Vernissage

Badener Neujahrsblätter 2020: Was für eine gastfreundliche Region!

Die 95. Ausgabe der Neujahrsblätter widmet sich Gastgebern und Gästen – von der Tagsatzung über die Werbung für den Kurort Baden bis zum «Fressbalken». Rund 100 Gäste haben bei der Vernissage im Historischen Museum auf das neue Werk angestossen.

Sie stellen jeweils einen reichen Fundus dar an vielfach verborgenen Geschichten, die irgendwo in der Region darauf warten, entdeckt zu werden. Und Jahr für Jahr werden einige in den Badener Neujahrsblättern zu einem bestimmten Thema niedergeschrieben. Auch heuer wieder. Am Montagabend lud das Redaktionsteam zur Vernissage der Badener Neujahrsblätter 2020. „Gastgeber und Gäste“, so das Thema der neusten Ausgabe, und nachdem vor dem Ennetbadener Jubiläumsjahr der Gang über die Limmat auf der Hand gelegen hatte, traf man sich diesmal wieder im Historischen Museum in Baden.

Museumsleiterin Carol Nater Cartier übernahm korrekterweise und dem Thema entsprechend als Gastgeberin die Begrüssung der Gäste. Mit Fug und Recht kam ihr dickes Lob im Voraus, dass auch die 95. Auflage wiederum ein „Riesengeschenk für die Stadt Baden“ sei. Dass die laufende Sonderausstellung «Badekult. Von der Kur zum Lifestyle» des Museums im Artikel über die Werbung für den Tourismusstandort Baden im 20. Jahrhundert mit dem Titel «Die lebensfrohe Stadt der warmen Quellen» (von Simon Steiner) in den Badener Neujahrsblättern Niederschlag gefunden habe, sei netter Zufall, erklärte sie. Ansonsten sind die Bäder diesmal kein Thema. So viel darf hier verraten werden: Dafür aber in der Ausgabe 2021.

Oktoberfestähnliche Zustande in Baden 

Sara Venzin machte mit ihrem Dank darauf aufmerksam, dass es stets engagierte Autorinnen und Autoren, und den Einsatz vieler anderer, nicht zuletzt der Sponsoren, allen voran der Ortsbürgergemeinde Baden und der Gemeinde Wettingen bedürfe, damit ein solches Werk realisiert werden könne. Nicht unerwähnt blieben die Vereinigung für Heimatkunde des Bezirks Baden sowie die Literarische Gesellschaft Baden als gemeinsame Herausgeber.

Die Hauptarbeit obliegt jedoch dem Redaktionsteam mit Salome Egloff, Andreas Fahrländer, Benjamin Ryser, Niklaus Stöckli und Sara Venzin, unterstützt von einer breiten Redaktionskommission. Den Dank der Gäste durften beide Gremien in Form eines kräftigen Applauses entgegennehmen. Saxophonist Mario Schenker würdigte mit beeindruckendem Solo-Spiel das Werk, dessen Vernissage er umrahmte.  

Egloff und Ryser stellten den Inhalt in träfer Form von Kostproben, sodass man es kaum erwarten konnte, das rund 200 Seite dicke Buch in den eigenen Händen zu halten. Dieses beginnt mit einem etymologischen Ausflug rund um das Wort Gast/Gastgeber und führt zur grossen Aargauischen Gewerbeausstellung 1925 in Baden (Andreas Fahrländer), die im Jubiläumstrubel um  „100 Jahre Badenfahrt 1923“ wohl untergegangen wäre. Der Bilderbogen zeigt unter anderem, dass auch damals in einer grossen Bierhalle wohl „Oktoberfest-ähnliche“ Zustände geherrscht haben müssen.

Würenlos: Auf Platz 8 der besten Raststätten der Welt

In einer Serie „Zu Gast in der Region“, die beim Kebab-Bäcker in Neuenhof beginnt (Irena Jurinak) und schliesslich zur Fislisbacher „Linde“ (Heidi Pechlaner Gut) führt, erhält der Leser Einblick in die Leidenschaft des Gastgebers. Eine besondere Trouvaille ist zweifellos die „kulturgeschichtliche Würdigung der Autobahnraststätte Würenlos“ (Roman Würsch), wo man erfährt, dass die im Volksmund mit „Fressbalken“ bezeichnete Brücke vom englischen Automagazin „Top Gear“ gar auf den achten Platz aller Autobahnverpflegungsstätten der Welt gesetzt wurde.

Im Teil „Stadt und Region“ folgen einige Trouvaillen an Geschichten, beginnend mit dem Exkurs in die 975 Jahre Wettingens (Carol Nater Cartier), die 555-jährige Geschichte der Schützengesellschaft der Stadt Baden (Mael Roumois), „Von den Bädern in die Welt hinaus“ (Florain Müller) zum 125-Jahr-Jubiläum der Firma Twerenbold (die selbstredend den Apero riche offerierte) oder zum Birmenstorfer Coiffeur-Gewerbe „Mit Schmöcki?“ (Patrick Zehnder). Fehlen dürfen auch nicht die verschiedenen Jahresrückblicke und vier Nachrufe ausgewählter Persönlichkeiten, die im vergangenen Jahr verschieden sind.

Statt noch viel mehr zu erzählen, sei hier besser darauf hingewiesen, dass die Neujahrsblätter sich für regional interessierte Leserinnen und Leser in den hiesigen Buchläden kaufen, gut unter den Weihnachtsbaum legen und ihr Lektüre sogar graue Wintertage erhellen lassen. Wie Sara Venzin ankündigte, darf man bereits gespannt sein auf die nächstjährige Ausgabe, die konzeptionell wie auch im Layout sich der Zeit anpassend etwas neu daherkommen werde.

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