissen will, kann sich bei mir melden. Es gibt nichts Dubioses, weder wasche ich Geld noch verkaufe ich Waffen.

Rund 250 Millionen Franken an Investitionen stehen an. Welcher Investor soll dies stemmen?

Ich bin in der komfortablen Lage, dass ich drei beziehungsweise vier Varianten zur Auswahl habe. Auch eine Investorengruppe aus Singapur, die sehr rasch und zu einem lukrativen Preis eingestiegen wäre. Ich werde immer wieder aus dem Ausland angefragt. Doch für mich kommt nur ein Schweizer Investor infrage.

Wen haben Sie an der Angel?

Die letzten Verhandlungen laufen. Die Annahme der BNO-Revision war ein Meilenstein. Niemand würde ohne Bewilligungen einsteigen. Das Risiko liegt immer noch bei mir.

Also ein Schweizer Investor. Können Sie Näheres verraten?

Mit zwei Investoren bin ich in engem Kontakt. In den nächsten zwei Monaten werde ich mich entscheiden. Beides sind grundsolide Unternehmen.

Es gibt Leute, die von einem zu hohen finanziellen Risiko sprechen.

Wenn jemand Bedenken hat, dieses Projekt könnte nicht finanziert werden, dann liegt er komplett falsch. Ich komme aus dem Finanzgeschäft und kenne mich darin aus.

Man will wissen, ob Herr Zehnder das in den Bädern zustande bringt, was andern bislang misslungen ist.

Glauben Sie, ich könnte so naiv sein, und mich Jahre lang mit 80 Prozent meiner Arbeitszeit für dieses Vorhaben engagieren, mit dem Risiko, dass am Schluss das Ganze sich als Luftballon erweist? Ich kenne die Risiken, und sie sind kalkulierbar.

Es dauert aber ziemlich lange.

Der Grund der Verzögerungen liegt aber nicht bei mir, sondern in der Gesetzgebung.

Für Sie wirft das Projekt einiges ab.

Aus wirtschaftlicher Sicht hätte ich besser zwei, drei einfache Projekte realisiert.

Das wäre aber mit weniger Prestige verbunden.

Mir geht es nicht um Prestige. Sie müssen auch kein Interview mit mir bringen.

Man wird das Projekt später mit Ihrem Namen verbinden.

Zwei Jahre danach wird das kein Mensch mehr interessieren. Ich habe mich hier einer Sache angenommen, habe viel Freude daran und möchte es so durchziehen. Wenn das Vorhaben an den Investor übergeht, ist es für mich erledigt.

Hat die Stadt Ihnen eigentlich den roten Teppich ausgelegt?

Ich fühlte mich eher wie auf dem Nagelbrett. Für das Haus am Park musste ich elf Projekte ausarbeiten lassen. Der Umbau der Bären Dépendance wurde um anderthalb Jahre verzögert. Wir hatten einige Sträusse auszufechten. Dennoch spüre ich, dass die Stadt hinter dem Projekt steht.

Jetzt wurde gegen das Botta-Projekt sogar eine Petition eingereicht.

Klar gibt es welche, denen das Projekt nicht gefällt, das ist völlig normal. Es gibt aber noch mehr positive Stimmen, die begrüssen, dass im Bäderquartier endlich etwas passiert.

Das Bad ist immer noch offen. Was kostet Sie der Betrieb?

Man kann von Verlusten 500000 bis 700000 Franken jährlich sprechen.

Halten Sie das Bad als Commitment gegenüber der Bevölkerung offen?

Einesteils Ja. Wir haben Gäste, die regelmässig baden kommen. Andernteils wüsste kaum jemand mehr, dass es in Baden Thermalwasser gäbe, wenn wir das Bad vor sechs Jahren geschlossen hätten. Das eingesetzte Geld ist eine Art Vorinvestition im Hinblick auf die Wiedereröffnung.

Man könnte es auch schliessen?

Betriebswirtschaftlich wäre es tatsächlich am Vernünftigsten gewesen, ich hätte das Bad am ersten Tag schliessen lassen. Und es wird immer schwieriger, den Badebetrieb aufrechtzuerhalten.