Es sind Momente, die man nie mehr vergisst im Leben: Am Dienstag ist Gabi Meier auf dem Heimweg, da entdeckt sie neben dem Kreisel beim Fislisbacher Gemeindehaus eine bewusstlose Frau am Boden liegen. Die 51-jährige Waltenschwilerin versucht ihr zu helfen, andere Leute stossen hinzu, tun das Gleiche und alarmieren die Ambulanz.

Doch das Warten zog sich hin. «Es kam und kam niemand», erzählt die Helferin dem Regionalsender Tele M1. Und dann erlitt die bewusstlose Frau auch noch einen Herzstillstand. «Wir haben wieder angerufen und gefragt: Wo bleibt denn das Auto?»

Doch die Ambulanz von Baden war in Aarau, obwohl es keine dringende Fälle zu diesem Zeitpunkt gab

Wo bleibt denn das Rettungsfahrzeug? Ambulanz rückt von Aarau nach Fislisbach aus, obwohl man vom KSB nur drei Minuten Fahrzeit zum Unfallort gehabt hätte

Doch die Ambulanz von Baden war in Aarau, obwohl es keine dringende Fälle zu diesem Zeitpunkt gab

Ein Blick auf die Karte zeigt: Der Einsatzort in Fislisbach ist – mit Blaulicht – in nur drei Fahrminuten vom Kantonsspital Baden (KSB) zu erreichen. Und auch von Wohlen aus braucht eine Ambulanz für die Herfahrt nur etwas mehr als zehn Minuten. Trotzdem dauerte es geschlagene 23 Minuten, bis die Ambulanz vor Ort war.

Alle Fahrzeuge im Einsatz

Wie war das bloss möglich? Die Erklärung: Die Ambulanz, die zum Einsatzort fuhr, war zuvor in Aarau. Die Fahrt dauerte dadurch eben 23 Minuten lang. Die Rentnerin starb in der Kälte am Fislisbacher Kreisel. Unklar bleibt, ob sie überlebt hätte, wenn die Ambulanz schneller vor Ort gewesen wäre.

Die Verantwortlichen in der Notrufzentrale wollen gegenüber Tele M1 nur schriftlich Stellung zum Fall nehmen: «Leider war zur Alarmierungszeit kein Fahrzeug im KSB stationiert, da sich alle im Einsatz befanden.»

Ersthelferin Gabi Meier kann es nicht glauben, dass keine schnellere Hilfe möglich war: «Das finde ich extrem inakzeptabel.» Ihr Glaube an das Notrufsystem sei stark erschüttert.

Nicht der erste Fall

Es ist nicht der erste Fall in diesem Jahr, bei dem das Aargauer Rettungssystem versagte: Die Notrufzentrale in Aarau hatte im Frühling bei einem tödlichen Unfall eines Kindergärtlers in Windisch den Rega-Helikopter von Basel aufgeboten, und nicht den näher gelegenen TCS-Heli vom Birrfeld. Nach diesem Vorfall passte der Kanton das Alarmierungskonzept für Luftrettungen an.

Gabi Meier hofft nun, dass auch nach dem Tod der 71-Jährigen in Fislisbach Anpassungen vorgenommen werden. (pz)