Abfallentsorgung

Badenfahrt: Am Morgen sind die Spuren der Party verschwunden

Dank Mehrweg-Bechern soll weniger Abfall anfallen – trotzdem wartet viel Arbeit auf Werkhofmitarbeiter.

In der Regel verrichten die rund 40 Werkhof-Mitarbeiter ihre Arbeit eher im Hintergrund. Abfall entsorgen, Strassen reinigen, Schilder montieren, für Beflaggung sorgen und vieles mehr. Doch an der Badenfahrt werden sie zu den heimlichen Stars, wenn sie jeweils morgens um 5 Uhr ausrücken, um in der Stadt die Spuren des Fests zu beseitigen beziehungsweise dafür zu sorgen, dass die Festbesucher am Nachmittag wieder ein sauberes Festgebiet vorfinden.

«Ein solcher Grossanlass stellt für uns alle eine grosse Herausforderung aber auch Motivation dar – und das trotz offiziellem Ferienstopp», sagt Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann mit einem Lachen.

Insgesamt sind rund 5000 Mann-Stunden budgetiert für die Badenfahrt. «Es wird weiteres Personal temporär angestellt. Und bei den Morgenschichten erhalten wir zusätzlich Unterstützung von Stadt- und Einwohnerräten», sagt Stirnemann.

Baden ist bald voll in Fahrt

Baden ist bald voll in Fahrt

Zehn Tage lang soll die langersehnte Badenfahrt dauern. Rund 1 Million Besucher freuen sich auf das grosse Volksfest in Baden.

Kein Depot für Ess-Geschirr

Verglichen mit dem Stadtfest vor fünf Jahren wird der Aufwand dieses Jahr noch etwas grösser ausfallen, weil das Festgebiet mit Aue, Kurpark, Kanti und Hochbrücke grösser ist. Entsprechend imposant sind auch die Infrastruktur-Zahlen: 16 WC-Wagen, 22 WC-Kabinen, 26 Pissoirsäulen, 1,5 Kilometer Lichter-Girlande und 310 Festbank-Garnituren stehen bereit.
Unverändert gegenüber dem Stadtfest ist die Tatsache, dass Beizen Getränke nur in Mehrwegbechern, PET- oder Alu-Gebinde über die Gasse verkaufen dürfen.

«Vorbei sind die Zeiten, als wir unsere Arbeit immer wieder unterbrechen mussten, weil Glasscherben die Pneus unserer Fahrzeuge aufschlitzten», sagt Stirnemann. Das Depotsystem habe sich absolut bewährt. «Beim Stadtfest waren die Becher insgesamt 600 000 mal im Umlauf. Diese Becher wären sonst mehrheitlich auf der Strasse gelandet», so Stirnemann.

Dass das Depot-System nicht auch auf Geschirr ausgeweitet wird, hängt damit zusammen, dass dies das System überfordern würde beziehungsweise der Nutzen zu gering wäre. «Aus den gleichen Überlegungen haben wir auch darauf verzichtet, bei PET- und Alu-Gebinde ein Depot-System mit Jetons einzuführen», sagt Werkhofleiter Thomas Stirnemann.

12 000 Festbecher im Umlauf

Für einen Mehrwegbecher (es gibt verschiedene Grössen) muss ein Depot von 2 Franken bezahlt werden. Bei Rückgabe erhält man wieder 2 Franken. Für kaputte Becher wird keine Rückerstattung bezahlt. «Wir reden hier nicht von zerkratzten Bechern», präzisiert Lorenz Meier, Geschäftsführer der Firma Cupsystems. Die Becher seien vielmehr extrem robust und würden einiges aushalten. An vier Standorten können Festbeizbetreiber die gebrauchten Becher abgeben und gegen neue Becher eintauschen.

«Es sind total 120 Bestellungen für 650 000 Becher eingegangen.» Meier ist überzeugt, dass sich das Depot-System am Fest – nicht nur wegen der geringeren Menge Abfall – bewähren wird. «Viele Festbesucher kennen das Depot bereits von anderen Veranstaltungen und begrüssen die bewährte Mehrweglösung.» Einige Becher werden wohl nie mehr zurückgegeben. Grund: Die Badenfahrt bringt 12 000 Badenfahrt-Festbecher in Umlauf, die so mancher Souvenirjäger behalten wird.

Damit die Festbesucher PET und Alu getrennt entsorgen, werden an 90 Standorten Entsorgungssammelstellen mit je einem Behälter für Alu, PET und Restmüll geben. Zudem werden 90 grosse, sogenannte Big-Bags mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern übers ganze Festgebiet verteilt.

Die Beizen wiederum sind angehalten, PET, Alu und Restmüll separat zu trennen und die Säcke jeweils vor der Beiz bereit zu stellen, damit diese am frühen Morgen entsorgt werden können. Thomas Stirnemann appelliert an alle Festbesucher, die jeweiligen Behälter richtig zu benutzen.

«Es kommt leider immer wieder vor, dass zum Beispiel ein PET-Sack voll mit Essensresten ist, sodass wir den Sack zusammen mit dem Restmüll entsorgen müssen.» Ganz sicher treffe es nicht zu – wie vor fünf Jahren am Stadtfest offenbar beobachtet wurde –, dass PET- und Alu-Säcke am Morgen im gleichen Müllwagen gelandet seien, betont Stirnemann. Am Stadtfest seien übrigens 790 Kilogramm Alu (was rund 50 000 Dosen entspricht) und drei Tonnen PET (120 000 Flaschen) gesammelt worden.

«Alt-Öl bitte richtig entsorgen»

Neu sind Beizen, die einen Grill oder eine Fritteuse betreiben, verpflichtet, diese Geräte auf eine Öl-Auffangwanne zu stellen. «Beim Stadtfest haben gewissen Abschnitte auf Strassen und Plätzen wegen herabtropfendem Öl und Fett zum Teil Schaden genommen», sagt Stirnemann.

Auch seien da und dort Speiseöle in den Gully geleert worden. «Das zieht jeweils aufwendige Putzaktionen nach sich.» Stirnemann bittet deshalb alle Beizenbetreiber, Speiseöle fachgerecht zu entsorgen. «Grundsätzlich erleben wir an einer Badenfahrt aber eher weniger Verunreinigungen oder gar Vandalismus, was ich auf die hohe soziale Kontrolle an diesem Fest zurückführe», so Thomas Stirnemann.

Nach dem Festende am Sonntagabend muss der Werkhof dann nochmals einen speziellen Effort leisten; dann beginnt nämlich der grosse Abbau der Festbeizen und alles was demontiert wurde, muss wieder montiert werden. In Grossmulden kann alles entsorgt werden, was nicht weiterverwertet wird. Beim Stadtfest sind alleine beim Abbau 90 Tonnen Abfall angefallen. Vielleicht wird es dieses Jahr dank der Bauteilbörse weniger.

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