Mombasa

Badenerin gibt Kindern aus dem Slum eine Perspektive

260 Kinder besuchen die Schule von Nadja Kaufmann in Mombasa

260 Kinder besuchen die Schule von Nadja Kaufmann in Mombasa

Vor zwei Jahren hat die Badenerin Nadja Kaufmann gemeinsam mit ihrem kenianischen Freund Mark Kelian Tipatet in Mombasa eine Schule eröffnet. Mit Erfolg: Heute besuchen bereits 260 Kinder die Schule.

Begonnen hat alles im Januar 2013: Die Badenerin Nadja Kaufmann, Präsidentin des Vereins «Forever Kids Kenia», hat zusammen mit ihrem kenianischen Freund Mark Kelian Tipatet in Mombasa eine Schule eröffnet.

Im «Precious Vision Care Centre» gingen damals 130 Kinder zur Schule. Der Start war nicht einfach: Es fehlten Klassenzimmer, Schulbücher und Pulte für die vielen Schüler.

«Viele Kinder mussten am Boden sitzen oder sich zu viert an die wenigen vorhandenen Pulte quetschen. In einem Zimmer wurden zwei Klassen unterrichtet», sagt Kaufmann. Dank Spendengeldern konnten Bücher gekauft, Schulzimmer gebaut und neues Personal eingestellt werden. Ein Schreiner vor Ort hat neue Tische gezimmert.

Seit September 2014 heisst die Schule «Milele Education Centre». «Mit dem neuen Namen möchten wir die Ausbildung in den Vordergrund rücken», sagt Kaufmann. Das Wort «Milele» bedeutet in der kenianischen Amtssprache Kiswahili «für immer».

Besuch in der Schweiz: Nadja Kaufmann und Mark Kelian Tipalet.

Besuch in der Schweiz: Nadja Kaufmann und Mark Kelian Tipalet.

Es zeige den Willen des Vereins, die Ausbildung von Kindern aus dem Slum langfristig zu fördern. «Mit der Ausbildung geben wir den Kindern eine Perspektive und vermitteln ihnen Werte, die in einer Gesellschaft wichtig sind», sagt Schulleiter Mark Kelian Tipatet. Momentan gehen etwa 260 Mädchen und Jungen im «Milele Education Centre» zur Schule. Sie sind zwischen zwei und 15 Jahre alt.

Armut, Hunger, Drogen und Kriminalität bestimmen das Leben der Menschen im Slum. Sie wohnen in Blechhütten ohne Elektrizität, der unbefestigte Boden ist nach Regenfällen matschig-feucht. Viele Kinder kommen deshalb auch am Wochenende auf das Schulareal oder bleiben nach dem Unterricht länger. Die Schule ist ihr Rückzugsort und Treffpunkt. Hier können sie unbeschwert spielen. Aber nicht nur: «Seit wir Strom haben, lernen sie auch abends noch, wenn es draussen bereits dunkel wird», sagt Mark Kelian Tipatet.

Die Eltern bezahlen einen kleinen Beitrag für die Ausbildung ihrer Kinder. Etwa 50 Kinder dürfen gratis zur Schule. Sie sind Waisen oder kommen aus sehr armen Verhältnissen. Dieses System klappe sehr gut, man helfe sich sozusagen gegenseitig.

«In Kenia ist es wichtig, dass die Menschen auch etwas geben, wenn sie etwas bekommen. Sonst verfallen sie in Bequemlichkeit und ziehen sich langsam aus der Verantwortung zurück, die sie für ihre Kinder haben», sagt der Schulleiter.

Der Verein «Forever Kids Kenia» finanziert mit den Spendengeldern alle Fixkosten, also die Miete und die Löhne für die 16 Angestellten in Kenia. Pro Monat sind das umgerechnet rund 2000 Franken.

A big THANK YOU goes to the Secondary Classes in Niederweningen, Switzerland, who have put a lot of efforts in...

Posted by Milele Education Centre on Dienstag, 23. Juni 2015

Kenia, Mombasa School

Mit den Beiträgen der Eltern wird Essen gekauft. Jeden Tag gibt es Mittagessen und zweimal pro Woche Frühstück. «Wir sind eine der wenigen Schulen, die das anbietet», sagt Kaufmann. «Es ist uns ein Anliegen, denn viele Kinder bekommen zu Hause nur eine Mahlzeit pro Tag und sind deshalb unterernährt und haben Mangelerscheinungen.»

Zusätzliche Einnahmen investiert der Verein in unterschiedliche Projekte: neue Matratzen für die Kleinsten, Schulmaterial, Infrastruktur oder zum ersten Mal auch in eine Schulreise: eine Fahrt mit dem Car zum Flughafen Mombasa.

«Die Freude war riesig. Viele Kinder sind noch nie aus ihrer gewohnten Umgebung gekommen», sagt Kaufmann. Der absolute Höhepunkt sei die Rolltreppe gewesen. Noch nie hätten die Kinder so etwas gesehen und sich nicht getraut, die «Treppenmaschine», wie sie die Rolltreppe nannten, zu betreten.

Nach sieben Wochen Ferien in der Schweiz sind Nadja Kaufmann und Mark Kelian Tipatet am Samstag zurück nach Mombasa geflogen. An Plänen und Ideen für die Zukunft mangelt es nicht.

Sie würden gerne Dorfbewohner und Eltern in die Ausbildung mit einbeziehen, zum Beispiel mit Abend-Computerlek-tionen oder möglicherweise sogar eine Oberstufe integrieren. Fest steht: «Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal eine 8. Klasse.»

Im kenianischen Schulsystem macht man nach der achten Klasse eine Abschlussprüfung. Sie ermöglicht den Übertritt in die Oberstufe. Ein Meilenstein für die Zukunft der Schulkinder aus dem Slum.

Mombasa, Kenia

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