Baden
«Badener Maske»: Der Thespiskarren rollt und rollt

Einmalig und unverwüstlich – die «Badener Maske», das bewegte Strassentheater. Einmal mehr ist dieses Stück eine Herausforderung für die Badener Maske, die sich solchen mit Begeisterung stellt: Ein rundes halbes Jahr Proben und dann die Tournee.

Rosmarie Mehlin
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«Das Festkomitee», alias Akteure der «Badener Maske», während einer Durchlaufprobe in Müslen auf dem Thespiskarren. zvg

«Das Festkomitee», alias Akteure der «Badener Maske», während einer Durchlaufprobe in Müslen auf dem Thespiskarren. zvg

Tatort Müslen: Das gerade mal einen Tag alte Lämmchen schläft selig im Stroh. Die Kühe aber, die vom Stall auf die Weide gekarrt werden, blicken neugierig auf den Wagen vor der grossen Scheune: Der hat da doch noch nie gestanden! Und die Menschen darauf, die reden wild durcheinander, gestikulieren, stehen auf, setzen sich. Was zum Kuckuck tut sich denn da in dem kleinen Weiler bei Rütihof?

Bühne fährt seit 1946

Zwei Zauberworte weisen den Weg zur Lösung des Rätsels: «Badener Maske» und Thespiskarren. In Müslen rüsten sich seit dem Wochenende beide auf den Start zur diesjährigen Tournee: Das bewegte Strassentheater und seine in der Schweiz einmalige Bühne auf Rädern, unverwüstlich seit 1946. Klar, der Wagen ist nicht mehr der alte, die beiden Zugpferde wurden längst durch PS-starke Maschinen ersetzt, viele Akteure, Regisseure, Helferinnen und Helfer sind im Verlaufe der Jahre gegangen, andere dazugekommen; aber die «Badener Maske» lebt, zieht alle zwei Jahre (früher jedes Jahr) mit dem Thespiskarren durch die Gegend und spielt darauf Theater.

Dieses Jahr steht «Das Festkomitee» nach dem Briten Alan Ayckbourn auf dem Programm, einem der erfolgreichsten Komödienautoren der Gegenwart. Wie immer wird eine Schweizerdeutsche Fassung gespielt. Die Typen in Ayckbourns Stücken scheinen alte Bekannte – bloss, dass sie skurril und schräg sind und ihr Handeln meist in wilde Turbulenzen ausartet. Einmal mehr ist dieses Stück eine Herausforderung für die Badener Maske, die sich solchen mit Begeisterung stellt: Ein rundes halbes Jahr Proben und die anschliessende Tournee, die sich diesmal über sieben Wochen hinzieht.

Sechs neue Gesichter

Seit fast 30 Jahren ist Barbara Gebhart, alias Klatschbase Klingelfuss an der jährlichen Badener Cordulafeier, vom «Badener Maske»-Virus infiziert. Sie ist Präsidentin, schafft immer wieder Bühnenbilder, spielt regelmässig Rollen. Auch in «Das Festkomitee» agiert sie auf dem Thespiskarren, diesmal zusammen mit zehn weiteren Darstellerinnen und Darstellern. «Darunter sind sechs neue Gesichter. Einige davon haben schon in anderen Theatergesellschaften gespielt, andere stehen zum ersten Mal im Scheinwerferlicht», berichtet Gebhart.

Auch Regisseurin Ingrid Wettstein gibt ihr Debüt bei der Badener Maske. Sie ist der einzige Profi im Ensemble und arbeitet als ausgebildete Theaterpädagogin ausgesprochen gerne mit Neulingen. Im März hatte sie mit den zweimal wöchentlichen Proben begonnen, zu denen sich vier intensive Probenwochenenden gesellt hatten.

Baden bezahlt keinen Rappen

Am Donnerstag nun geht es endlich mit den Vorstellungen los, und zwar traditionsgemäss «off Broadway» in der Ostschweiz. «Wir gastieren nacheinander in Bischofszell, Arbon, Altstätten und Romanshorn. Dort haben wir inzwischen ein Stammpublikum. Wir logieren in einem – natürlich billigen – Hotel in Arbon und geniessen tagsüber die Gegend und das Baden im Bodensee», so Gebhart.

Die Wanderbühne «Badener Maske» lebt als Strassentheater hauptsächlich von den Hutkollekten am Ende der Vorstellungen. Daneben finanziert sie sich durch Einnahmen aus der Theater-Bar, mit Spenden, Mitgliederbeiträgen, Sponsoren und kleinen Gemeindebeiträgen. Baden allerdings, für das die «Badener Maske» seit über 60 Jahren ein kultureller Leuchtturm ist, steuert keinen Rappen bei.

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