Die bekannteste Badener Brücke, die Hochbrücke, soll bis 2040 autofrei werden, schlägt der Kanton vor. Der wohl zweitbekannteste Limmatübergang in der Stadt, die Schiefe Brücke, steht bereits seit zwölf Jahren nur noch für Busse und Taxis offen. Das Fahrverbot ist aber nach wie vor umstritten, und nun regt sich erneut Widerstand: Hoteliers aus dem angrenzenden Bäderquartier verlangen, dass ihre Gäste und Lieferanten die Brücke mit dem Auto passieren dürfen.

Lorenz Diebold, Direktor im Limmathof, sagt: «Die Verkehrssituation ist nicht sehr tourismusfreundlich gelöst.» Im Frühling hat sich die Problematik verschärft: Nach dem Spatenstich für das neue Thermalbad wurde das Bäderparkhaus abgerissen. Den Limmathofgästen bietet sich die Möglichkeit, ihr Fahrzeug in der Tiefgarage des Casinos oder im Parkhaus Zentrum auf Ennetbadener Seite abzustellen. In vielen Fällen würde die schnellste Anreiseroute zu diesen Parkhäusern über die Schiefe Brücke führen. Weil dort ein Fahrverbot gilt, müssen die Hotelgäste aber einen Umweg fahren. Hinzu kommt: Weil diese Parkhäuser nicht in unmittelbarer Nähe zu den Bäderhotels stehen, suchen Gäste manchmal nach einem näher gelegenen Parkplatz – und überqueren dabei nicht selten die Schiefe Brücke. Die Folge: eine Busse von 100 Franken.

"Das kann keine Lösung sein"

Lorenz Diebold sagt dazu: «Unseren Gästen ständig zu erklären, welchen Weg sie zu den Parkhäusern fahren können oder gar selber ins Auto steigen zu müssen, kann auf Dauer keine Lösung sein.»

Unterstützung im Bemühen um eine tourismusfreundlichere Verkehrssituation erhalten die Hoteliers nun aus der Politik: SP-Einwohnerrat Alex Berger erkannte das Problem, als er während seiner Ausbildung an der Hotelfachschule ein Praktikum im Limmathof machte. In einer Anfrage betreffend Parkplätzen im Bäderquartier fordert er den Stadtrat auf, sich mit Lösungen für bessere Parkmöglichkeiten für die Hotelgäste während der Bauphase des Bottabades zu beschäftigen. «Die verschwundenen Parkplätze nach der Schliessung des Bäder-Parkhauses haben für die Betriebe in den Bädern schwerwiegende Konsequenzen.» Gäste müssten ihr Gepäck von einem öffentlichen Parkplatz her weit tragen.

Gäste beschwichtigen

Der Aufwand, um ankommende Gäste zu beschwichtigen, sei gross. Schlechtere Übernachtungszahlen, ein schlechteres Rating in der Kundenzufriedenheit wegen des Anreiseerlebnisses und somit ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Stadt-Hotels in Baden seien die Folge. Berger fordert den Stadtrat insbesondere dazu auf, sich Alternativen zur heutigen Parkplatzlösung zu überlegen.

Immerhin ist aus Sicht der Hoteliers Besserung bei den provisorischen Ersatzparkplätzen auf der Bäderstrasse in Sicht. Diese wurden nach der Schliessung des Bäderparkhauses angebracht; sie wären ausschliesslich für die Gäste der Hotels Blume und Limmathof sowie des Restaurants Goldener Schlüssel vorgesehen. Allerdings werden die Parkplätze oft von Autofahrern besetzt, die entweder einen Gratisparkplatz in der Stadt suchen oder im Casino zu Gast sind.

Zum Ärger der Hoteliers im Bäderquartier: Wegen der ständig besetzten Parkplätze beklagten sie bereits im Sommer einen Rückgang der Gästezahlen (die AZ berichtete). Ende August hiess es bei der Stadtpolizei noch, sie habe keine Handhabe, Parksünder zu büssen, da es sich um private Parkplätze handle. Dies sei nach wie vor der Fall, sagt Max Romann, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei. Aber: «In zwei bis drei Wochen bringen wir eine neue Signalisation an.» Statt «Privat – Bäderhotels» werde auf den Schildern bald «Parkverbot ausgenommen Bäderhotels» stehen. «Die Parkfelder gelten dann als öffentlich, und wir können Ordnungsbussen erteilen», so Romann weiter. Nämlich an all jene Autofahrer, welche die Parkplätze ohne Parkkarte der Bäderhotels beanspruchen.

Die neue Parkplatzlösung sei eine Verbesserung, jedoch immer noch nicht ideal, sagt Lorenz Diebold. Langfristig wäre den Hotels am meisten mit der Öffnung der Schiefen Brücke gedient, betont der Limmathof-Direktor. Von der Anfrage an den Stadtrat, die er zusammen mit Einwohnerrat Alex Berger sowie mit «Blume»-Hotelier Patrick Erne verfasste, erhofft er sich zumindest eines: mehr Dialog mit den Stadtbehörden. «Damit künftig Lösungen gefunden werden, mit denen alle Beteiligten leben können.»