Interview

Badener Stadtrat: «Ich werde mit voller Power wieder für das Amt antreten»

«Wenn wir gute Ideen für die Stadt Baden haben, kann ich nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen, dann will ich das umsetzen», sagt Philippe Ramseier über sich selbst.

«Wenn wir gute Ideen für die Stadt Baden haben, kann ich nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen, dann will ich das umsetzen», sagt Philippe Ramseier über sich selbst.

Stadtrat Philippe Ramseier spricht über seine Lust am Amt und die neue Strategie der Stadt Baden für ihre Grundstücke und Gebäude.

Philippe Ramseier, wir treffen uns im Ratssaal im Badener Stadthaus. Sie sind jetzt seit zweieinhalb Jahren Stadtrat in Baden. Macht Ihnen das Amt noch Spass, oder verleidet es Ihnen manchmal?

Philippe Ramseier: Im Gegenteil, das Amt macht mir sehr viel Freude. Ich fühle mich wohl im Kollegium und ich konnte zusammen mit meiner Abteilung schon vieles initiieren. Als Unternehmer musste ich anfangs lernen, dass die demokratischen Prozesse mehr Zeit brauchen, als ich es in der Privatwirtschaft gewöhnt bin. Aber diese Prozesse sind richtig und wichtig.

Eine Frage, die sich spätestens bei der Ersatzwahl im Herbst klären dürfte: Ist der Badener Stadtrat in Ihren Augen bürgerlich oder links?

Ganz ehrlich, die Parteifarbe spielt im Stadtrat keine besonders grosse Rolle. Es braucht Leute, die gemeinsam Lösungen suchen, Ideen bringen und auch andere Meinungen akzeptieren. Wir haben natürlich Reibungsflächen, aber wir sind ein gutes Team. Nur zu sechst ist es jetzt zeitweise schon heavy.

Sie sprechen die Vakanz seit dem Rücktritt von Sandra Kohler im März an. Kurz darauf begann die Coronakrise.

Genau. Die vielen laufenden Projekte, gerade auch im Ressort Planung und Bau, mussten wir weiter voranbringen. Das war nicht immer einfach. Wir freuen uns, wenn wir ab dem Herbst wieder zu siebt sind im Stadtrat.

Sie waren jüngst im Einwohnerrat sehr erfolgreich: Die neue Boden- und Immobilienstrategie der Stadt wurde in höchsten Tönen gelobt. Können Sie kurz schildern, was die Strategie für Baden bedeutet?

Sie bedeutet, dass wir jetzt ein Dokument haben, das einen nachhaltigen Umgang mit allen städtischen Immobilien erlaubt. Wir können Transparenz und effizientere Abläufe schaffen.

Ein konkretes Beispiel dazu?

Ein gutes Beispiel ist die Schule: Wenn die Schulen ein Bedürfnis nach mehr Fläche haben, weil die Schülerzahlen steigen, hiess es bislang: «Wir müssen bauen!». Mit der neuen Strategie werden in einer zentralen Immobilienstelle der Stadt Alternativen geprüft. Man schaut zum Beispiel vertieft, wo es freie Räume gibt. Bauen ist dann erst die letzte Massnahme, die infrage kommt.

Die Stadt Baden besitzt Immobilien im Wert von fast 700 Millionen Franken. Dazu zählen Schulhäuser, Gewerbeliegenschaften und Wohnungen. Nun gibt es auch ein neues Boden- und Immobilienregister. Können Sie das kurz erklären?

Wir schaffen sogenannte «Cluster». Zum Beispiel bei der Frage, welche städtischen Wohnungen preisgünstig sein sollen und welche einen Ertrag bringen sollen. Die Stadt schafft bessere, klare Kriterien für diese Frage – etwa welchen Einfluss der Zustand der Wohnung oder der Standort im Quartier hat.

Sie sprechen das preisgünstige Wohnen an. Es gab wiederholt Kritik, dass gerade die Vergabe der stadteigenen Wohnungen in Baden zu wenig transparent sei.

