ABB-Joint-Venture

Baden verliert Poker um globalen Hauptsitz von Hitachi – japanische Firma quartiert sich in Zürich ein

Die schweizerische Landesorganisation von Hitachi ABB Power Grids befindet sich im «Power Tower» an der Badener Bruggerstrasse.

Die schweizerische Landesorganisation von Hitachi ABB Power Grids befindet sich im «Power Tower» an der Badener Bruggerstrasse.

Baden geht im Rennen um den Sitz von Hitachi leer aus - das globale Hauptquartier des Joint Ventures mit der ABB befindet sich in Zürich. Die Stadt muss sich somit zumindest vorerst mit der Schweizer Landesorganisation begnügen.

Der Deal ist unter Dach und Fach: ABB hat 80,1 Prozent seiner Stromnetzsparte an den japanischen Konzern Hitachi verkauft. Das Joint Venture hat seine Geschäftstätigkeit Anfang Juli aufgenommen. Der Hauptsitz befinde sich in der Schweiz, heisst es in einer Medienmitteilung.

Aber wo genau? Auf Anfrage präzisiert Pressesprecher Alexander Sonneck: «Der globale Sitz von Hitachi ABB Power Grids befindet sich bis auf weiteres in Zürich-Oerlikon an der Brown-Boveri-Strasse 1; die Zentrale der schweizerischen Landesorganisation sowie einzelne Geschäftsbereiche befinden sich in Baden.»

Was bedeutet der Standortentscheid für Baden? Aus Sicht von Stadtammann Markus Schneider (CVP) ist es erfreulich, dass sich die Landesorganisation in Baden befindet, und damit auch Arbeitsplätze erhalten bleiben. Tatsache aber ist: Baden hat den Poker um den globalen Hitachi-Hauptsitz verloren.

Besteht doch noch berechtigte Hoffnung?

«Zumindest vorerst, für die nächsten zwei bis drei Jahre», sagt Thierry Burkart, FDP-Ständerat aus Baden. Danach werde das Unternehmen die Sachlage seines Wissens wohl neu beurteilen. Dazu passt die eingangs zitierte Aussage von Pressesprecher Sonneck, der globale Hauptsitz befinde sich in Zürich «bis auf weiteres». Burkart: Ich hoffe, dass langfristig Baden zum Zug kommt.» Schon 2019 sagte er an einem Vortrag: «Es gibt zwar keine Garantie, aber man darf davon ausgehen, dass die Arbeitsplätze in Baden sicherer wären, wenn sich der Hauptsitz hier befindet.»

Burkart, Vizepräsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Japan, weibelt seit Monaten für seine Heimatstadt als Standort des globalen Hauptsitzes des Joint Ventures, gemeinsam mit dem Aargauer Regierungsrat. So steht er in engem Kontakt mit der japanischen Botschaft oder reiste auch im Januar gemeinsam mit der Staatsschreiberin spontan nach Davos ans Weltwirtschaftsforum, um sich mit dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Hitachi auszutauschen. «Dass das globale Hauptquartier nun in Zürich steht, ist schon eine Enttäuschung.

Aber Japaner denken langfristig. Wir werden auch weiter Gespräche führen, behutsam und respektvoll, nur so gewinnt man in der japanischen Kultur das Vertrauen», so Burkart. Er ist überzeugt, dass Baden für das Joint Venture der ideale Standort wäre. Dies wegen des Energie-Clusters und der Nähe zur Forschung, beispielsweise zum Paul-Scherer-Institut in Villigen, und wegen der guten Verkehrsanbindung an den Flughafen sowie nach Zürich, Bern und Basel.

Keine Verschiebung der Angestellten der Stromnetz-Division

Der Einfluss, den die Politik in dieser Frage nehmen könne, sei beschränkt. Das Bemühen von Schweizer Amtsträgern sei im japanischen Verständnis aber wichtig. «Entschieden wird die Frage denn auch in Japan.» Hitachi geniesse dort einen riesigen Stellenwert, sie sei ein Stolz der ganzen Nation. «Darum darf Baden schon zufrieden sein, dass sich der Ländersitz und zahlreiche Arbeitsplätze in der Stadt befinden», so Burkart.

Zur Standortwahl sagt Sonneck: «Sowohl Baden als auch Zürich sind für Hitachi ABB Power Grids sehr wichtige Städte. Die Aufteilung ist im Prinzip dieselbe wie vorher, als sich der globale Hauptsitz der Stromsparte in Zürich und der Landessitz in Baden befand.» Weitere Standorte des Joint Ventures befinden sich nach wie vor in der Region – so werden Halbleiter in Lenzburg produziert.

Zu einer Verschiebung der Angestellten der Stromnetz-Division von Baden nach Zürich komme es aber nicht: «Die meisten Mitarbeitenden, die in die neue Zentrale in Zürich umgezogen sind – im Übrigen ein Gebäude, das zu unserer Fabrik für Hochspannungsprodukte gehört – haben vorher schon im ABB-Headquarter in Zürich gearbeitet.» Schweizweit beschäftigt Hitachi ABB Power Grids etwa 2900 Mitarbeitende, so Sonneck. Das in 90 Ländern tätige Joint Venture ist laut ABB mit einem Geschäftsvolumen von etwa 10 Mia. Dollar und rund 36000 Mitarbeitern weltweit führend bei Stromversorgungssystemen.

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