Stadtammannwahl Baden

Badener Urgewächs mit kräftigem Händedruck: Markus Schneider will die Finanzen ins Lot bringen

«Die Badener Lebensfreude liegt mir besonders am Herzen»

«Die Badener Lebensfreude liegt mir besonders am Herzen»

Drei Fragen an Markus Schneider, Badener Stadtammann-Kandidat.

Markus Schneider ist für die CVP Stadtrat und Vizeammann, davor war er lange Jahre Einwohnerrat. Jetzt will er für die Bürgerlichen den Sitz des Stadtammanns zurückerobern.

Markus Schneiders Händedruck ist kräftig. Sehr kräftig. Wir treffen ihn bei schönem Herbstwetter auf dem Schlossbergplatz, wo gerade Jahrmarkt ist und emsiger Betrieb herrscht. Schneider hat sich für den Treffpunkt vor dem Stadtturm entschieden, weil das für ihn der Mittelpunkt der Stadt ist, um den sich alles dreht. «Hier kommt ganz Baden zusammen», sagt Schneider. «Das sieht man nicht nur während der Badenfahrt oder mittags, auch jetzt am Jahrmarkt und jede Woche am Wochenmarkt.» Der Jahrmarkt ist eine schöne Kindheitserinnerung für Schneider. Sein Vater habe jeweils Magenbrot heimgebracht. Hier habe er als Schulbub den Marktschreiern zugehört, Türkischen Honig, Chäpslipistolen und Frauenfürze gekauft.

Schneider wirkt gelöst, wir treffen ihn an Allerheiligen. Er hat frei, weil in Olten Feiertag ist, wo er in der Geschäftsleitung von Securitas arbeitet. Er hat jetzt im Wahlkampf fast jeden Abend einen Termin. Vor kurzem hat er zusammen mit Schulvorsteherin Ruth Müri und den Quartierbewohnern den erweiterten Kindergarten auf der Allmend eröffnet. Hier ist er einst selbst ein- und ausgegangen. Zwei Narben zeugen von dieser Zeit. Eine unter dem Auge von einem Sturz im «Chindsgi», eine zweite auf der Stirn: «Da bin ich mit dem Trottinett ein wenig zu schnell das Eichtal hinab gefahren und habe einen Baum erwischt», sagt Schneider und lacht. Er lacht viel, argumentiert sachlich – und erinnert sich gern an seine Jugendzeit in Baden.

«Ich bin ein Badener Urgewächs», sagt Schneider. Er ist 52 Jahre alt und hat zeit seines Lebens in Baden gewohnt. Er besuchte die Primarschule in Baden, allerdings nicht bei seinem Vater, dem legendären Lehrer Egon Schneider («Er hatte im Tannegg das erste Klassenzimmer rechts»), sondern in der Pfaffechappe beim späteren Stadtammann und Parteikollegen Sepp Bürge. Jeden Samstag sei er nach der Schule mit den Grosseltern im Café Disler eingekehrt. Im Disler habe er als Schulkind auch die «abverheiten» Süssigkeiten beim Hintereingang geholt, wie das die Badener Schulkinder machten, solange es die Konditorei neben dem Stadtturm noch gab.

Erich Obrist, Sandra Kohler und Markus Schneider über Fusionen, Steuererhöhung und ihre persönlichen Positionen

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Die wichtigsten Momente aus der Sendung «TalkTäglich» im Zusammenschnitt.

«Von Grund auf bürgerlich»

Markus Schneider war es in die Wiege gelegt, für die CVP zu politisieren. Als Sohn von Annemarie und Egon Schneider ist er am Eibenweg auf der Allmend mit zwei Schwestern aufgewachsen. In seiner Studentenzeit sei er dann «in ein FDP-Haus gezogen», wie er sagt: in eine Wohnung über der Metzgerei Müller an der Weiten Gasse. Alice Müller war seine Schlummermutter. Einige Jahre zuvor war Metzgermeister Kurt Müller 1978 für die FDP in den Badener Einwohnerrat gewählt worden, mit dem zweitbesten Resultat nach Markus Schneiders Vater Egon. Mit der Familie Müller ist Markus Schneider bis heute freundschaftlich verbunden.

