Baden
«Nach wie vor zu fett»: Stadtrat baut Verwaltung um – doch es gibt Kritik

Per 1. Januar erhält die Stadtverwaltung eine neue Organisation. Weil keine Stellen eingespart werden, äussert ein Einwohnerrat scharfe Kritik.

Pirmin Kramer
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Die Badener Verwaltung hat ihren Hauptsitz im Stadthaus.

Die Badener Verwaltung hat ihren Hauptsitz im Stadthaus.

Severin Bigler

Seit Jahren fordert die FDP eine Reorganisation der Stadtverwaltung. Diese wird nun Tatsache: Per 1. Januar 2022 wird die Badener Verwaltung neu aufgestellt. Stadtammann Markus Schneider (Die Mitte) und David Müller, «Leiter Stab», haben die neuen Strukturen an einer Medienkonferenz präsentiert. Markus Schneider sagt:

«Die Verwaltung wird deutlich schlanker und verständlicher und näher an der Kundschaft sein. Schnittstellen werden aufgehoben.»
Markus Schneider, Stadtammann von Baden.

Markus Schneider, Stadtammann von Baden.

Auffälligste Veränderung im Vergleich zur jetzigen Verwaltung: Die Zahl der Abteilungen verkleinert sich.

Eine weitere Neuerung: Es sollen möglichst nur zwei Führungsebenen bestehen. «Damit sind alle Mitarbeitenden nach maximal zwei Stufen direkt beim Stadtrat», heisst es in einer Mitteilung der Stadt. Von einem neuen Führungs- und Zusammenarbeitsverständnis ist die Rede.

«Der Stadtrat ist überzeugt, dass die Stadtverwaltung mit der Vereinfachung der Strukturen und der Verbesserung der Prozesse für die Zukunft gut gerüstet ist», heisst es weiter. Da die politische Struktur bereits komplex sei, soll die verwaltungsorganisatorische Struktur nicht noch zusätzliche Komplexität schaffen. Das auf die Verwaltung zugeschnittene Führungsmodell ermögliche ein neues Führungsverständnis: die Vernetzung unter den Einheiten werde gefördert, die Kompetenzen gestärkt, Querschnittsfunktionen installiert und das hierarchische Denken reduziert.

Stefan Jaecklin (FDP), Unternehmer, Einwohnerratswahlen

Stefan Jaecklin (FDP), Unternehmer, Einwohnerratswahlen

Bild: ZVG/Tobias Zeier

Stefan Jaecklin, Einwohnerrat der FDP, machte sich mit Fraktionskollegin Antonia Stutz für eine Verwaltungsreorganisation stark. Vom Vorschlag der Stadt ist er enttäuscht. Er sagt:

«Die Verwaltung der Stadt Baden ist fett aufgestellt. Daran ändert sich auch nach der Reorganisation nichts.»

Denn die Optimierung der Verwaltung erfolgt mittelfristig «ressourcenneutral», wie die Stadt mitteilt. Jaecklin kommentiert: «Das heisst nichts anderes, als dass trotz Neuorganisation keine Stellen eingespart werden. Da frage ich mich: Wofür wird überhaupt eine Reorganisation durchgeführt?»

Die Aussage gegenüber der AZ, die Verwaltung sei fett aufgestellt, wiederholte Jaecklin an der Einwohnerratssitzung in der Budgetdebatte. Stadtammann Schneider nahm die Angestellten der Verwaltung in Schutz.

Stefan Jaecklin: «Die Stadt hat die Ziele nicht erreicht»

Jaecklin und Stutz hielten bereits im Postulat ihre Überzeugung fest: Baden könnte auch mit einer deutlich schlankeren und somit kostengünstigeren Verwaltung alle bisherigen Aufgaben und Dienstleistungen erfüllen. Im Vergleich zu ähnlich grossen Städten wie Zug oder Olten brauche Baden rund 40 Prozent mehr Verwaltungsangestellte für dieselben Aufgaben.

Sie forderten deshalb, dass die Badener Verwaltung mittelfristig noch maximal 1,2 Angestellte pro 100 Einwohnerinnen und Einwohner aufweisen soll. Jaecklin: «Das Postulat wurde im Einwohnerrat einstimmig überwiesen. Auch alle linken Parteien stimmten zu. Leider ist unsere Forderung nicht umgesetzt worden. Die Stadt hat bei der Verwaltungsreorganisation das Ziel nicht erreicht.»

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