Pünktlich zum Auftakt des Animationsfilmfestivals Fantoche heute Dienstag lädt der Berufsverband der professionellen Animationsfilmschaffenden GSFA anlässlich seines 50-Jahr-Jubiläums zu einem Blick in die Ateliers von 23 Animationsfilmschaffenden ein. «Für den 50. Geburtstag hatten wir die Idee, nicht einfach irgendeine Ausstellung zu machen, sondern eine Wanderausstellung, bei der man hinter die Kulissen des Schweizer Animationsfilms blicken kann», erklärt Jonas Raeber, Präsident des GSFA, an der Vernissage. Die Wanderausstellung macht insgesamt in sechs Städten halt, wobei Baden den Startschuss zur Ausstellung gibt.

Nicht mehr ein Nischenprodukt

Der GSFA wurde 1968 in einer Genfer Küche ins Leben gerufen. Zu seinen Gründern gehörten unter anderen Georges Schwizgebel, Claude Luyet und Daniel Suter. Der Animationsfilm galt damals in der Schweiz noch als Nischenprodukt. Inzwischen boomt das Medium, der Schweizer Animationsfilm spielt in den oberen Festivalligen mit, wie «Ma vie de Courgette» (Regie: Claude Barras, 2016) oder jüngst «Chris the Swiss» (Anja Kofmel, 2018), die beide zu den Filmfestspielen von Cannes eingeladen wurden, beweisen. Ein Grund mehr, einige Arbeiten dieses «komischen Clubs», so Jonas Raeber scherzend, genauer zu betrachten.

Die Exponate der 23 Animationsfilmschaffenden vermitteln ein ebenso faszinierendes wie vielfältiges Bild der hiesigen Animationsszene. Zu sehen gibt es etwa Skizzen und Notizen, welche erste Ideen für eine Geschichte festhalten, Stilstudien, Storyboards mit einzelnen Filmszenen, Modelle, Puppen und vieles mehr. Dabei treten nicht nur die verschiedenen Arbeitsweisen der Künstler hervor, sondern auch die unterschiedlichen Animationstechniken.
Rafael Sommerhalders liebenswürdiger Kurzfilm «Au revoir Balthazar» (2016) über eine Vogelscheuche beispielsweise ist mittels Legetrick entstanden. Dabei werden ausgeschnittene Figuren und Dekor-Elemente auf übereinander angeordnete Glasscheiben gelegt. Auf diesen Glasscheiben werden die Elemente dann Bild für Bild bewegt und von einer Kamera von oben fotografiert. Als Besucher staunt man über die Liebe zum Detail und die Vielfalt von den Dekor-Elementen. Allein schon der Gedanke, wie viele Arbeitsstunden in einem neuneinhalb-minütigen Kurzfilm stecken, verschlägt einem den Atem.

Bild für Bild gemalt

Farbig wird es in den Bildern des Königreichs Gaagelingen hoch über den Wolken, wo die Königin Po regiert. Maja Gehrig hat die Zeichnungen und Skizzen, die als Grundlage für ihre aberwitzige Gutenachtgeschichte «Königin Po» (2015) dienten, ausgestellt. Hierbei erfährt man, dass die Figur der Königin auf einer Erfindung der Künstlerin beruht, als sie selbst noch ein Kind war.

Der Animationsfilm «Airport» (2017) von Michaela Müller wurde ebenfalls an prestigeträchtigen Festivals rund um den Globus aufgeführt. Drei Jahre Produktionsarbeit flossen in das elfminütige Werk. Müller malte dabei mit einer Mischung aus Wasserfarbe und Glycerin Bild für Bild auf eine von unten beleuchtete Glasplatte. Im Kunstraum sind die dazugehörigen Storyboards ausgestellt, welche für Müller das zentrale Element bei der Ausgestaltung ihres Filmes waren.

Publikumsliebling innerhalb der Ausstellung dürfte ein alter Bekannter aus der vorletzten Ausgabe des Fantoche werden: Ahmed, eine der Puppen aus «Ma vie de Courgette». Sie steht innerhalb einer Originalkulisse, in die man stundenlang hineinstarren könnte und ständig etwas Neues entdecken würde. Die kleine Puppe hat scheinbar auch das Herz des Badener Stadtrats und Kultur-Chefs Erich Obrist erobert: «Ich durfte bereits vor der Vernissage meine Nase in die Ausstellung stecken. Ich stand einfach da und schaute die Kulisse und die verschiedenen Lippen und Augenlider von Ahmed an. Ich bin begeistert von der Differenziertheit dieser Arbeit».

Neu gewonnene Faszination

Spätestens im Kinoraum dürfte der Besucher die Begeisterung des Stadtrats vollends teilen. Mit den Details der Ausstellung noch im Hinterkopf und dem Wissen darüber, wie viel Liebe und Akribie in die Werke eingeflossen sind, blickt man hier nämlich mit einer neu gewonnen Faszination auf das Endprodukt der Animationsfilmschaffenden.

Filmfestival Fantoche 4. bis 9. September, Baden.