Kulturbetrieb

Baden streicht «Nordportal» Subventionen – Zukunft in Gefahr

Dem Kulturbetrieb "Nordportal" stehe schwierige Zeiten bevor. (Archivbild).

Dem Kulturbetrieb "Nordportal" stehe schwierige Zeiten bevor. (Archivbild).

Dem «Nordportal» in Baden droht das Aus, weil die Stadt Baden die Leistungsvereinbarung gekündigt hat. Damit gehen dem Konzertlokal jährlich 200'000 Franken verloren. Die Betreiber hoffen nun auf die Solidarität anderer Kulturveranstalter.

Baden muss sparen. Das bekommt jetzt auch das Konzert- und Partylokal "Nordportal" zu spüren. Die Stadt steigt aus der gemeinsamen Leistungsvereinbarung aus, wie "Radio Argovia" und das "SRF Regionaljournal" berichten. Das bedeutet: Sämtliche Subventionen – das sind rund 200'000 Franken pro Jahr – fallen weg.

Für die Betreiber des Nordportals kam die Botschaft wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Am Dienstag hat ihnen die Stadt eröffnet, dass der Ende Jahr auslaufende Leistungsvertrag mit ihrem Kulturbetrieb nicht erneuert werde. Dies berichtete Radio Argovia. Damit streicht das Kulturressort den Förderbeitrag von 60 000 Franken und den Mietzins mit Nebenkosten von über rund 180 000 Franken. Das Pikante daran: Der gesparte Mietzins dürfte Ende 2018 in der Kasse der Abteilung Liegenschaften fehlen.

Patrick Nöthiger, Leiter Abteilung Kultur, ist nicht glücklich. «Wir haben in den beiden «Optima»-Sparrunden vorwiegend verwaltungsintern und bei städtischen Kulturinstitutionen 110 000 Franken gestrichen. Mit dem neuen Sparbefehl des Stadtrates, vier Prozent weiterer Einsparungen für das Budget 2018, blieb nichts anderes übrig, als diesen Schnitt zu machen. «Für jeden, den es trifft, ist so etwas brutal», sagt Nöthiger. Er beurteilt jedoch die Chancen als intakt, dass sich das Nordportal mit einem kommerzialisierten Kulturbetrieb ohne Subventionen behaupten könnte. Mit dem nun vorgezogenen Entscheid habe die Betreiberin (Kailua GmbH) oder deren Angestellte die Möglichkeit, sich neu zu orientieren, sagt Nöthiger. Die andern Kulturinstitutionen bleiben diesmal verschont.

Mit diesem Entscheid würden nach dem «Royal» zwei weitere Bühnen schliessen, diejenige in der Halle und im «Fjord». Die Geschäftsleitung des Nordportals mit Clive Hupf (Gastronomie) und Muriel Peterhans (Kulturbetrieb) ist schockiert. Peterhans: «Der Kulturbetrieb ist ohne Mieterlass und Subventionen nicht möglich.» Ein kommerzieller Betrieb wäre denkbar, «was aber nicht unserer Leidenschaft entspricht», so Peterhans. Im März hiess es noch, dass nur der Kulturbeitrag von 60 000 Franken gestrichen werde. «Darauf haben wir uns eingestellt und auch schon einen neuen Businessplan erstellt», sagt Peterhans.

Grosse Solidarität

An einer gemeinsamen Sitzung haben die Kulturschaffenden Badens ihre Solidarität bekundet. Sie alle werden aufgerufen, drei Prozent zu sparen, damit das Nordportal abzüglich 60 000 Franken weiter subventioniert werden kann.

«Wir haben einige Abbaumassnahmen hinter uns, um das Nullwachstum beim Aufwand zu erreichen», erklärt Stadtammann Geri Müller. Jetzt müssen auch Abbauvorschläge gemacht werden, die für die Strategie der Stadt wichtig sind. Dazu gehört der Rückzug des kulturellen Leistungsauftrags an das Nordportal. «Ich kann die Enttäuschung bei den Betreibern sehr gut verstehen», so Müller. Dass bewusst dort gespart werde, wo der Aufschrei in der Bevölkerung garantiert sei, stellt Müller in Abrede. «Wir haben mit der Kulturabteilung und -kommission eine sorgfältige Abwägung vorgenommen.» Der Stadtrat hoffe, dass das Ende der Leistungsvereinbarung nicht das Ende des Kulturbetriebs bedeute. «Das Nordportal ist ein Leuchtturm. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit, den Kostendeckungsgrad zu erhöhen.» Zur Tatsache, dass die Stadt den Entscheid nicht offiziell kommuniziert habe, sagt Müller: «Die gesamten Abbaumassnahmen werden erst im Herbst präsentiert.» Und er kündigt gleich an, dass es im Hinblick auf die Budgetdebatte auch in anderen Abteilungen zu schmerzhaften Entscheiden kommen wird.

Tatsächlich: Der Stadtrat hatte im April im Hinblick sämtlichen Ressorts weitere nachhaltige – also nicht einmalige – Einsparungen von vier Prozent auferlegt. In der Stadtverwaltung herrscht Unmut, denn mit dieser «Rasenmäher-Sparübung» fühlen sich jene Ressorts bestraft, die bereits kräftig gespart haben. Der Stadtrat will damit der Forderung der bürgerlichen Mehrheit im Einwohnerrat nachkommen und im Oktober ein Budget 2018 ohne Steuerfusserhöhung präsentieren; also nach der Erhöhung des kantonalen Steuerfusses einen um 3 Prozent reduzierten Steuerfuss von 92 Prozent.

Im Nordportal treten immer wieder Acts von nationaler Grösse auf – etwa Bluesmusiker Philipp Fankhauser (2016)...

...oder Soulsänger Seven (2015)

Seven mit Band live im Nordportal Baden 2015

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