Gewiss: Der Entscheid des Regierungsrates zum Standortkonzept der Berufsfachschulen im Aargau wurde in Baden nicht mit ganz so grosser Spannung erwartet wie an anderen Orten. Es hat sich schon im Vorfeld abgezeichnet, dass die Berufsfachschule BBB und die Wirtschaftsschule KV Baden nicht um ihre Existenz zittern müssen.

Tatsächlich ist die BBB bei den gewerblich-industriellen Berufsfachschulen (GI) und das KV Baden bei den Standorten für die kaufmännischen Berufe und den Detailhandel weiterhin dabei. Wie nehmen die beiden Rektoren den Entscheid des Regierungsrates auf? «Eine Redimensionierung, geschweige denn eine Schliessung unseres Standorts stand zwar nie wirklich zur Diskussion», sagt Jörg Pfister, Rektor Bereich Grundbildung an der «zB. Zentrum Bildung – Wirtschaftsschule KV Baden».

Gleichwohl sei man natürlich froh und auch erleichtert, habe der Regierungsrat den Erhalt des KV Baden bekräftigt. «Insbesondere werden jetzt einige Dinge so umgesetzt, wie wir uns das erhofft und gewünscht haben», sagt Pfister. So komme das KV Brugg zwar nach Baden «unter unser Dach», doch er bleibt als Standort erhalten. «Gerne hätten wir auch das KV Lenzburg zu uns genommen, leider war das aber nicht möglich.» Immerhin habe der Regierungsrat entschieden, die Berufsmaturität Typ Wirtschaft an einem Ort zu belassen – und nach Baden zu zügeln.

Pfister ist aber nicht nur Rektor des «zB. Zentrum Bildung», sondern amtet gleichzeitig auch als Präsident der kantonalen KV-Rektorenkonferenz. Wie beurteilt er die Situation, nachdem der Kanton nun seine Pläne präsentiert hat? Wie verhärtet sind die Fronten, hat doch jede Schule für ihren Standort gekämpft?

«Natürlich wurde das Thema auch innerhalb der Rektorenkonferenz hart ausgefochten. Ich würde aber nicht von einem Scherbenhaufen sprechen.» Er gehe davon aus, dass man jetzt, wo der Entscheid gefällt ist, wieder konstruktiv und lösungsorientiert nach vorne schaue und zusammenarbeite. Und wie beurteilt er als Rektor des Zentrum Bildung – und nicht als Präsident des KV Baden – nun den Entscheid des Regierungsrates? «Es wurden für einzelne Schulen schmerzhafte Entscheidungen getroffen – es gibt Verlierer und Gewinner. Wichtig ist ein konstruktiver Umgang mit der neuen Situation. Es ist mir ein Anliegen für alle von einer Standort-Schliessung oder Berufsfeld-Verschiebung betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute Lösung zu finden. Persönlich finde ich es schade, dass der erarbeitete Lösungsansatz von Fusionen oder Kooperationen nur teilweise umgesetzt wurde», sagt Pfister.

BBB-Schülerzahl wächst wieder

Rolf Häner, Rektor der Berufsfachschule BBB in Baden, nennt den Entscheid des Regierungsrates «nachvollziehbar». Vor allem zeigt er sich hocherfreut, «wie vorbildlich die Regierung Verantwortung übernimmt». Nun habe man Planungssicherheit für die nächsten Jahre. Doch was bedeutet der Entscheid nun konkret für die BBB? «Die BBB wird ab August 2020 die drei Berufe Mediamatik (bereits ab Schuljahr 19/20), Kosmetik und Anlage- und Apparatebau vollständig übernehmen. Gemäss Modellrechnung des Bildungsdepartements bedeutet dies einen Anstieg auf rund 2500 Berufslernende, respektive rund 3000 Ausbildungsplätze inklusive Berufsmatura und Informatikmittelschule», so Häner.

Damit wird wieder eine Schülerzahl erreicht, welche die BBB schon in früheren Jahren aufwies. «Aufgrund des Strukturwandels vor allem auch im Gastrogewerbe oder in der Maschinenindustrie ist die Zahl auf aktuell 2100 gesunken. Dank des Entscheids des Regierungsrates können wir die Infrastruktur nun wieder besser ausnutzen. Gleichzeitig sei die BBB jetzt auch gefordert, das in sie gesteckte Vertrauen zu erfüllen. Häner freut sich aber nicht nur für die BBB, sondern für den Standort Baden als solchen. «Der Regierungsrat hat den Bildungsstandort Baden entscheidend gestärkt.»

Müri: «Begrüsse Entscheid sehr»

Auch die Badener Bildungsvorsteherin Ruth Müri (Team) zeigt sich erfreut. «Aus Badener Sicht begrüsse ich den Standortentscheid sehr. Er zeigt, dass der Bildungsstandort Baden mit seinen innovativen Berufsfachschulen gut positioniert und fit für die Zukunft ist.» Das neue Standortkonzept sei ein weiser Kompromiss des Regierungsrates. Einerseits werde die Berufsbildung durch die Bildung von Kompetenzzentren gestärkt, «anderseits verhindert der Regierungsrat ein regionalpolitisch motiviertes Zerpflücken des Konzeptes im Grossen Rat, indem er auch zukünftig alle bestehenden Standortgemeinden bei der Berufszuteilung berücksichtigt».