Genau. Das wird jetzt mit der neuen Immobilienstrategie auch deutlich transparenter geregelt. Dazu zählt auch die Frage, wie viel Ertrag die Stadt als Wohnungsvermieterin überhaupt erzielen darf. Zurzeit sind allerdings rund 90 Prozent der städtischen Wohnungen preisgünstig zu mieten, also unter dem Marktdurchschnitt.

Sie haben auch angedeutet, dass die Strategie Einfluss auf die ganze Verwaltung haben könnte.

Wir geben mit der Boden- und Immobilienstrategie einen Input für die langersehnte Reorganisation der Badener Stadtverwaltung. Jetzt müssen viele Prozesse und Schnittstellen neu geprüft werden. Bei Baukrediten ist es beispielsweise besonders wichtig, dass man ein Projekt von Anfang an in die richtigen Bahnen lenkt, um die Kosten im Griff zu haben. Mit besseren Schnittstellen können wir effizienter werden und eine Harmonisierung erreichen. Die neuen Prozesse rund um die zentrale städtische Immobilienstelle können durchaus auch ein Vorbild für andere Verwaltungsbereiche sein.

Das klingt alles sehr gut. Trotzdem gab es im Einwohnerrat vereinzelt Kritik an der Strategie, etwa dass sie längst überfällig und zu wenig detailliert sei. Was sagen Sie dazu?

Früher wurde anders gearbeitet, trotzdem hat es funktioniert. Aber man hat gemerkt, dass es bei den Immobilien mehr Transparenz braucht. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt dafür. Wir haben das Raumentwicklungskonzept REK abgesegnet, das war ein wichtiger Schritt. Es ist klar: Veränderung braucht Zeit. Ich glaube, wenn wir jetzt mit dem Hammer eingefahren wären, wäre das auch nicht richtig gewesen. Wir gehen Schritt für Schritt vorwärts.

Baden wird immer dichter bebaut. Tut die Stadt genug, um die Verdichtung zu steuern?

Eine wichtige Frage. Wir wollen mit der neuen Strategie eine «aktive Bodenpolitik» betreiben. Wenn man beispielsweise neuen Freiraum schafft, kann man an einem anderen Ort verdichten. Da ist es ganz besonders wichtig, dass die Stadt eine aktive Rolle übernimmt.

Ein Quartier, das sich bald stark verändern wird, ist das Gebiet rund um den Schadenmühleplatz. Dort beteiligt sich die Stadt mit einem Grundstück an der öffentlich-privaten Partnerschaft für den Neubau beim «Pilzhüsli». Kommt das gut?

Das kommt sehr gut. Dass die Stadt in Partnerschaften Bauten entwickeln kann, ist wichtig. Auch der Schadenmühleplatz selbst soll sich verändern. Im REK ist der unschöne Parkplatz als neuer Freiraum vorgesehen. Hier gibt es schon sehr gute Ideen, was auf dem Platz entstehen könnte. Aber das ist noch nicht spruchreif.

Haben Sie schon weitere Ideen, die Sie in nächster Zeit umsetzen wollen?

Ja, auf jeden Fall (lacht). Im Terrassenbad planen wir derzeit ein neues Kinderbecken und die Sanierung des Wellenbads. Im September werden wir den «Pumptrack» am Baregg eröffnen. Ich werde mich auch weiterhin stark für das Badener Gewerbe und die Wirtschaft einsetzen, gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit. Die Digitalisierung und eine ausgewogene Mobilität für alle liegen mir sehr am Herzen. Da braucht es innovative Lösungen. An solchen möchte ich auch auf Kantonsebene mitarbeiten. Deshalb kandidiere ich mit Freude und Elan für den Grossen Rat im Herbst.

Werden Sie nächstes Jahr auch für den Stadtrat wieder antreten?

Ja, das ist klar. Mit voller Power. Was ich dabei betonen möchte: Ich habe in meinen Abteilungen hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen man etwas auf die Beine stellen kann. Das macht Spass und motiviert zum Weitermachen.

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