Interview

Badener FDP wird 100 Jahre alt: «Es braucht unsere Partei mehr denn je»

Seit 2015 im Amt und gute Freunde, aber keine politischen Zwillinge: Tobi Auer und Oliver Steger.

Seit 2015 im Amt und gute Freunde, aber keine politischen Zwillinge: Tobi Auer und Oliver Steger.

Die FDP Baden wird diesen Herbst 100 Jahre alt. Die Co-Präsidenten Tobi Auer und Oliver Steger über die Zukunft der Stadtpartei.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr hat die FDP in der Stadt Baden eine Enttäuschung hinnehmen müssen: Bei den Grossratswahlen im Oktober wurde die Traditionspartei von Grünen und Grünliberalen überholt. Die FDP-Co-Präsidenten Tobi Auer (31) und Oliver Steger (37) sprechen im Interview über die Ziele ihrer Partei – und sie geben Auskunft zum Flyer, der den Linken im Stadtratswahlkampf sauer aufstösst.

Die FDP hat in Baden bei den Grossratswahlen viele Stimmen verloren. Ist in der Stadt nur noch viertstärkste Kraft. Und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Das muss schmerzen! Tobi Auer: Mit dem Ergebnis innerhalb der Stadt Baden können wir nicht zufrieden sein. Wir sind aber erfreut, dass unser Stadtrat Philippe Ramseier den Sprung in den Grossen Rat geschafft hat. Was bei den Grossratswahlen zählt, ist das Abschneiden im Bezirk – die FDP konnte die Sitzzahl halten.

Bereitet Ihnen das Ergebnis Sorgen, wenn Sie an die Einwohnerratswahlen nächstes Jahr denken?

Tobi Auer: Nein. Wir sind im Badener Einwohnerrat die stärkste Fraktion, und das wollen wir bleiben. Schon vor vier Jahren haben wir bei den Einwohnerratswahlen besser abgeschnitten als zuvor bei den Grossratswahlen.

Die Grünliberalen haben ihren Wähleranteil in der Stadt verdoppelt. Braucht es die FDP in Baden überhaupt noch?

Oliver Steger: Es braucht uns mehr denn je. Baden braucht eine Partei, die auch wirklich liberal ist und sich nicht nur so nennt. Tobi Auer: Wie viel Power wir haben, wie wichtig die FDP ist, haben wir unter anderem vor zwei Jahren gezeigt. Der Stadtrat wollte die Steuern grundlos erhöhen. Wir haben die Steuererhöhung praktisch im Alleingang verhindert. Auch bei Themen wie der Verwaltungsreorganisation zeigt sich, wie wichtig der Freisinn in Baden ist.

Tobi Auer: Zurzeit finden grüne Themen Mehrheiten, egal ob in Stadt, kantonal oder national. Und dies unabhängig von den Kosten und der zusätzlichen Bürokratie, die dadurch verursacht werden. Wir versuchen die Themen ganzheitlich zu betrachten und setzen uns für liberale Massnahmen ein. Der Nutzen muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten und den Regulierungen stehen.

Das tönt ein wenig theoretisch. Wofür setzt sich die FDP in Baden konkret ein?

Tobi Auer: Die Stadt Baden ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsstandort im Kanton Aargau. Wir kämpfen dafür, dass dies so bleibt. Die FDP schafft attraktive Rahmenbedingungen für die Unternehmungen. Und wir schauen, dass die Stadtfinanzen im Lot bleiben.

Oliver Steger: Es geht nicht nur um den Steuerfuss. Unsere Stadt muss für alle Verkehrsteilnehmer gut erreichbar sein. Mobilitätsformen müssen nebeneinander funktionieren und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir sind nicht nur der wichtigste Wirtschaftsstandort im Kanton, sondern auch eine Einkaufsstadt und bald wieder eine Bäderstadt. Aber wir können diesen Status nur halten, wenn unsere Stadt erreichbar bleibt.

Entwickelt sich Baden in die richtige Richtung?

Tobi Auer: In vielerlei Hinsicht: Ja. Ein grosser Gewinn zum Beispiel ist, dass die Weite Gasse nun verkehrsfrei ist. Das gehört zu einer modernen Innenstadt. Aber der ganz grosse Wurf in den letzten Jahren ist ausgeblieben. Aus unserer Sicht könnte die Stadt noch proaktiver gestaltet werden.

Eine klare Kritik am Stadtrat. Wird die FDP nächstes Jahr den Stadtammann-Sitz angreifen?

Oliver Steger: Wir konzentrieren uns jetzt auf den Stadtratswahlkampf.

Der Rückstand des FDP-Kandidaten Stefan Jaecklin auf Benjamin Steiner betrug im 1. Wahlgang 500 Stimmen. Wie soll er das aufholen?

Tobi Auer: Immer mehr Leuten wird klar, dass Stefan Jaecklin ein absoluter Glücksfall für die Stadt ist. Er war als Jugendlicher in der Pfadi Baden, sass dann später beruflich in New York den CEOs von Grossfirmen gegenüber. Er ist der perfekte Stadtrat für Baden: Er spricht mit allen auf Augenhöhe. In einem Moment mit Bewohnern und Vereinsvertretern, im nächsten Moment mit Firmenchefs, dann mit Einwohnerräten. Er ist weltoffen und setzt seine Ideen konsequent um.

Was sagen Sie zum Flugblatt aus dem FDP-Lager, das Benjamin Steiner, Jaecklins Konkurrenten um das Stadtratsamt, nicht in allzu gutem Licht darstellt?

Oliver Steger: Dieses Flugblatt ist von privaten Kreisen initiiert worden und war weder eine Aktion der FDP noch von Stefan Jaecklins Wahlteam. ­Stefan Jaecklin kennt Benjamin Steiner gut und schätzt ihn. Die aktuelle Diskussion rund um den Stil ist nachvollziehbar. Wir denken, das Ziel war, eine inhaltliche Debatte auszulösen, welche die unterschiedlichen Standpunkte der Kandidaten aufzeigt.

Politische Gegner sprechen wegen des Flyers von Trumpismus. Wie steht es um die politische Kultur in Baden? Wie ist der Austausch mit Präsidentinnen und Präsidenten der anderen Parteien?

Tobi Auer: Ich glaube, der Austausch ist in den letzten Jahren immer besser geworden. Noch vor vier, fünf Jahren hat es ab und zu «geklöpft». Das muss nicht schlecht sein, aber heute ist der Umgang respektvoller. Wir haben unseren Teil hoffentlich dazu beigetragen.

Oliver Steger: Wir sind alle ungefähr gleich alt und haben die Präsidien in einem jungen Alter übernommen. Als politische Anfänger mussten wir uns zuerst einmal im Badener Politalltag zurechtfinden. Das verbindet, der Umgang ist daher sehr freundschaftlich. Wir treffen uns regelmässig. Die Ideologie rückt bei diesen Treffen in den Hintergrund. Es geht um die Stadt Baden.

Es tönt so, als wären Sie beide sich immer einig. Sind Sie politische Zwillinge?

Oliver Steger: Nun ja, wir kennen uns schon lange, sind gute Freunde und arbeiten nun seit einigen Jahren zusammen für die FDP. Es macht grossen Spass, wir ergänzen uns gut und stehen für die gleichen Werte ein. In den Fraktionssitzungen sind wir aber nicht immer gleicher Meinung.

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