Baden

Baden gibt Flüchtlingen Gefühl, willkommen zu sein

Der vierte kantonale Flüchtlingstag im Aargau fand am Samstag in Baden statt. Alle waren sich einig: Die Stadt ist für gelungene Integration ein Musterbeispiel.

Mohamed Naseri dreht den Spiess um. Stellt eine Gegenfrage auf die Frage, die er seit seiner Flucht in die Schweiz tagtäglich hört: Aus welchem Land kommen Sie? «Was meinen Sie denn, woher ich komme?» Dem Blick in sein Gesicht, auf dass dieses Anzeichen geben könnte, hält er lächelnd stand. «Aus Afghanistan?» Die Antwort macht ihn glücklich. «Ganz genau, richtig, 100 Punkte.»

«Ich habe Leute sterben sehen»

Die Veranstalter des Flüchtlingstags haben ihn und Merhawi Kidane aus Eritrea für die offizielle Eröffnung in die reformierte Kirche eingeladen. Jetzt steht Naseri vorne und richtet an die vollbesetzten Reihen lächelnd ein «Grüezi mitenand». Der Afghane will am liebsten schon jetzt nur noch Schweizer sein, nach vorne schauen, sich noch besser integrieren in einem Land, in dem er schon seit langem lebt und arbeitet. Aber heute sollen er und Kidane noch einmal zurückschauen auf ihre Flucht, die schon ein paar Jahre zurückliegt. «Ich habe Leute sterben sehen und konnte nicht helfen», berichtet Kidane. «Die Bilder meiner Flucht gehen mir nicht mehr aus dem Kopf, begleiten mich bis heute», so Naseri.

Auch Stadträtin Regula Dell’ Anno-Doppler haben diese Worte bewegt. «Für mich ist das heute ein Fest», bekennt sie. Und: «Baden ist ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann, bei rund 100 Nationen, die in der Stadt leben.» 437 Menschen in der Region Baden hätten sich vergangenes Jahr in der Flüchtlingsarbeit engagiert – für die Stadträtin Beweis genug für eine weltoffene Gesellschaft. Wobei schon allein der Blick in die Gesichter der Männer und Frauen genügt, die im Weltchor Baden gemeinsam singen. Ihr Lied «I have a dream», das sie zum Abschluss anstimmen, findet stehenden Beifall. Es unterstreicht die Worte Regula Dell’ Anno-Dopplers: «Musik ist die Sprache, die uns alle verbindet.»

Auf dem Bahnhofsplatz, wo das Fest stattfindet, von dem sie sprach, besteht Gelegenheit, das auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen – bei African Percussion wie bei Breakdance. Auch vom Essen sagt man, dass es die Integration fördere. Mohamed Naseri stimmt es stolz, dass die Besucher Schlange stehen, auch um Spezialitäten aus seinem Land zu probieren. Und er erinnert sich an die Worte von Christoph Weber-Berg, Ratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau, bei der Eröffnung: «Integration gelingt immer dann, wenn den Menschen, von denen man sie erwartet, mit Respekt und Würde begegnet wird.»

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