Nach dem Studium – er studierte Sport an der ETH und Mathematik an der Uni Zürich – zog er in ein «SVP-Haus in Dättwil», ins Haus von Gemüsebauer und Einwohnerrat Alfred Obrist. Er könne sich also von Grund auf bürgerlich nennen, sagt Schneider lachend. «Aber immer offen für soziale und kulturelle Themen.» Er wird im Wahlkampf von allen bürgerlichen Parteien unterstützt, auch von EVP und GLP.

Als Ammann möchte er als erstes die Finanzen der Stadt wieder ins Lot bringen – «und führen statt verwalten.» Das «C» in CVP sei ihm nicht besonders wichtig, die Kirche mit ihren zentralen Werten aber schon. Schneider ist katholisch, er schätze den gelegentlichen Austausch mit dem Stadtpfarrer sehr, wie er sagt. Die Stadtkirche sei für ihn ein Ort der Ruhe und der Besinnung.

Markus Schneider ist leidenschaftlicher Fasnächtler und war lange Klarinettist bei der «Bloser-Clique» – hier 2004.

Markus Schneider ist leidenschaftlicher Fasnächtler und war lange Klarinettist bei der «Bloser-Clique» – hier 2004.

Auch die Familie ist ihm wichtig. Schneider lebt seit einiger Zeit getrennt von seiner Frau. Seine Tochter Natalie (18) lebt ganz beim ihm in Dättwil, die beiden Buben Silvan (16) und Sämi (14) sind jeweils ab Mittwoch und jedes zweite Wochenende bei ihm. «Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit den Kindern», sagt Schneider. Er ist Mitglied der Spanischbrödlizunft. Als Fasnächtler spielt er bei der «Bloser-Clique» die Klarinette. Zurzeit pausiert er aber, die Zeit für die Proben fehle. Und wenn man an der Fasnacht mitspielen wolle, dann müsse man auch bei den Proben dabei sein, findet Schneider.

Angefangen mit der Guggenmusik hat er, nachdem er mit dem Handballspielen aufgehört hat. Beim Stadtturnverein, dem «Städtli», spielte er Handball bis vor etwa 15 Jahren. In der 1. Liga und in der Nati B. Der Sport ist Schneiders Herzenssache. Er wurde nach dem Studium Turnlehrer an der Bezirksschule Baden. Er war Klassenlehrer, organisierte Skitage, Lager und zahlreiche Jugendfeste. 2007 wechselte er in die Privatwirtschaft, in die Geschäftsleitung der Securitas.

Respekt von allen Seiten

Schneider hat auch eine beachtliche Militärkarriere hinter sich. Nach der Infanterie-RS und der Unteroffiziersschule in Aarau machte er die Offiziersschule in Bern. Heute ist er als Oberst im Stab der Territorialregion 2. «Im Militär habe ich gelernt, was Führen heisst», sagt Schneider. Er wolle menschlich führen und schätze auch in seiner politischen Arbeit den Kontakt mit allen möglichen Leuten.

Von 1999 bis 2010 war Schneider für die CVP im Einwohnerrat. 2011 wurde er in den Stadtrat gewählt. 2013 unterlag er Geri Müller (Team Baden) im Rennen um das Ammann-Amt und wurde Vizeammann. Er geniesst als Ressortvorsteher Planung und Bau auch bei den politischen Gegnern Respekt. Hört man sich im politischen Baden um, fällt als erstes das Wort «dossierfest». Er gilt als zuverlässig. Man ist sich einig, dass Schneider seine Arbeit und sein Ressort im Griff hat und seine Sache als Stadtrat gut macht.

Fragt man nach, was er weniger gut mache, sagen manche, er sei bisweilen etwas arrogant oder zu siegessicher aufgetreten im Wahlkampf. Schneider selbst erlebt eher das Gegenteil: «Mir wurde beim Wahlkampf vor vier Jahren gesagt, ich sei zu verschlossen.» Er versuche, auf die Leute zuzugehen und immer ein offenes Ohr zu haben, sagt Schneider. Daran arbeite er immer noch – mit Freude.

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